Artillerie-Sieger Torsten Klein „Ich freue mich schon auf den bunten Herbst auf der Laga“

Neuss · Beim Flachrennen des Artilleriekorps hat sich Torsten Klein gegen seine Mitbewerber Torsten Braun und Werner Goertz durchgesetzt. Mit einer halben Pferdelänge Vorsprung galoppierte der 52-Jährige zum Sieg und sicherte sich damit den Titel des neuen Neusser Artillerie-Siegers. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sonja bildet er nun das neue Siegerpaar.

Torsten und Sonja Klein kurz nach dem Sieg auf der „alten“ Rennbahn. In Zukunft wird die Strecke für das Flachrennen der Artillerie etwas kürzer werden.

Foto: Kurier-Verlag/Thomas Broich

Für Torsten Klein war die Teilnahme am Flachrennen vor allem eine Frage des Korpsgeistes. „Ich war halt noch nie Artilleriesieger“, sagt er. „Und da wir ein kleines Korps sind, sollte jeder einmal den Ehrgeiz haben, dazu anzutreten.“ Mit dem Sieg übernimmt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Sonja eines der höchsten Ämter innerhalb des Neusser Schützenwesens.

Offiziell trat das neue Siegerpaar an seinem 13. Hochzeitstag beim Krönungsball der Artillerie im Bürgerhaus Reuterhof sein Amt an. Torsten und Sonja Klein folgen auf Julian Brockers und Ana Nilson.

Für den 52-Jährigen ist das Schützenwesen keineswegs Neuland. Klein bringt bereits umfangreiche Erfahrung in verschiedenen Funktionen mit. Beruflich ist er als Betriebsleiter und Prokurist beim Garten- & Landschaftsbaubetrieb Mauer auf der Morgensternsheide tätig. Auch im Schützenwesen übernimmt er Verantwortung: In der Further Schützenbruderschaft ist Klein als Geschäftsführer im Komitee aktiv.

Einen besonderen Titel hat er bereits errungen. 2016 war Torsten Klein auf der Furth Schützenkönig. Hier marschiert er außerdem in den Reihen der „32er Scheibenschützen“ auf der Neusser Furth seit mittlerweile 40 Jahren mit.

Auch im Artilleriekorps ist Klein seit vielen Jahren fest verankert. Über das bereits verstorbene Artillerie-Ehrenmitglied Eckhard Schlee kam er Anfang 30 zur Artillerie. Von 2015 bis 2021 legte er zwar eine kleinere Artilleriepause ein, mittlerweile ist er aber wieder „mit Herz und Seele“ dabei. Als einer von vier Gespannfahrern übernimmt Klein zudem eine besondere Funktion im Korps.

Dass ein leidenschaftlicher Reiter nun an der Spitze der Artillerie steht, passt gut. Gemeinsam mit Ehefrau Sonja verbindet Klein nicht nur das Engagement im Schützenwesen und den gemeinsamen Beruf, sondern auch die Leidenschaft für den Reitsport. Mit dem Reiten begann Torsten Klein bereits im Alter von 18 oder 19 Jahren in der altehrwürdigen Neusser Reitschule Schanowski. Heute besitzen die Kleins selbst zwei Pferde, Emil und Rivaldo. Zum gemeinsamen Haushalt gehören außerdem zwei Hunde, Reto und Nena.

Ein Schützenfest ohne Pferde ist für den neuen Artilleriesieger kaum vorstellbar. Gleichzeitig ist ihm der Tierschutz wichtig. Gerade bei hohen Temperaturen müsse die Belastung der Tiere ernst genommen werden. „Pferde gehören einfach dazu, aber Extremhitze ist ein Problem“, betont Klein. „Wenn 40 Grad erreicht werden, muss man bedenken, dass der Asphalt noch heißer ist. Da wäre es eine vernünftige Entscheidung, die Pferde rauszuziehen. Ich hoffe, dass es zum Neusser Schützenfest nicht so extrem wird.“

Den sozialen Aspekt des Schützenwesens schätzt Klein besonders. Als Siegerpaar lernen Torsten und Sonja Klein derzeit viele neue Menschen kennen. „Man lernt viele neue nette Menschen kennen“, bringt er es auf den Punkt. Entsprechend freuen sich beide auch auf den Siegerball im Oktober. „Da kommen mal alle Familien des Korps zusammen. Das ist sehr schön, denn wir sehen uns in dieser Zusammensetzung nicht so oft.“

Mit dem aktuellen Zustand seines Korps ist Klein zufrieden. Vor einigen Jahren habe es einen größeren personellen Abgang gegeben, mittlerweile seien die Zahlen aber wieder stabil. Gleichzeitig nimmt er eine Verjüngung wahr. „Man kann so eine Veränderung nicht von heute auf morgen herbeiführen, aber es ist schon spürbar, dass junge Leute ins Korps hereingekommen sind“, sagt Klein.

Eine besondere Herausforderung sei für junge Mitglieder allerdings das Pferd. „Man sollte ja reiten können. Und man muss so ein Pferd über das Schützenfest auch bezahlen.“ Für junge Menschen in Ausbildung oder Studium könne das durchaus eine Hemmschwelle sein.

Als Landschaftsarchitekt hat Klein natürlich auch eine eigene Meinung zur Landesgartenschau. Persönlich hat er das Gelände bis zum Redaktionsschluss allerdings noch nicht besucht. Das hat einen einfachen Grund: Er will sich Zeit lassen. „Ich habe zwar beruflich einiges mit dem Thema zu tun, aber ich kann noch warten. Ich werde wohl fast zum Schluss gehen“, sagt er.

Gerade aus fachlicher Sicht sei der Herbst für ihn der interessantere Zeitpunkt. „Im Sommer ist es mit der Blütenpracht nicht weit her. Als Fachmann weiß man das halt. Der Herbst ist dafür der ideale Zeitpunkt. Dann gibt es die schönste Farbenpracht. Viel Rot, viel Gelb, dazu zahlreiche Herbstblüher. Das kommt bestimmt ganz gut.“ Juni und Juli seien in der Pflanzenwelt eher eine „Saure-Gurkenzeit“, findet Klein. Ab September werde es wieder interessanter.

Die langfristige Bedeutung der Landesgartenschau für Neuss beurteilt er positiv. „Als Impuls für die Stadt ist die Gartenschau ganz gut.“ Als Beispiel nennt er die restaurierte Wetthalle. Auch die Sparkassenbühne könne aus seiner Sicht möglicherweise später noch einmal genutzt werden – wenngleich er einräumt, dass die Umsetzung eine Frage der Realisierbarkeit sei. Insgesamt sei die Landesgartenschau eine Bereicherung für Neuss. Entscheidend werde allerdings sein, wie das Gelände langfristig gepflegt werde. „Man muss das Gelände darüber hinaus natürlich nur in Schuss halten – auch die Spielgeräte wollen gepflegt werden. Mal sehen, ob das geschieht.“

Auch das traditionelle Flachrennen der Artilleristen hat durch die Landesgartenschau keinen entscheidenden Einschnitt erfahren. Das Rennen auf dem Gelände war bereits im vergangenen Jahr Thema. Zwar ist der Abschnitt, auf dem die Artilleristen ihre Pferde gegeneinander antreten lassen, etwas kleiner als früher. Für Klein ist das jedoch kein grundsätzliches Problem.