Katastrophen kennen keine Uhrzeit – Diesmal mussten unsere Retter früh raus

Holzheim/Kreitz · Eine Großübung verlangte unseren Rettungskräften jetzt alles ab: Um 10 Uhr wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Neuss und des Rettungsdienstes zu einem Verkehrsunfall mit mehreren beteiligten Fahrzeugen im Bereich der B230/Kreitzweg alarmiert.

Die genaue Anzahl von Verletzten war den Kräften zu diesem Zeitpunkt unbekannt.

Den eintreffenden Einsatzkräften bot sich ein Bild der Verwüstung. Der beteiligte Lkw hatte seine Ladung auf der Fahrbahn verloren. Ein Fahrzeug hatte Feuer gefangen und Verletzte lagen auf der Straße und waren in den Fahrzeugen eingeklemmt. Ein Verletzter simulierte einen Herzinfarkt, die meisten wiesen größere Verletzungen durch äußere Gewalteinwirkungen auf.

Mit tatkräftiger Unterstützung des THW und der Abschleppfirma Gesell hatte die Übungsleitung bereits ab 6 Uhr morgens damit begonnen, Fahrzeuge ineinander zu verkeilen und zu beschädigen. Ein Fahrzeug lag auf dem Dach, ein weiteres schräg auf der Leitplanke unter einem Baum und eines in der Böschung. Verursacht wurde der simulierte Unfall durch ein Kind, welches mit seinem Fahrrad die Fahrbahn überquerte und den Verkehr zu Ausweichmanövern zwang.

Die ersteintreffenden Einheiten forderten nach kurzer Erkundung zahlreiche weitere Kräfte an und begannen erste Verletzte zu betreuen und die Einsatzstelle zu sichern. Übungsziel war die frühe Strukturierung der Einsatzstelle und die Priorisierung der Maßnahmen durch den Einsatzleiter der Feuerwehr in Absprache mit dem Rettungsdienst. Erschwert wurde die Aufstellung der Fahrzeuge durch das stark begrenzte Platzangebot auf der zweispurigen Verbindungsstraße. Die Polizei unterstützte bei der Absperrung der Unfallstelle und erprobte neue Technik in der Unfallaufahme.

Die rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr Neuss, vier Rettungswagen der Johanniter und des Deutschen Roten Kreuzes, zwei Notärzten und des Teams der Notfallseelsorge arbeiteten effektiv zur Stabilisierung der Übungslage. Gefahren der Einsatzstelle durch das brennende Fahrzeug, auslaufende Betriebsmittel, ausströmendes Gas einer Autogasanlage, Gefahrgut im beteiligten Transporter und lose Gegenstände auf der Fahrbahn wurden zügig beseitigt. Die technische Rettung der vielen eingeklemmten Personen gestaltete sich aufwändig und musste gerade in der Anfangszeit nach Verletzungsmustern und Transportpriorität in Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst erfolgen. Die acht, zum Teil schwer Verletzten, sowie vier Unfallbeteiligte, jedoch unverletzte Personen wurden nach erster Versorgung zum Feuerwehrhaus des Löschzuges Grefrath gebracht, wo auch eine Nachbesprechung erfolgt.

Für Übende von Feuerwehr und Rettungsdienst, aber auch zur Überprüfung von Einsatzkonzepten war die Übung ein großer Erfolg. Gewonnene Erkenntnisse werden in den jeweiligen Organisationen ausgewertet und der Erfahrungsgewinn jedes einzelnen Beteiligten hilft zukünftig bei der Bewältigung ähnlicher Lagen.

(Kurier-Verlag)