„Es ist ein Wunder, dass diese Dinge in der Schützengesellschaft verborgen bleiben“, schmunzelt Bernd Hoeveler, „aber der Plan ist gut aufgegangen.“ Ebenjener Plan entstand mit Blick auf seinen 65. Geburtstag im vergangenen Jahr. Nachdem die große Feier zum 60. Geburtstag wegen der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen ist, wollte sich das Gefühl für ein großes Fest zum 65. nicht so recht einstellen. Doch im Gespräch mit seiner Frau Yvonne reifte bald eine Idee: „Warum nur an einem Tag Spaß haben und feiern, wenn man das ein Jahr lang haben könnte? Dann haben wir gesagt: Wir machen den Überraschungssieger!“
Umso größer war die Freude, als sich der Holzheimer recht zügig gegen seine Konkurrenz durchsetzen konnte. Somit ist er bereits zum zweiten Mal nach 1989/90 Hoher Reitersieger des Reitercorps im Neusser Bürger-Schützen-Verein. Damals sei es eine ganz andere Zeit gewesen, erinnert sich Bernd Hoeveler zurück. So ist ihm das Amt mit allem, was dazugehört, zwar nicht fremd, doch er erlebt es noch einmal neu – durch den anderen Lebensabschnitt, in dem er sich befindet, durch die anderen Menschen im Schützenwesen. „Beim ersten Mal war es eine ganz andere, aber auch gute Zeit“, erzählt er, „mit den Jahren ist man nun noch jedoch integrierter im Schützenwesen und der Siegerkreis mit allen Corpssiegern ist eine ganz tolle Gemeinschaft. Das beschwingt die Sache noch mehr.“
Da sich der Bauunternehmer im „fließenden Ruhestand“ befindet, bleibt wohl auch etwas mehr Zeit zum Feiern als damals. Sohn Jan hat vor gut zwei Jahren die Geschäftsführung des Familienbetriebs übernommen und ist damit die siebte Generation, die in die Fußstapfen der Familie tritt. Den Papa freut‘s: „Es ist sehr schön, wenn man einen Nachfolger hat. Da passt das jetzt gut rein mit der Siegerwürde.“
Der Traditionsbetrieb war es übrigens auch, der den Grundstein für die Leidenschaft für Pferde in der Familie legte. 1834 wurden Ziegelei und Bauunternehmen im Holzheimer Vierkanthof gegründet. Arbeitspferde waren dort lange an der Tagesordnung; in den 1970er Jahren wurde schließlich zu Reitpferden gewechselt. In dieser Zeit, mit gut zehn Jahren, kam auch Bernd Hoeveler zum Reiten. Auf Gut Neuhöfgen, dem damaligen Dreh- und Angelpunkt der reiterlichen Gesellschaft, begann der Bauunternehmer seine Ausbildung und setzte sie in der Westfälischen Reit- und Fahrschule Münster fort, erlangte das Silberne Reit- und Fahrabzeichen. Als Jugendlicher widmete sich der Holzheimer intensiv dem Turnierwesen. Nun kann der passionierte Reiter bereits auf 55 Jahren im Sattel zurückblicken.
Dem amtierenden Hohen Reitersieger wurde aber nicht nur die Liebe zum Reiten in die Wiege gelegt, sondern auch die zum Neusser Reitercorps. Denn sein Vater trat dem Corps 1949 bei und war diesem rund 50 Jahre treu – davon 25 Jahre als Standartenreiter 1962/63 sicherte er sich die Würde des Hohen Reitersiegers. Da verwundert es nicht, dass Bernd Hoeveler seinem Vater 1981 in das Reitercorps nachfolgte und schließlich als Standartenreiter sogar die Nachfolge seines Vaters antrat. 33 Jahre kam er dieser Aufgabe nach.
In diesem Jahr kann der 66-Jährige also bereits auf 45 Jahre Mitgliedschaft im Neusser Reitercorps zurückblicken. Und auch wenn er gerade kein passendes Pferd hat, mit dem er reiten könnte, macht er mit großer Freude bei allen Veranstaltungen einfach ohne mit. „Ein Pferd muss sich für diesen Einsatz eignen. Mit Mitte 60 muss man auch keine unnötigen Risiken eingehen“, erklärt Bernd Hoeveler und erinnert sich an einen ganz besonderen tierischen Gefährten: „Ich hatte lange einen Schimmel, mit dem ich 15 Mal in Neuss und 15 Mal in Holzheim beim Schützenfest geritten bin. Er war ein toller Kumpel.“ „Aber so ein Pferd findet man nicht mal eben, „ergänzt seine Frau Yvonne und lacht: „Das ist ein bisschen, wie einen Ehepartner finden.“
Jetzt, wo sich der „absolute Jahreshöhepunkt“ mit den Schützenfesttagen nähert, steigt bei Hoevelers die Vorfreude, wenn Highlights wie die Parade warten. Gleichzeitig blicken sie aber auch schon dankbar auf ihr Siegerjahr zurück: „Wir sind überall nett aufgenommen worden, haben tolle Leute getroffen und schöne Gespräche geführt.“ Unvergessen ebenfalls die vom Hohen Reitersieger organisierte Gemeinschaftsveranstaltung für sein Corps: Für ein Wochenende ging es aufs Schloss Wissen bei Weeze am Niederrhein. „Die Organisation hat uns sehr viel Spaß gemacht“, strahlt der Holzheimer. Da er sehr gerne Landschaften per pedes oder Rad erkundet, wurde unter anderem eine Fahrradtour zu einem Bauerncafé organisiert und auch ein Barbecue gab es. Eine tolle Zeit für die Gemeinschaft, ist sich das Ehepaar einig.