Neuer Eisenbahn-Haltepunkt in der Nordstadt und Verlängerung der Linie 709 Wie SPD und CDU den ÖPNV ins Rollen bringen wollen

Neuss · Die SPD hatte mit einem Antrag im Hauptausschuss die Diskussion um einen neuen Haltepunkt Neuss-Nordstadt des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Stadtteil Weißenberg zur Diskussion gestellt (wir berichteten). „Die Stadtverwaltung hat zugesagt, in der nächsten Sitzung des Mobilitätsausschusses eine erste Einschätzung zu geben, auf deren Grundlage man dann das weitere Vorgehen prüfen kann“, freut sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Sascha Karbowiak. Und auch der Fahrgastverband „Pro Bahn“ befürwortet diese Idee. Die CDU allerdings bleibt skeptisch.

Direkt über der Gladbacher Straße könnte der neue Haltepunkt entstehen.

Foto: Pro Bahn

Die Neusser Christdemokraten hatten dem Antrag der Sozialdemokraten nicht zugestimmt. „Die CDU steht für einen starken und zukunftsfähigen ÖPNV in Neuss. Deshalb unterstützen wir die Verlängerung der Linie 709 mit Nachdruck“, verweist Axel Stucke, Vorsitzender des Mobilitäts- und Infrastrukturausschusses, auf einen weiteren Tagesordnungspunkt im Hauptausschuss: Die Straßenbahnlinie 709 soll künftig über den Alexianerplatz bis ins Hammfeld fahren. Die SPD hatte den entsprechenden Antrag gestellt, die CDU hatte zugestimmt. Bei den Planungen des mittlerweile errichteten neuen Wohnquartiers des Neusser Bauvereins auf dem Gelände der ehemaligen Leuchtenberg-Sauerkrautfabrik sei die Verlängerung der Linie 709 bereits eingeplant und mitgedacht worden, so die Sozialdemokraten. Und sie verweisen auf die weitere Entwicklung im Hammfeld: Ein bis zu 1.500 Wohneinheiten umfassendes Quartier ist geplant.

Doch der Eisenbahn macht Stucke erst einmal die CDU-Schranke zu: „Beim vorgeschlagenen Bahnhaltepunkt in Weißenberg bleiben jedoch wesentliche Fragen zum tatsächlichen Nutzen, zur Erreichbarkeit und zu den Auswirkungen auf das bestehende Schienennetz offen.“ Politik müsse Prioritäten setzen. „Bevor wir neue Parallelstrukturen schaffen, sollten wir unsere Kräfte auf Projekte konzentrieren, die bereits auf der Agenda stehen und einen nachweisbaren Mehrwert für die Menschen in unserer Stadt bieten. Dazu gehört insbesondere der Haltepunkt Johanna-Etienne-Krankenhaus, dessen Umsetzung aus unserer Sicht mit hoher Priorität vorangetrieben werden muss.“

Ein möglicher Standort des Haltepunktes: direkt an der Abzweigstelle in Richtung Düsseldorf.

Foto: Pro Bahn/Pro bahn

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ unterstützt die Pläne der Neusser SPD. Der neue Haltepunkt entlaste den staugeplagten Straßenverkehr und die Busse zur Neusser Innenstadt, heißt es in einer Stellungnahme. Zusammen mit dem schon deutlich weiter fortgeschrittenen Haltepunkt Neuss-Johanna Etienne Krankenhaus der S28 bilde er große Synergieeffekte für einen großen Stadtteil.

Der SPNV-Haltepunkt Neuss-Nordstadt schaffe eine neue Anbindung, mit der Pendler aus der Nordstadt ohne Umstieg mit der Schiene in einem regelmäßigen Takt nach Düsseldorf, Meerbusch und Krefeld sowie Dormagen und Köln gelangen könnten. Die Anbindung nach Mönchengladbach verbessere sich mittelbar. Die direkte Schienenanbindung schafft dabei ein neues und dichtes Angebot und reduziere die Fahrtzeiten massiv. Die direkte Fahrtzeit zwischen Neuss-Weißenberg und dem Düsseldorfer Hauptbahnhof betrage circa elf Minuten. „Pro Bahn“ rechnet weiter: „Das erspart pro Strecke mindestens 15 Minuten und bringt bei 210 Arbeitstagen mit Hin- und Rückfahrt 105 Stunden Lebenszeit pro Jahr. Richtung Köln ergeben sich sogar 140 Stunden Lebenszeit.“ Zusätzlich sei mit einer Entlastung des Busverkehrs in die Neusser Innenstadt Richtung Hauptbahnhof zu rechnen.

„Pro Bahn führt einen weiteren Vorteil an: „ÖPNV-Projekte werden zu einem Großteil durch den VRR bezuschusst, sodass die Stadt Neuss nur einen geringen Anteil tragen muss.“ Dr. Thomas Probol, stellvertretender Landesvorsitzender von „Pro Bahn“ NRW ist überzeugt: „Der neue Anschluss im Neusser Norden bietet rund 40.000 Anwohnern einen hervorragenden Zugang zum SPNV, ohne dass ein neuer Zug fahren muss. Das ist in Zeiten knapper Gelder ein echtes Pfund. Und was immer gerne vergessen wird: Jeder Umsteiger in den SPNV bedeutet einen Pkw auf der Straße weniger, was anderen Autofahrern zu Gute kommt.“