Polizei ermittelt Pornografische „Deepfakes“ an einer Neusser Schule

Neuss · Künstliche Intelligenz (KI) birgt enorme Möglichkeiten – aber auch signifikante Gefahren, vor allem durch den Missbrauch durch Menschen. Da gibt es zum Beispiel die sogenannten „Deepfakes“ – mithilfe von KI hergestellte Fotos, die täuschend echt wirken. Solch ein Fall wurde jetzt auch an einer Neusser Schule bekannt: Ein männlicher Schüler soll „ein Foto einer Mitschülerin/eines Mitschülers angefertigt und dieses mittels KI-Software pornografisch manipuliert und anschließend im schulischen Umfeld verbreitet“ haben, so eine Person aus dem schulischen Umfeld, die anonym bleiben möchte. Die Polizei hat den Vorfall bestätigt.

Immer mehr Jugendliche werden Opfer von Cybermobbing. Jetzt wurde auch ein Fall von „Deepfake“ an einer Neusser Schule bekannt.

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Die Bezirksregierung Düsseldorf nimmt an den weiterführenden Schulen in NRW die staatliche Schulaufsicht wahr. Bei ihr landete auch der Vorfall an der Neusser Schule: „Die Schulleitung hat die Bezirksregierung über den Vorfall informiert und steht im engen Austausch mit der Schulaufsicht. Die Bezirksregierung unterstützt die Schulleitung und berät bei den entsprechenden Maßnahmen“, heißt es auf Anfrage des Stadt-Kurier. Sowohl Schulleitung als auch Schulaufsicht würden den Vorfall sehr ernst nehmen. Nach interner Klärung des Sachverhalts seien die Polizei und die Schulpsychologie einbezogen worden.

„Um der Fürsorgepflicht für alle Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden, hat die Schulleitung in ihrer Kommunikation besonnen reagiert, sie geht den Vorwürfen zielstrebig und angemessen nach. Die betroffenen Klassen und die Eltern wurden von der Schule informiert, Schulleitung und bei Bedarf Schulpsychologie stehen weiterhin für Gespräche und Beratung zur Verfügung“, so eine Sprecherin der Bezirksregierung. Zudem sei ein Elternabend geplant, der von der Schulpsychologie begleitet wird.

Der anonyme E-Mail-Schreiber erhebt allerdings den Vorwurf, dass die Schulleitung nach jetzigem Stand völlig unzureichend reagiere. „Der Täter besucht weiterhin den Unterricht, während das Opfer der psychischen Belastung im Schulalltag schutzlos ausgeliefert ist. Die Fürsorgepflicht der Schule wird hier massiv verletzt.“

Die Bezirksregierung hält sich hier zurück: „Zu den erfolgten schulischen Ordnungsmaßnahmen können wir zur Wahrung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten keine Auskünfte erteilen. Wir bitten um Verständnis. Es wurde eine Disziplinarteilkonferenz angesetzt, in der abschließende Entscheidungen getroffen werden. Die Konferenzteilnehmer unterliegen der Schweigepflicht. Das Opfer und die Eltern werden auf Wunsch von der Schulpsychologie beraten und erhalten gegebenenfalls auch außerschulische Beratungsangebote.“

„Der Fall ist hier aktenkundig und wurde auch durch die Schulleitung mitgeteilt“, erklärt ein Sprecher der Kreispolizeibehörde. Eine entsprechende Strafanzeige werde bei der zuständigen Dienststelle bearbeitet. „Weitere Anzeigen solcher Deepfakes sind aktuell bei der Polizei Rhein-Kreis Neuss nicht bekannt, sodass wir aktuell von einem Einzelfall sprechen können.“

Was könnte den mutmaßlichen Täter erwarten? „Der Tatvorwurf (Herstellung und Verbreitung von Jugendpornografie § 184c StGB) umfasst einen Strafrahmen von Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren“, so die Polizeisprecherin.

Das Kriminalkommissariat Kriminalprävention bietet regelmäßig Vorträge für Eltern und Multiplikatoren (zum Beispiel Lehrer, Sozialarbeiter, OGS-Mitarbeitende) zu Themen wie sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Cybergrooming, Sexting und Cybermobbing an, in denen auch das Thema „Deepfake“ mit thematisiert wird. Entsprechende Termine können bei den Experten der Kriminalprävention gebucht werden (Tel. 02131/30 00, E-Mail [email protected]). Weitere Informationen gibt es auch unter www.medienberatung.schulministerium.nrw.de. Der Schulpsychologische Dienst des Rhein-Kreises ist zu erreichen unter Tel. 02131/9 28 40 70, E-Mail [email protected]. Der QR-Code führt zur Landespräventionsstelle gegen Gewalt und Cybergewalt an Schulen. Rolf Retzlaff