Yildirim Yilmaz, D-Jugend-Trainer des VfR Neuss, packt aus Rassismus auf Fußballplätzen – auch schon in der Jugend?

Neuss · Yildirim Yilmaz ist ein echter „Nüsser Jung“, in der Quirinusstadt geboren, hat einen deutschen Pass. „Deutschland ist meine Heimat“, sagt er. Seit er vor den Ball treten kann, hält er dem VfR Neuss die Treue – und doch kommt es laut Yilmaz‘ Aussage immer wieder vor, dass er auf verschiedenen Fußballplätzen im Rhein-Kreis rassistische Beleidigungen über sich ergehen lassen muss. Das will er nicht länger hinnehmen.

Yildirim Yilmaz (r.) und sein Trainerkollege Hewa Salahuddin wollen die Diskussion über Rassismus auf Fußballplätzen entfachen.

Foto: VfR Neuss

Neulich auf einem Fußballplatz: Als Trainer begleitet er seine D-Jugend des VfR Neuss. Nach einem „heißen“ Spiel, so erzählt Yilmaz, hätten sowohl ein Trainer als auch einige der elfjährigen Spieler Sprüche wie „Ausländer raus“, „Geh‘ in dein Land zurück“ und „wir müssen die AfD wählen, dann sind die Ausländer bald weg“ skandiert. Nächster Vorfall bei einem Turnier: Ein Trainer habe ihn als „Dönerfresser“ beschimpft.

Rassistische Äußerungen, die er bereits in der Vergangenheit mehrfach habe hinnehmen müssen, so Yilmaz. „Bisher habe ich die Zähne zusammengebissen, doch das geht nicht mehr!“, will er für eine öffentliche Diskussion und damit für mehr Sensibilität auf den Fußballplätzen in Sachen Rassismus sorgen. Die Namen der betreffenden Vereine sind der Redaktion bekannt, werden aber nicht genannt, bis ein Verfahren in die Wege geleitet wird. Das soll in dieser Woche passieren: „Wir werden uns an den Fußballverband Niederrhein wenden“, so Yilmaz.

Leon Michalsky, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses Neuss/ Grevenbroich im Fußballverband Niederrhein, sind die Vorfälle bisher nicht bekannt. „Wir können erst tätig werden, wenn uns der Sachverhalt gemeldet wird“, ruft er auf, rassistische Vorfälle beim Fußballverband aktenkundig zu machen. „Bisher hatten wir in unserem Kreis im Jugendbereich zum Glück keine Auffälligkeiten oder Verfahren wegen Rassismus.“

Yildirim Yilmaz ist auf jeden Fall entsetzt: „Es ist unglaublich, dass schon Kinder mit solch rassistischen Äußerungen daherkommen!“ Dabei hat er als Jugendtrainer beim VfR Neuss selbst mit jungen Spielern zu tun: Seine D-Jugend ist eine echte Multikulti-Mannschaft. Kinder aus Deutschland, Syrien, Iran, Türkei, Polen, Russland und der Ukraine spielen hier friedlich miteinander Fußball. Yilmaz hat selbst für den VfR in der Jugend und später in der Landes- und Verbandsliga gekickt. Als Trainer war er für den PSV Neuss und den VfR tätig, den Verein für Rasensport führte er einige Jahre als Präsident an. „Besonders wichtig war und ist mir immer die Förderung von Integration, Respekt und gesellschaftlichem Miteinander“, weiß Yilmaz. So habe er unter anderem den alljährlich stattfindenden Integrationslauf der DJK Rheinkraft Neuss unterstützt. „Mein Engagement galt dabei stets der Überzeugung, dass Sport Menschen verbinden und Brücken bauen kann – unabhängig von Herkunft, Religion oder kulturellem Hintergrund.“ Doch jetzt sei für ihn „ein Punkt erreicht, an dem Schweigen keine Option mehr ist. Ich erwarte, dass die Vorfälle ernst genommen, vollständig aufgeklärt und mit der notwendigen Konsequenz behandelt werden“, fordert Yilmaz. „Mein Anliegen ist nicht die Eskalation eines Konflikts, sondern der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie ein klares und unmissverständliches Zeichen gegen Rassismus im Fußball.“ Aus seiner Sicht könne auch nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden. „Mein Ziel ist keine Eskalation, sondern ein klares Zeichen für Respekt, Fairness und den Schutz aller Kinder und Jugendlichen im Fußball. Niemand sollte Angst haben müssen, aufgrund seiner Herkunft beleidigt oder diskriminiert zu werden.“