| 10.21 Uhr

Neusser Durchfallmittel wird von Drogenabhängigen missbraucht Imodium akut-Firma Johnson& Johnson spült 150 Millionen in die Stadtkasse

Neusser Durchfallmittel wird von Drogenabhängigen missbraucht Imodium akut-Firma Johnson& Johnson spült 150 Millionen in die Stadtkasse
Die Neusser Firma stellt das umstrittene Mittel her. Das Pharma-Unternehmen Johnson& Johnson arbeitet aber nach besonderen ethischen Leitbildern. FOTO: Foto: Frank Möll
Neuss. Heroinabhängige weichen gerne auf das in aller Welt beliebte Durchfallmittel Imodium akut aus, dass die Neusser Firma Johnson& Johnson vertreibt. Gemeinsam mit chininhaltiger Limonade (Tonic Water) eingenommen führt es zu einem Rausch, der dem Zustand nach dem Konsum von Heroin gleicht. Mit dem Mittel macht die Firma Riesengewinne. Das Unternehmen erfreut den Neusser Bürgermeister jetzt mit einer Sonder-Gewerbesteuer-Zahlung von 152 Millionen Euro. Reiner Breuer ist happy. Von Frank Möll

Imodium akut legt den Darm lahm, gelangt aber nicht ins Zentrale Nervensystem, weil es die sogenannte Blut-Hirnschranke nicht überwinden kann. Das Wirkmittel Loperamid erzeugt aber dann einen Rauschzustand, der dem nach einem Opiumkonsum ähnlich ist, wenn diese Schranke zum Beispiel mit Chinin durchbrochen werden kann. So nehmen Heroinabhängige offensichtlich Loperamid in großen Mengen, um auf diese Weise mit weniger „Stoff“ auszukommen.

Der gesundheitliche Schaden durch die Potenzierung der Nebenwirkungen ist enorm. Apotheker sind deshalb nun gehalten, keine größeren Mengen Loperamid abzugeben. Die Neusser Firma Jonson& Johnson konnte gestern zum Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme abgeben, wohl aber Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der gestern um 14 Uhr die Stadt-Kurier-Redaktion anrief, nachdem er von den Recherchen der Redaktion, für die er seit Jahren als Kolumnist tätig ist, hörte.

„Uns ist das Thema bekannt. Auf europäischer Ebene läuft gerade eine Untersuchung. Ein erstes Ergebnis ist, dass Warnhinweise auf den Beipackzetteln erscheinen müssen“, so Gröhe, der eine Rezeptpflicht des beliebten Medikamentes nicht mehr ausschließen kann. Dies wäre aber ein drastischer Schritt. „Es muss erst geprüft werden, wie groß der Missbrauch ist“, so der Bundesgesundheitsminister. Der Imodium-akut-Hersteller Johnson& Johnson Neuss erklärt die extrem hohe Gewerbesteuerzahlung so: „Im Rahmen einer konzernweiten Umstrukturierung wurde die deutsche Holdinggesellschaft mit Rückwirkung auf den 17. Dezember 2015 mit einer Gesellschaft in Wien verschmolzen. Wie es die Regel bei solchen Verlagerungen ins Ausland ist, wurden die Buchwerte der Gesellschaft auf ihren realen Wert bewertet. Im Ergebnis dieser Neubewertung wurde der Marktwert höher als der bisherige Buchwert geschätzt und es ergab sich für das Unternehmen dadurch eine Gewerbesteuernachzahlung in Höhe von 152 Millionen Euro.“ Soweit die offizielle Stellungnahme, die der Stadt-Kurier auf Anfrage am Montag von der Unternehmens-Sprecherin Alina Schröder erhalten hat. Am Freitag schon erhielt der Stadt-Kurier aus dem Rathaus die vertrauliche Information, dass es sich bei dem Rekordzahler um Johnson& Johnson handelte.

Der könnte nach den neuesten Erkenntnissen aus der Drogenszene seinen Wirkstoff ähnlich wie Methadon für Abhängige in aller Welt vertreiben. Allerdings würde eine Rezeptpflicht sich auf das Unternehmen eher ungünstig auswirken. Zum Glück hat die Neusser Firma ja noch einen anderen Blockbuster im Sortiment: Penaten-Creme...

Frank Möll

(Kurier-Verlag)