So viele Emotionen sind mit diesem Ort verbunden, so viele Erinnerungen an schöne Erlebnisse und Begegnungen. Daniela Seefeld engagiert sich seit zwölf Jahren ehrenamtlich für die evangelische Kirche in Kaarst am Standort Johanneskirche in Büttgen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sie leitet verschiedene Angebote, wie den Lego-Bautreff, die Familienkirche oder Spieleabende.
„Das wird alles unheimlich gut angenommen“, erzählt sie. Und das gelte gleichermaßen für alle anderen Angebote in den Räumlichkeiten an der Novesiastraße, auch die für Erwachsene und ältere Menschen. „Die Auslastung hier ist die höchste im Kirchenkreis Gladbach-Neuss“, sagt Daniela Seefeld. Sie wünscht sich, dass es einfach so weitergehen könnte. Doch die evangelischen Kirchengemeinden stehen finanziell unter Druck, bis 2035 sollen die Strukturen zukunftsfähig verschlankt werden, es geht um die Reduzierung von Gebäuden und Personal.
Betroffen ist auch Kaarst: Von den Standorten Auferstehungskirche, Lukaskirche in Holzbüttgen und Johanneskirche wird Stand jetzt nur einer übrig bleiben, eine Entscheidung dazu könnte schon am kommenden Montag vom Bevollmächtigten-Ausschuss (BVA) getroffen werden, spätestens aber Mitte September.
„Wir wollen niemanden kritisieren oder gar angreifen“, betont Daniela Seefeld, „wir wollen einfach nur für unseren Standort werben und dazu ermutigen, ihn zu erhalten.“ Wir, das sind neben Seefeld noch Yvonne Wiesener, Ulrike Engel, Brigitte Gutt und Gabriele Küster. Sie alle sind ehrenamtlich für die Kirchengemeinde tätig und sie haben gute Argumente für ihren Standort: die breite Palette an Angeboten, die rege Teilnahme, die gute ehrenamtliche Arbeit. „Wir sind eine gewachsene Gemeinschaft“, sagt Ulrike Engel, „wie eine Familie. Da würde im Falle einer Schließung unheimlich viel wegbrechen.“
Sie plädiert für den Erhalt von zwei Standorten in Kaarst. Die Option habe doch auf dem Tisch gelegen, sagt Yvonne Wiesner. „Wieso hat man sich nun anders entschieden.“ Die Antwort darauf weiß Annette Marianne Begemann, seit Dezember 2013 Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde in Kaarst und Vorsitzende des BVA. Bei zwei Standorten, sagt sie, könnten nicht mehr alle Stadtteile gleichermaßen mit Angeboten versorgt werden, genau das sei aber das Ziel.
„Wir haben im BVA die einmütige Entscheidung getroffen, auf einen Standort zu gehen, um uns dadurch den Spielraum zu verschaffen, in allen Stadtteilen auf andere Art präsent zu bleiben.“ Das Credo der evangelischen Kirche dahinter lautet: Nicht Steine zählen, sondern Menschen. Pfarrerin Begemann betont, dass die evangelische Kirche auch künftig vor Ort aktiv sein wolle, weiterhin auf die Menschen in Kaarst zugehen wolle. In welchen Räumlichkeiten das geschehe, das müsse sich noch zeigen. Klar sei schon jetzt, dass die Ehrenamtlichen, die sich derzeit um ihre Arbeit und ihre Standorte sorgen, dabei eine wichtige Rolle spielen. „Wir schätzen dieses Engagement sehr“, so Begemann, „und wir bitten um Vertrauen. Es wird weitergehen, auch über 2035 hinaus.“
Dirk Herrmann