Extreme Temperaturen wie in diesem Sommer galten früher als Ausnahme, werden aber künftig voraussichtlich häufiger auftreten. Nach Auffassung der SPD-Fraktion muss die Stadt daraus jetzt die richtigen Konsequenzen ziehen. Anlässlich der anstehenden Überarbeitung des Integrierten Handlungskonzepts für die Kaarster Innenstadt legt die SPD deshalb ein Konzept für eine „Kaarster Innenstadt 2040 – resilient und nachhaltig“ vor.
Hintergrund ist die Entscheidung des Bürgermeisters, die Umsetzung des bisherigen Konzepts zunächst auszusetzen und den Fraktionen Gelegenheit zu geben, neue Schwerpunkte für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt vorzuschlagen. Die SPD möchte die bisherigen Leitbilder des IEHK ausdrücklich erhalten. Sie sollen künftig jedoch unter einem übergeordneten Ziel stehen: Die Innenstadt müsse widerstandsfähig gegenüber den Folgen des Klimawandels werden, so die SPD, und gleichzeitig ihre hohe Aufenthalts- und Lebensqualität bewahren.
Dazu schlägt die Fraktion unter anderem mehr Straßenbäume, die Entsiegelung großer Asphaltflächen, zusätzliche Grün- und Wasserflächen, Trinkbrunnen, Pocket-Parks sowie eine klimaangepasste Gestaltung von Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen und öffentlichen Plätzen vor. Gleichzeitig sollen Klimaanpassung, Mobilität, Energieversorgung, Regenwassermanagement, Kanalbau und der Schutz kritischer Infrastruktur künftig stärker miteinander verzahnt werden.
Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Werner Kindsmüller, erklärt: „Die vergangenen Hitzewochen waren ein Weckruf. Unsere Städte wurden für ein Klima gebaut, das es so nicht mehr gibt. Asphalt und Beton speichern die Hitze, versiegelte Flächen verschärfen die Belastung für Mensch und Umwelt. Deshalb müssen wir unsere Innenstadt neu denken. Resilienz und Nachhaltigkeit dürfen keine wohlklingenden Begriffe bleiben, sondern müssen künftig die Richtschnur jeder städtebaulichen Entscheidung sein. Wer heute Bäume pflanzt, Flächen entsiegelt, Wasser in der Stadt hält und in klimaresiliente Infrastruktur investiert, schützt die Gesundheit der Menschen und erhöht zugleich die Lebensqualität in Kaarst.“
Die SPD sieht in der Überarbeitung des IEHK die Chance, aus einem klassischen Innenstadtentwicklungsprogramm eine Zukunftsstrategie für die kommenden Jahrzehnte zu machen. Klimaanpassung sei heute keine freiwillige Zusatzaufgabe mehr, sondern gehöre zur kommunalen Daseinsvorsorge. Städte, die sich frühzeitig auf die Folgen zunehmender Hitze und häufiger Starkregenereignisse einstellen, seien lebenswerter, gesünder und widerstandsfähiger. Für die SPD ist deshalb klar: Die Erfahrungen dieses Sommers dürfen nicht folgenlos bleiben. Kaarst brauche eine Innenstadt, die auch unter den Bedingungen der Heißzeit lebenswert bleibt.
Auch die Stadtverwaltung sieht durchaus Handlungsbedarf, dringenden sogar, wie sie auf Anfrage dem Extra-Tipp Kaarst mitteilt. Bis zum Jahresende soll demnach ein Klimafolgeanpassungskonzept aufgestellt werden, um die Stadt mit konkreten Maßnahmen resilienter zu machen. Dabei werde es beispielsweise um die Themenfelder Kühlung oder Verschattung gehen.
Diese Trends sollen auch bei der Umgestaltung der Kaarster Innenstadt stärker in den Fokus rücken. Bereits heute würden bei der Bauleitplanung oder der Auswahl von Pflanzen in den Grünflächen die Erkenntnisse der Klimaanalyse in Kaarst umgesetzt. Zum Beispiel in Vorst: Hier werde die vorhandene Grünstruktur im Rahmen eines Förderprogramms qualitativ aufgewertet, um die Resilienz gegenüber negativen Folgen des Klimawandels zu stärken. Die Erhöhung der Vegetationsfläche solle die CO2-Bindung steigern, lokale Kühlungseffekte erhöhen und das Kleinklima langfristig verbessern. Gleichzeitig sollen Biodiversität und Artenvielfalt durch neu geschaffene Vegetation gefördert werden. Beispiel Wärmeplanung: Bis zum Jahresende soll auch die Kommunale Wärmeplanung mit den Partnern Stadtwerke/Gelsenwasser im Konzept stehen. Hierbei gehe es darum, durch nachhaltige Energiegewinnung und Energiebereitstellung die CO2-Emmissionen zu verringern.
Dirk Herrmann