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RWE: Knapp fünfzig Millionen für den Kreis

Rhein-Kreis Neuss. „Hätten vor zehn oder 20 oder 30 Jahren Wetten auf die heutige Situation auf den Energiemärkten abgegeben werden müssen, hätten vermutlich viele verloren. Jetzt aber wird so getan, als könne mit großer Genauigkeit schon prognostiziert werden, wie groß die Rolle der Kohle in 2040, 2045 oder 2050 ist.“ Von Violetta Buciak

Matthias Hartung, Vorstandssprecher des RWE, machte bei der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens (Erft-Kurier berichtete am Wochenende) deutlich, dass die beständige Diskussion um Ausstiegsszenarien aus der Kohleverstromung weder für die heimischen Unternehmen noch für das Gelingen der Energiewende von Vorteil sei.

Er machte deutlich, dass der „RWE-Fahrplan“ im Einklang mit den nationalen und europäis

chen Klimazielen stehe: Die CO²-Emissionen sinken in den kommenden vier Jahren um 15 Prozent dadurch, dass Kraftwerke in die „Sicherheitsreserve“ genommen werden (sie produzieren keinen Strom mehr, werden aber noch in Ordnung gehalten für den Fall, dass Wind- und Sonnen-Energie nicht in der Lage sind, für ausreichend Strom zu sorgen).

Die Blöcke P und Q (die letzten beiden) in Frimmersdorf gehen am 1. Oktober 2017 in diese Reserve; ein weiterer Block in Neurath folgt am 1. Oktober 2019.

In den 2020er Jahren sinken die CO²-Emissionen dann um 40 bis 50 Prozent, weil Tagebau Inden und das Weisweiler-Kraftwerk planmäßig stillgelegt werden.

Und „Mitte des Jahrhunderts werden auch unsere modernsten Braunkohleblöcke stillgelegt“, so Hartung weiter. Dann ist auch in den Neurather BoA-Anlagen endgültig der Ofen aus. Bis zum Ende des aktuellen Jahrzehnts will das RWE 1.600 Stellen im Rheinischen Revier abbauen.

Betroffen ist davon natürlich auch Grevenbroich. Das hohe Durchschnittsalter der Belegschaft (49 Jahre) und die Möglichkeit, „bei Überhängen die Mitarbeiter im Konzern umzusetzen“, soll den Stellenabbau sozialverträglich auszugestalten helfen.

Auch im RWE-Umfeld dürften sich schnell Folgen zeigen: für 47 Millionen Euro hat das RWE im vergangenen Jahr bei Unternehmen und Betrieben im Rhein-Kreis Waren oder Dienstleistungen eingekauft. 189 Millionen flossen gar in den Rhein-Erft-Kreis. Gelder, die in Zukunft immer weniger werden dürften, was dann noch mehr Arbeitsplätze in Frage stellt.

In diesem Zusammenhang wird dann auch gerne die „stoffliche Nutzung“ der Braunkohle (also nicht verbrennen, sondern der chemischen Industrie zur Verfügung stellen) ins Spiel gebracht. Eine Vorhersage, wie viel Tonnen Kohle da gebraucht werden könnten, „fällt mir im Moment schwer“, so Hartung. Er gehe aber von maximal 15 Prozent der heutigen Förderung aus.

-gpm.

(Kurier-Verlag)