Kaarster Klärwerk wird modernisiert Mikroschadstoffe werden reduziert

Kaarst · Der Erftverband treibt den Ausbau der Abwasserreinigung im Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal weiter voran. Das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union unterstützen das Projekt finanziell durch Fördermittel aus dem Just Transition Fund (JTF) im Rahmen des Förderprojektes „Blaue Infrastruktur Rheinisches Revier“ (BIRR).

Baustellenfortschritte am Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal. Die Inbetriebnahme der Spurenstoffelimination ist für 2026 geplant.

Foto: Erftverband

Auf der Anlage entsteht derzeit eine vierte Reinigungsstufe zur gezielten Reduzierung von Mikroschadstoffen.

Herzstück dieser vierten Reinigungsstufe ist die großtechnische Dosierung von Pulveraktivkohle (PAK). Damit sollen künftig vor allem Arzneimittelrückstände und andere Mikroverunreinigungen zuverlässig aus dem Abwasser entfernt werden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „MBR-Aktiv” wurden verschiedene Nebeneffekte der PAK-Dosierung unter realen Betriebsbedingungen festgestellt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass PAK über die Spurenstoffelimination hinaus mehrere prozessrelevante Vorteile bietet: stabile Ablaufwerte, verbesserte Sauerstoffeintragsbedingungen, erhöhte Schlammentwässerbarkeit und reduzierte Membranverschmutzung. Die Aktivkohle bleibt vollständig im Belebungsbecken, zusätzliche Kontaktbecken oder Filterstufen sind nicht erforderlich. Die Anlage wird spätestens Ende Februar 2026 in Betrieb genommen.

Bereits im Sommer 2025 wurden wichtige Baufortschritte erzielt:

Die Fertigstellung der Bodenplatte für Silo und Dosieranlage, die Installation des Silos im August, die Lieferung des Containers mit Misch- und Dosieranlage sowie einer Speicheranlage für Betriebswasser im Dezember und schrittweiser Einbau der Dosierleitungen.

Die neue Anlage erfüllt sämtliche Arbeits- und Explosionsschutzanforderungen und wird vollständig in das bestehende Prozessleitsystem integriert. Damit ist eine vollautomatische Regelung der Dosierung sowie eine kontinuierliche Betriebsüberwachung gewährleistet.

Vor der Inbetriebnahme erfolgen umfassende Schulungen des Betriebspersonals. Geplant ist eine tägliche Dosierung von rund 150 Kilogramm Pulveraktivkohle, um die maximale Zulaufwassermenge von 10.000 Kubikmeter bei Trockenwetterbedingungen optimal zu behandeln. Zusätzlich ermöglicht die Anlage Stoßdosierungen bei erhöhtem Bedarf.

Die bisherigen Untersuchungen bestätigen die Vorteile der PAK-Dosierung: verbesserte Reinigungsleistung und höhere Filtrationseffizienz.