Es war schon ein Kuriosum: Die Christdemokraten ließen im BZA in geheimer Abstimmung entscheiden, ob die Bügel entfernt werden sollten. Äußerst knapp (9 zu 8 Stimmen) wurde der Abbau beschlossen. Die Begründung: Laut Ratsbeschluss müsse die Verwaltung bei Wegnahme von Parkplätzen vorher die Politik sowie die Anwohner befragen – beides sei nicht geschehen. Und so stimmte die CDU auch nicht dem SPD-Antrag zu, die Anwohnerbefragung nachzuholen, bevor die Radbügel abgebaut werden. Aber warum sollte dies in geheimer Wahl passieren? Ein Schelm, der dabei denkt, die „Brandmauer“ solle unsichtbar gemacht werden ... Zudem steht die Frage im Raum, ob in Ausschüssen eine geheime Wahl bei Sachfragen dieser Art überhaupt rechtens ist. Auch führte ein Anwohner ein Argument an: „Die CDU hat bemängelt, dass wir vor der Aufstellung der Bügel nicht befragt wurden – aber sie hat uns auch nicht gefragt, ob sie wieder abgebaut werden sollen ...“
Die Bewohner der Hermannstraße hatten erst aus dem Stadt-Kurier erfahren, dass die im April installierten Fahrradständer kurzfristig abgebaut werden sollen. Anita und Franco Conti sowie zahlreiche weitere Anwohner der Hermannstraße setzen sich jetzt vehement für deren Erhalt. Sie hatten bereits im vergangenen Jahr die Errichtung solcher Bügel bei der Stadtverwaltung beantragt. Unter anderem, um die Gehwegsituation zu entschärfen. „Die Hermannstraße gehört zu den am stärksten zugeparkten Straßen in Neuss. Die Gehwege unterschreiten die gesetzlich vorgeschriebene Mindestbreite von 1,50 Metern. Es besteht eine Breite von 1,30 Metern“, heißt es in einem „Brandbrief“, den Anita und Franco Conti an den Bürgermeister und alle Ratsparteien geschickt hat. Noch dazu sei die Hermannstraße „ein Hotspot für Gehwegparken in Neuss“, weiß Heribert Adamsky vom ADFC Rhein-Kreis Neuss – und die angegebenen Maße für die Breite würden für eine kleine Dorfstraße gelten, und nicht für eine innerstädtische Straße wie die Hermannstraße. Hier ist das Gehwegparken seit einigen Jahren beidseitig erlaubt. „Und wenn dann die Fahrräder an den Häuserwänden abgestellt werden müssen, ist der Gehweg zum Beispiel für Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Kinder, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, kaum passierbar“, erzählt Franco Conti. Ein Abstellen der „Drahtesel“ an den neuen Bügeln würde hier für Entspannung sorgen.
Heribert Adamsky rechnet vor: „Für die zwölf Bügel für 24 Räder mussten zwei Parkplätze weichen.“ Er würde sogar gerne auch an den Eingangskurven zur Hermannstraße Fahrradständer aufbauen lassen (würde zwei Parkplätze „kosten“) – dies könne die Sicht für die Autofahrer und Fußgänger deutlich verbessern.
Franco Conti hat einen weiteren Vorschlag: die Hermannstraße zur Fahrradstraße umwidmen. „Hier fahren viele Kinder mit dem Rad zur Grundschule oder zum Gymnasium.“ Die Wunsch-Route der Fahrradstraße: „Vom Quirinus Gymnasium über die Sternstraße an der Martin-Luther-Grundschule/Kreuzschule vorbei, über die Hermannstraße und zurück über die Breitestraße wieder an der Martin-Luther-Grundschule/Kreuzschule vorbei.“ Die installierten Bügel seien ein erster konkreter Schritt in diese Richtung.
Familie Conti und zahlreiche weitere Anwohner der Hermannstraße wollen jetzt eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Fahrradständer starten. Bereits 2025 hatten sie 32 Unterschriften für deren Aufbau gesammelt. „Und jetzt werden es deutlich mehr sein“, sind sich Anita und Franco Conti einig.