Warum die „Edel-Fans“ Stefan Vollmert und Andreas Preuss nicht zur WM reisen Ernie und Bert bleiben diesmal zuhause

Holzbüttgen · An diesem Wochenende startet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in den USA mit ihrem ersten Spiel gegen Curacao die WM 2026. Dabei werden die „Nagelsmänner“ im Stadion nach langer Zeit erstmalig wieder auf die Unterstützung zweier ganz besonderer Deutschlandfans verzichten müssen. Die beiden Kultfiguren Ernie und Bert aus der Sesamstraße – seit 1990 in Italien nahezu bei jeder WM und EM in den Stadien live dabei – werden zu diesem WM-Turnier keine Koffer packen und bleiben stattdessen daheim.

Stefan Vollmert und Andreas Preuss (von links) in ihren Deutschland-Fananzügen und Maskottchen Ernie und Bert: So sah man sie auf zahlreichen Fußball-Weltmeisterschaften, doch diesmal bleiben sie zuhause.

Foto: privat

„Natürlich sind wir schon sehr, sehr traurig, dass wir unser Team bei diesem Fußball-Spektakel nicht wieder live vor Ort anfeuern werden“, bedauert der Holzbüttgener Stefan Vollmert den Umstand, dass er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Andreas Preuss (Manager vom Deutschen Tischtennis-Rekordmeister Borussia Düsseldorf) sowie ihren Maskottchen Ernie und Bert die Reise in die USA nicht antreten wird. „Aber nach den Enttäuschungen bei der Ticket-Zuteilung durch den DFB-Fanclub, den völlig überzogenen Ticket-Preisen bis zu 1.500 Dollar für das billigste Vorrunden-Ticket im Fanbereich hinter dem Tor und nahezu unbezahlbaren Hotelpreisen haben wir uns ganz bewusst gegen eine Reise zu dieser WM entschieden“, beschreibt Vollmert die näheren Umstände des Fernbleibens.

Vollmert und Preuss folgen der deutschen Nationalmannschaft als begeisterte „Hardcore-Fans“ bereits seit der Weltmeisterschaft 1990 in Italien weltweit zu nahezu jeder WM und EM. Stets im Gepäck: Ihre markanten schwarz-rot-goldenen Anzüge nebst Hüten und ihre beiden Stars aus der Sesamstraße, ebenfalls in schwarz-rot-golden gekleidet. So genießen die Vier in den Stadien, aber auch im TV, inzwischen Kultstatus. Seit fast 25 Jahren sind beide auch Mitglieder im Fanclub der Deutschen Nationalmannschaft. Für die Zuteilung von Tickets für diese WM wurde vom Fanclub eigens ein spezielles Punktesystem entwickelt, bei dem jeder Fan durch den Besuch von Spielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2024 und 2025 Punkte für ein gutes Ranking bei der Ticketvergabe für 2026 sammeln konnte. „Und da haben wir sehr viele Spiele der DFB-Elf besucht, sogar auch das Nationsleague-Auswärtsspiel des deutschen Teams in Mailand“, verweisen beide auf ihre ungebrochene schwarz-rot-goldene Fußball-Leidenschaft.

Während Vollmert dann bei der Ticketvergabe zur WM immerhin mit zwei Vorrundentickets zu 200 und 250 Dollar bedacht wurde, blieb sein Wegbegleiter Andreas Preuss bei der Ticketvergabe trotz gleicher Ranking-Punktzahl völlig unberücksichtigt. „Und im freien Verkauf über das offiziell e-Ticket-Portal in den USA sind die Karten beim Stückpreis von weit jenseits der 1.000 Dollar pro Ticket einfach unerschwinglich“, beschreibt Andreas Preuss seine Erfahrungen beim Versuch, doch noch an WM-Tickets zu kommen. Ganz abgesehen von Hotelpreisen in den deutschen Spielorten Houston, Toronto und New York, die für ein halbwegs vernünftiges Doppelzimmer bei über 1.000 Dollar pro Nacht liegen. Hinzu kommen ganz erhebliche Kosten für den Hin- und Rückflug in die USA oder Kanada (ab 1.200 Euro) sowie für die notwendigen Inlandsflüge (jeweils 300 bis 500 Euro), das Stadionbier für 20 Dollar soll dabei mal völlig außen vor bleiben. „Als leidgeprüfte Fortuna-Fans sind wir zwar einiges gewohnt, aber eine solche Abzocke wollten wir dann doch nicht mittragen und haben uns deshalb schweren Herzens entschieden, bei dieser WM zu passen und stattdessen beim Public-Viewing in der Heimat mitzufiebern“, begründen die beiden treuen Edel-Fans ihre diesjährige Absage. Seine Tickets hat Vollmert daraufhin übrigens zurückgegeben.

Dabei waren er und Preuss vor 32 Jahren zur WM 1994 schon einmal in den USA. „Damals bist du völlig problemlos an Tickets sogar für das Eröffnungsspiel der DFB-Elf in Chicago zu absolut erschwinglichen Preisen auf der Haupttribüne gekommen, nur 25 Meter entfernt von Bill Clinton und Helmut Kohl. Auch Hotelzimmer und die Flüge waren seinerzeit noch absolut bezahlbar.“

Die jetzige totale Kommerzialisierung des Fußballs durch die FIFA hat damit ihren Tribut gefordert: Zwei deutsche „Hardcore-Fans“ aus Kaarst und Düsseldorf mit vielen WMs und EMs im Kopf und noch mehr Herzblut sowie Ernie und Bert im Gepäck sind bei dieser WM leider nicht (mehr) dabei. „Aber wir werden natürlich dennoch von zuhause aus mitfiebern und -leiden!“, weiß Vollmert – und natürlich werden er und Preuss versuchen, möglichst viele Spiel zusammen zu schauen.

Und wer weiß: Vielleicht bringen ja Ernie und Bert den „Nagelsmännern“ auch aus der Ferne Glück ...