1. Kaarst

Fotoimpressionen aus Kaarst: Demo gegen Rechtsextremismus

Kaarst: Zahlreiche Impressionen von der Demo gegen Rechtsextremismus!“ : Vom Imam bis zum Karnevalsprinz – sie alle zeigten: „Kaarst ist bunt!“

Das war ein deutliches Zeichen: Unter dem Motto „Kaarst ist bunt! Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ zogen bei der Demo am vergangenen Samstag rund 3.000 Menschen durch die Kaarster City. Den Abschluss bildete eine Kundgebung auf dem Platz vor dem VHS-Haus.

Die große Zahl der Teilnehmer hatte die Initiatorin Dagmar Andrae-Maukel, ihren Mitstreiter Werner Kindsmüller sowie die rund 30 Kollegen des Organisationsteams überrascht: Sie hatten bescheiden mit circa 500 Menschen gerechnet; umso größer war die Freude über die Riesenresonanz. Mehr als 40 Vereine, Organisationen und Parteien hatten den Aufruf unterstützt. Die Musikschule Mark Koll sorgte auf der Bühne für Auftritte von Künstlern verschiedener Nationen.

Den Redner-Reigen eröffnete Andrae-Maukel selbst: Sie erinnerte an das „Geheimtreffen von AfD-Politikern, Neonazis und finanzstarke Unternehmern. Diese Rechtsradikalen planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland.“ Vielen Menschen würde das Angst machen. Wie solle man umgehen mit einem solchen Rechtsruck und Tabubruch? „Man darf nicht nur dagegen sein, man muss etwas tun.“ Dieses Zitat von Sophie Scholl hat sie schließlich dazu gebracht, die Demo auf die Beine zu stellen. „Ich möchte die demokratischen Parteien in die Pflicht nehmen. Ich wünsche mir mehr Zusammenarbeit und nicht ewige Streitigkeiten.“ Alle Bürger müssten die Entscheidungen verstehen, „wenn sie das nicht können, wurden diese schlecht erklärt“. Die demokratischen Politiker müssten alle Bürger mitnehmen und nicht nur die eigenen Wähler. „Sonst gehen Menschen nicht wählen oder wählen die AfD aus Protest Aber wie wir wissen, ist die AfD keine Protestpartei, sie ist brandgefährlich und in großen Teilen gesichert rechtsradikal“, so Andrae-Maukel. Auch wies sie auf eine zunehmende Vereinsamung der Menschen in unserer Gesellschaft hin: „Ich möchte die Kirchen, die Vereine, aber auch jeden einzelnen von uns und natürlich auch mich in die Pflicht nehmen.“ Vereinsamung führe zu sozialen, kulturellen und politischen Problemen. Wer wider Willen in die Kontaktlosigkeit gerate, igele sich ein und die Distanz könne sich zur Feindseligkeit entwickeln. „Auch deshalb zehren die radikalen Parteien auch vom Lager der Nicht-Wähler, die sich schon durch oft jahrelange Enthaltung vom wichtigsten Instrument demokratischer Systeme losgesagt haben.“

Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Nina Lennhof fand deutliche Worte: „Wir nehmen nicht hin, dass dieser Rechtsradikalismus als ,Alternative für Deutschland’ den Plan eines anti-demokratischen und völkischen Staates schmiedet und Menschen aus unserer gemeinsamen Heimat deportieren will. Wir zeigen diesen Anti-Demokraten eine Grenze auf: Dieses Land und diese Stadt stemmt sich ihrem Hass, ihrer Geschichtsvergessenheit und ihrem Nationalismus entgegen.“ Und sie blickte mahnend zurück: „Hitler und die NSDAP wurden gewählt. Er hat sich die Macht nicht gestohlen, sie wurde ihm geschenkt: Am 30. Januar 1933 wurde er zum Reichskanzler ernannt– nicht einmal zwei Monate später wurden die ersten Menschen, die ihm nicht passten, ins KZ in Dachau deportiert.“

Bouchra el Maazi, Integrationsmentorin und ehemalige Vorsitzende des Kaarster Integrationsausschusses, provozierte in ihrer Rede: „So denkt ihr: Mein Name ist nicht deutsch. Mein Aussehen ist nicht deutsch. Meine Muttersprache ist nicht deutsch. Also darf ich nicht hier sein. Ihr entscheidet über mich und meine Zukunft. So denke ich: Mein Name ich marokkanisch. Mein Ausehen ist marokkanisch. Meine Muttersprache ist marokkanisch. Und ich bin und bleibe hier, solange ich es möchte. Ich und ganz, ganz viele andere sind Teil Deutschlands – oder nicht?“

  • Das Frankenheim in Kaarst. ⇥Foto: Thomas
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  • Wir müssen die AfD inhaltlich und
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Einigkeit demonstrierten auf der Bühne die evangelische Pfarrerin Annette Begemann, die auch die katholischen Gemeinden in Kaarst vertrat, und Mahmood Ahmad Malhi, Kölner Imam und Theologe der islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland. „Uns eint der Glaube an einen Gott“, erklärte Begemann. Es dürfe nie wieder passieren, dass „diejenigen, die in unserem Land Schutz suchen, gewaltsam vertrieben werden“. Malhi erzählte von seiner pakistanischen Mutter, die ihm schon in seiner Kindheit stets gesagt habe, die Deutschen seien gute Menschen und hätten ein gutes Herz. „Und wenn ich heute sehe, wie viele Menschen auf die Straße gehen, damit Menschen, die hier eine Heimat gefunden haben, nicht zurückgeschickt werden, geht mir das Herz auf und ich weiß: Meine Mutter hatte recht!“ Seine Gemeinde trage die deutsche Flagge im Herzen: „Wir sind immer loyal zu Deutschland wegen unserer Liebe zu unserem Heimatland!“ Und er machte deutlich: „Wir alle gehören zu einer einzigen Nation – der Menschheit.“

Dann traten zwei junge Menschen auf der Bühne für ihre Überzeugung ein: der Kaarster Karnevalsprinz Raphael Leßmann (18) und Erik Hanovsek, Vorsitzender des städtischen Jugendparlaments. Raphael I. hatte schon im Laufe seiner Session immer wieder Flagge gezeigt gegen „braun“, jetzt „setzen wir ein Zeichen und schreiben Geschichte. Wir zeigen den Rechtsradikalen: So nicht mit uns!“ Und der für seine spontanen Reden bekannte Prinz haute zum Schluss noch einen raus: „Heidewitzka ist viel schöner als Heil Hitler!“

Danach bot er sich als „Zettelhalter“ für seinen Rede-Nachfolger an: Erik Hanovsek warnte vor einem „Masterplan Massenabschiebungen“. Rechtsextremismus sei zurzeit die große Gefahr in Deutschland. Aber: „Braun ist niemals eine Alternative!“

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Kaarst ist bunt! Gemeinsam gegen Rechtsextremismus!“