Photovoltaik und Batteriespeicher Lohnt sich eine Solaranlage mit Speicher?

Jahrzehntelang galt für Hausbesitzer in Deutschland eine einfache Rechnung: Wer Solarmodule auf dem Dach installierte, tat dies primär, um den erzeugten Strom gegen eine staatlich garantierte Vergütung ins öffentliche Netz einzuspeisen. Das Dach wurde zum Kraftwerk, der Betreiber zum Unternehmer. Doch diese Zeiten haben sich gewandelt.

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Angesichts volatiler Energiepreise und sinkender Einspeisevergütungen hat sich der Fokus verschoben. Das neue Ziel lautet Unabhängigkeit. Wer heute investiert, schielt nicht mehr auf die Einnahmen durch den Verkauf von Strom, sondern auf die Einsparungen durch dessen Nutzung. In diesem Szenario erweist sich der Batteriespeicher als der entscheidende Faktor, der die Rechnung ins Positive dreht.

Der Eigenverbrauch als Schlüssel zur Rendite

Die Physik der Solarstromerzeugung steht in einem natürlichen Konflikt mit dem menschlichen Lebensrhythmus. Die Sonne liefert ihre maximale Energie um die Mittagszeit, wenn viele Häuser leer stehen und der Verbrauch minimal ist. Abends hingegen, wenn gekocht wird, der Fernseher läuft und die Beleuchtung aktiv ist, liefert die Anlage nichts mehr. Ohne Speichertechnik fließt der wertvolle Mittagsstrom für wenige Cent ins Netz, während man ihn abends für teures Geld zurückkaufen muss.

Genau hier greift die Technologie ein. Eine effiziente Solaranlage mit Speicher entkoppelt die Erzeugung vom Verbrauch. Der Akku nimmt die Überschüsse des Tages auf und stellt sie zur Verfügung, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Experten rechnen vor, dass ein Haushalt ohne Speicher selten mehr als 30 Prozent seines Solarstroms selbst nutzen kann. Mit einem passend dimensionierten Batteriespeicher lässt sich dieser Wert oft auf 70 bis 80 Prozent steigern. Da jede selbst verbrauchte Kilowattstunde den Zukauf teuren Netzstroms erspart, entscheidet dieser Autarkiegrad maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems.

Sinkende Technologiekosten verändern die Kalkulation

Lange Zeit galten Speicher als teures Liebhaberobjekt, das sich wirtschaftlich kaum rechtfertigen ließ. Doch die Marktlage hat sich gedreht. Die Preise für Lithium-Ionen-Speicher und moderne Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Gleichzeitig bewegt sich der Strompreis für Endkunden auf einem dauerhaft hohen Niveau.

Die Rechnung ist simpel: Kostet die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom auf dem eigenen Dach inklusive der Abschreibung für Anlage und Speicher beispielsweise 12 bis 15 Cent, der Strom aus der Steckdose jedoch 30 bis 40 Cent, so entsteht bei jeder verbrauchten Einheit ein direkter Gewinn. Die Schere zwischen den Gestehungskosten und dem Marktpreis ist mittlerweile so groß, dass sich der Aufpreis für den Speicher oft schon nach zehn bis zwölf Jahren amortisiert – bei einer Lebensdauer moderner Systeme von oft über 20 Jahren. Der Speicher fungiert somit als Versicherung gegen künftige Preiserhöhungen der Energieversorger. Man friert seinen Strompreis für die nächsten zwei Jahrzehnte quasi auf dem niedrigen Niveau der eigenen Gestehungskosten ein.

Versorgungssicherheit und technischer Fortschritt

Neben den rein finanziellen Aspekten spielt das Gefühl der Sicherheit für viele Interessenten eine tragende Rolle. Moderne Hybridsysteme sind intelligent gesteuert. Sie optimieren die Ladezyklen wetterabhängig und schonen so die Akkuzellen. Viele Hersteller bieten inzwischen Lösungen an, die bei einem Stromausfall weiterarbeiten. Während bei klassischen Netzanlagen bei einem Blackout auch die Solaranlage aus Sicherheitsgründen abschaltet, können Systeme mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion das Haus zumindest phasenweise weiter versorgen.

Diese technische Reife zeigt sich auch in der Langlebigkeit. Während früher Blei-Akkus wartungsintensiv waren und schnell an Kapazität verloren, garantieren heutige Speichersysteme eine hohe Zyklenfestigkeit. Tausende von Lade- und Entladevorgängen sind möglich, bevor die Speicherkapazität merklich nachlässt. Das Risiko einer Fehlinvestition durch vorzeitigen Verschleiß ist bei Wahl von Markenkomponenten also gering.

Ein Gewinn für die Immobilie

Ein weiterer Aspekt wird bei der reinen Betrachtung der Stromrechnung oft übersehen: Die Wertsteigerung des Eigenheims. Ein Haus mit niedrigen Betriebskosten ist auf dem Immobilienmarkt deutlich attraktiver. Ein integriertes Energiesystem, das die Bewohner vor den Launen der internationalen Energiemärkte schützt, stellt einen massiven Wettbewerbsvorteil beim Verkauf dar. Der Energieausweis des Gebäudes verbessert sich, was wiederum den Wiederverkaufswert stabilisiert oder erhöht.

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Man muss die Anschaffung also ganzheitlich betrachten. Es geht um eine Reduzierung der monatlichen Fixkosten, um den Schutz vor Inflation im Energiesektor und um eine Aufwertung der eigenen Bausubstanz.

Entscheidung für die eigene Energiewende

Die Frage, ob sich ein Speicher lohnt, lässt sich heute fast pauschal mit "Ja" beantworten, sofern das Ziel eine Maximierung des Eigenverbrauchs ist. Die reine Einspeisung ist ein Auslaufmodell. Wer die Kontrolle über seine Energiekosten behalten möchte, kommt an der Speicherung nicht vorbei. Die Technik ist ausgereift, die Garantiezeiten sind lang und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen eine klare Sprache.

Investitionen in eine Solaranlage mit Speicher sind weit mehr als ökologischer Idealismus. Es sind rationale, ökonomisch fundierte Entscheidungen, die sich Monat für Monat auf dem Konto bemerkbar machen. In einer Zeit, in der wenig sicher scheint, ist die eigene Stromproduktion eine Konstante, auf die man bauen kann.