Curie-Schüler: Carl Sittel soll nicht in Vergessenheit geraten

Curie-Schüler: Carl Sittel soll nicht in Vergessenheit geraten

Carl Sittel ist ein nahezu vergessener Neusser Gigant. Der Architekt hat als Stadtbaumeister viele markante Neusser Gebäude wie das Lukaskrankenhaus und das Marie-Curie-Gymnasium entworfen, doch nach seinem Tode verlor sich seine Spur in der Stadtgeschichte.

Carl Sittel, Mitglied der Zentrumspartei, wurde von den Nazis in die Zwangs-Frühpensionierung geschickt und auch nach dem Krieg hatte er kein Glück mehr, seine Spur verliert sich.

Aufmerksame Bürger haben nun Sittels fast zur Unkenntlichkeit verwitterte Grabplatte auf dem Hauptfriedhof entdeckt und sie mit Hilfe einiger Schüler freigelegt. Geschichtsinteressierte Schüler der Oberstufe des Marie-Curie-Gymnasiums – das Architekt Sittel ebenfalls entworfen hat – haben gemeinsam mit ihrem Lehrer Michael Schmitt und Dieter Steins, Vorsitzendem der Carl-Steins-Stiftung für begabte und bedürftige Kinder, diese Platte freigelegt und wieder auf Vordermann gebracht. Sie soll in Zukunft einen Ehrenplatz im Marie-Curie-Gymnasium bekommen. Im Zuge der Kursarbeit haben die Schüler so etwas über diesen einst prominenten Neusser gelernt und selbst etwas zum Erhalt der Stadtgeschichte beigetragen. Ein besonderer Dank gilt dabei dem alt eingesessenen Nordstädter Heribert Schulz (88), der die Grabstätte, die vermutlich in den frühen Neunzigern abgelaufen ist, mehr oder weniger entdeckt und Steins von seinem Fund berichtet hatte. Steins leitete alles weitere in die Wege, regte im Marie-Curie das Projekt an und konnte schließlich mit den jungen Leuten, die sich im Vorfeld im Rahmen eines Projektkurses viel mit Sittel beschäftigt hatten, tätig werden. Die Zukunft des geschichtsträchtigen Steines ist noch nicht geklärt, doch bei der Feier zum 50-jährigen Jubiläum der Schule am 22. Januar war Sittel ein großes Thema und man ist sich sicher, dass der Fund an prominenter Stelle in dem denkmalgeschützten Gebäude seinen Platz finden soll.

Carl Sittel stammt ursprünglich aus Trier, arbeitete unter anderem in Kassel und Köln, bevor er 1904 nach Neuss kam um einen Krankenhausneubau zu realisieren. Als Stadtbaumeister war Carl Sittel dann für die wichtigsten Bauvorhaben im Einsatz. Sittel war Mitglied der Zentrumspartei und verabschiedete sich 1933 aus vorgeblich „gesundheitlichen Gründen“ in die vorzeitige Pensionierung. 1955 starb der Architekt in Neuss.

In Neuss stammen von ihm unter anderem das Städtisches Elektrizitätswerk an der Salzstraße, ein Wohnhaus auf der Kaiser-Friedrich-Straße 84, die Städtische Oberrealschule am Niedertor, das Zollamt am Marienplatz, das Lukaskrankenhaus, das Städtische Wasserwerk am Broichhof, die Volksschule an der Weingartstraße sowie Wohnhäuser an der Hammer Landstraße, an der Kaarster Straße, an der Bergheimer Straße, an der Jostenallee an der Venloer Straße und an der Preußenstraße.

Thomas Broich

(Kurier-Verlag)
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