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Helfer werden zurückgewiesen: Ehrenamtler sind frustriert

Helfer werden zurückgewiesen: Ehrenamtler sind frustriert
Die Spenden waren unerwünscht. FOTO: Violetta Buciak
Neuss. Helfen leicht gemacht. In Kaarst konnten vergangene Woche gleich mehreren Flüchtlingsfamilien binnen kürzester Zeit ganze Wohnungen eingerichtet werden. Hier wird genau koordiniert, wo und wann etwas gebraucht wird. Genau an dieser Stelle hapert es in Neuss. Trotz neu eingerichteter Anlaufstellen wissen viele Bürger nicht, an wen sie sich wenden können und werden dann an den Flüchtlingsheimen abgewiesen. Der Frust ist groß. Von Violetta Buciak

 Liebevoll hat Ursula Hörstemeier rund 20 Päckchen zusammengestellt. Die durchsichtigen Tütchen füllte die Krankenschwester mit original verpackten Süßigkeiten, Snacks, einem Apfel und mehr. Aufmerksamkeiten, über die sich die Asylbewerber im ehemaligen Alexius-Krankenhaus sicher gefreut hätten. Doch zur Übergabe kam es nicht. "Das Sicherheitspersonal hat mich barsch abgewiesen, wirkte eher genervt. Die Snacks musste ich wieder mitnehmen", ärgert sich die 63-Jährige. Ähnliches ist ihrer Nachbarin passiert, die mit frisch gewaschener, gefalteter und sortierter Kleinkinderbekleidung abgewiesen wurde.

Solche Vorfälle schilderten mehrere Leser der Stadt-Kurier-Redaktion. "Das schreckt Helfer ab", warnt Hörstemeier. Sie könne verschiedene Regelungen verstehen, beispielsweise, dass nicht jeder in die Flüchtlingseinrichtungen reinmarschieren könne. Dennoch sei der Handlungsbedarf groß: "Um einen Beitrag zur Integration leisten zu können, müssen zumindest Begegnungsstätten geschaffen werden. Die Asylbewerber werden derzeit vollkommen von uns abgeschottet. Wenn ich sie beim Spaziergang mit meinem Hund zufällig antreffe, merke ich aber, wie gut ihnen es tut. Mein Hund bricht dabei oft das Eis", erkärt die Neusserin. Will sie als Ehrenamtlerin tätig werden, muss sie zuerst ein Führungszeugnis der Polizei vorlegen und einen Arbeitsvertrag mit European Homecare, Betreiber der Erstaufnahmestellen, abschließen.

"Ersteres kann ich nachvollziehen, der Vertrag schreckt mich jedoch ab", erklärt die Krankenschwester. "Wir sind in einer Notsituation, da sollten bürokratische Regelungen gelockert werden, sodass wir handlungsfähig sind", so Hörstemeier. Herbert Napp reagierte noch vor seinem Amtsabtritt auf die Problematik: "Die Bevölkerung kann helfen, indem leerstehende Wohnungen gemeldet werden. Darüber hinaus ist nach Rücksprache mit Ehrenamtskoordinatoren ehrenamtlicher, persönlicher Einsatz gefragt und nach Rückfrage auch Sachspenden. Alle Infos zu Anlaufstellen finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.neuss.de/leben/soziales/fluechtlinge-in-neuss/ehrenamtliche-hilfe-fuer-fluechtlinge ."
Neu-Bürgermeister Reiner Breuer hat indes versprochen, besonderen Augenmerk auf die Flüchtlingspolitik zu legen.

Das sind die Anlaufstellen für Helfer:


Stadt, Verbände, Kirchen und Hilfsorganisationen haben sich darauf verständigt, die ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge in Neuss dezentral zu organisieren. Die konkreten Ansprechpartner in den Stadtteilen finden Sie hier:

Innenstadt/Hammfeld:     Malteser Hilfsdienst (MHD)    Stadtgeschäftsstelle Neuss
E-Mail: fluechtlingshilfe@malteser-neuss.de, Tel. 02131/ 88 09 621

Derikum/Norf    : Sozialdienst Katholischer Männer (SKM),    Burkhart Eigen, E-Mail: 
info@haus-derikum.de, Tel. 02137/ 49 20


Furth Mitte und Nord: 
    Arbeiterwohlfahrt (AWO)
Friedel Kluth Haus, Dienstag und Donnerstag, 9 bis 13 Uhr:
Sengül Öztas, E-Mail: 
senoeztas@awoneuss.de
Montag und Freitag, 9 bis 13 Uhr: Barbara Heim, E-Mail: heim@awoneuss.de, Mittwoch, 9 bis 13 Uhr: Meral Baydar, Tel. 02131/ 38 60 701

Furth Süd:     Diakonisches Werk der evangelische Kirchengemeinden    Daniela Siebenmorgen, E-Mail: aufeinander-zugehen@diakonie-neuss.de, Tel. 02131/ 56 68 30, Montag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr, Donnerstag zusätzlich 14 bis 16 Uhr
Holzheim:     Arbeiterwohlfahrt (AWO), Jessica Glaum, Dienstag und Donnerstag, 9 bis 12 Uhr, E-Mail: glaum@awoneuss.de, Tel. 0172/ 38 14 374

Uedesheim    : Kirchengemeinde    Christiane Funck, E-Mail: christianefunck@arcor.de
Tel. 02131/ 352 61

Reuschenberg:     Deutsches Rotes Kreus (DRK)    Lorina Benning, E-Mail: benning@drk-neuss.de, Tel. 02131/ 745 95 19

Weiteren Anlaufstellen:
http://www.neuss.de/leben/soziales/fluechtlinge-in-neuss/ehrenamtliche-hilfe-fuer
-fluechtlinge