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Letzter Flug: Neusser Bestatterin organisiert Mondbestattung

Der letzte Flug : Neusser Bestatterin organisiert Mondbestattung

„I love you to the moon and back“ bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man um die Möglichkeiten der Mondbestattung weiß. Irmgard und Karlheinz S. werden durch das Neusser Bestattungshaus Anna Lutter ihre ewige Ruhestätte auf dem Mond finden. Soweit bis jetzt bekannt, sind Familie S. die einzigen „Passagiere“ aus Deutschland die den Mondflug antreten. Überhaupt ist es zum ersten Mal möglich, dass im Zuge der Privatisierung der Raumfahrt eine Beerdigung für Privatpersonen auf dem Mond erfolgen kann.

Im Juli 2021 soll die „Peregrine Mission One“ im Auftrag der NASA starten. Für das Ehepaar S. waren der Weltraum, die Sterne und der Mond immer ein Symbol für eine ewige Verbundenheit, Freiheit und die Unendlichkeit. Seit früher Jugend waren die Beiden ein Paar, arbeiteten zeit ihres Lebens Seite an Seite im eigenen Unternehmen. Karlheinz verlor sein Herz schon früh an das Fliegen und machte den Pilotenschein. Gemeinsam mit Irmgard unternahm er viele Flüge in seinem Leichtflugzeug. Zu einem Geburtstag schenkte Karlheinz Irmgard eine Patenschaft für einen Stern, welcher nach ihr benannt wurde. Hier begann die Idee in den Beiden zu wachsen, eine Weltraumbestattung zu verfügen, um für immer gemeinsam in der Nähe ihres Sterns sein zu können.

Das Unternehmen Astrobotic baut die Mondlander „Perigrine“ (Wanderfalke) für die Mission, um Nutzlasten auf den Mond zu transportieren. Unter anderem werden Mondrover – fahrbare Roboter – und eine winzige Daten-Bibliothek (zum Beispiel mit Wikipedia-Inhalten) zum Himmelskörper transportiert. Mit an Bord befindet sich auch die Asche von Verstorbenen, die sich für diese besondere Form der Beisetzung entschieden haben. Die Landung erfolgt auf der erdzugewandten Seite im nördlich gelegenen „Lacus Mortis“, einem erstarrten Lavasee. Dr. Eugene Shoemaker war bis jetzt der einzige Mensch, welcher 1998 mondbestattet wurde. Ein kleiner Teil der Asche des Wissenschaftlers und Geologen, der bei der NASA tätig war, wurde auf eine Mission mitgenommen, um ihm seinen Traum von der Reise zum Mond zu erfüllen.

Mit der jetzigen Mission ist es erstmals möglich, als Privatperson eine Mondbestattung zu erwerben. Die Kosten hierfür beginnen ab 12.500 Dollar pro Gramm Verstorbenenasche. Die Neusser Bestattermeisterin Anna Lutter hat die Beisetzung für Familie S. bereits im Januar 2020 organisiert. Lange Vorlaufzeiten sind nötig, da einer Spacemission jahrelange Planungen vorausgehen. Der momentane Start der Rakete ist für Juli 2021 geplant, wobei sich dies auch noch nach hinten verschieben kann. Sechs Wochen vor Start wird das Bestattungshaus informiert, um die Anreise für die Angehörigen planen zu können.

Der Mondlander „Peregrine“ wird die Asche der Verstorbenen auf den Mond bringen. Foto: Astrobotic Technology

Anna Lutter wird die Familie auch vor Ort in den USA begleiten, wo die Rakete von Cap Canaveral in Florida abheben wird. Für die Verstorbenen wird es in Florida eine gemeinsame internationale Gedenkfeier geben. Das amerikanische Unternehmen Celestis bildet die Brücke zwischen Bestatter und der NASA. Sie bereiten die Asche der Verstorbenen „reisefertig“ vor und reservieren die Mitnahme in den verschiedenen Raummission. Die am häufigsten gebuchte Form der Weltraumbestattung ist der Flug in die Erdumlaufbahn. Auch einige bekannte Persönlichkeiten haben über Celestis schon eine Weltraumbestattung erfahren, zum Beispiel Gene Roddenberry (Erfinder von „Star Trek“), James Doohan (Schauspieler, Scotty in „Star Trek“) und Timothy Leary.

Mit der „Peregrine Mission One“ wird auch Autor Arthur C. Clarke („2001: Odyssee im Weltraum“) mondbestattet. Celestis war 2020 Teilnehmer in der Ausstellung „(Re)Design Death“ im CUBE Design Museum in den Niederlanden. Anna Lutter wurde von Celestis eingeladen, in einem Informationsfilm als Expertin zum Thema Weltraumbestattung Stellung zu beziehen. Anna Lutter weiß: „Die Menschen, die diese Form der Bestattung wählen, fühlen sich mit dem Weltraum verbunden und viele Angehörige empfinden den Gedanken als tröstend und auch romantisch, zum Mond hoch schauen zu können und zu wissen, dass dort ein symbolischer Teil ihrer oder ihres Liebsten bestattet wurde.“