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So will Brautmeier die Neusser CDU stark machen

So will Brautmeier die Neusser CDU stark machen

Am 20. März wird der neue Parteivorsitzende für die CDU Neuss gewählt. Dr. Jörg Geerlings verkündete, nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehen zu wollen, schlug aber Prof. Dr. Brautmeier als seinen Nachfolger vor.

Wie der 63-jährige Uedesheimer die CDU stark machen will, verriet er dem Stadt-Kurier im Interview.

Herr Prof. Dr. Brautmeier, Sie haben sich nicht selbst ins Spiel gebracht, Sie wurden vorgeschlagen. Dr. Jörg Geerlings sagte, dass auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger immer wieder Ihr Name gefallen sei. Erforderte es viel Überredungskunst, Sie zur Kandidatur zum Parteivorsitzenden zu überzeugen?
Ein bisschen schon, um ehrlich zu sein. Es ist nun einmal so, dass ich mir nichts mehr beweisen muss oder dass ich mir neue berufliche Perspektiven eröffnen will. Aber ich habe neben meinen Tätigkeiten an den Hochschulen in Düsseldorf und Paderborn und im Medienrat Ostbelgiens noch genügend Zeit, mich einzubringen. Und die Sache ist es wert.

Es ist von vielen Seiten zu vernehmen, dass man auf Sie vertraut und Hoffnung in Ihre Arbeit legt. Setzt Sie das unter Druck?
Sicher habe ich Respekt vor dem Amt, mir wird davor aber nicht bange. In meiner beruflichen Vergangenheit habe ich viel Verantwortung übernommen, sei es als Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen oder als Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten. Deshalb traue ich mir den Parteivorsitz zu.

Sebastian Rosen will sich ebenfalls dem Votum der Mitglieder stellen. Wie denken Sie darüber?
Das begrüße ich. Auswahl ist immer gut, sonst wirkt die Personaldebatte zu ausgehandelt. Was ich als Problem sehe, ist eines: Rosen geht offen damit um, als Bürgermeister kandidieren zu wollen. Das halte ich für ein Dilemma, da es eine der Hauptaufgaben des Parteivorsitzenden sein wird, eben dafür einen geeigneten Kandidaten zu finden. Ich denke, es ist besser, unbefangen an dieses Thema zu gehen.

Warum glauben Sie die Partei besser nach vorne bringen zu können als Ihr Kontrahent?
Ich will nicht davon sprechen, dass der eine etwas besser macht als der andere. Rosen und ich haben verschiedene politische Stile und Herangehensweisen. Aber ich kann hoffentlich besser motivieren und vorantreiben, als jemand, der schon so lange dabei ist.

Wo Sie gerade davon sprechen. Wie beschreiben Sie Ihren politischen Stil?
Ich gehe die Herausforderungen mit Ruhe an. Wir als Partei sollten gemeinsam für unsere Ziele eintreten. Einzelkämpfer, die ihre eigenen Interessen so schnell wie möglich umsetzen wollen, haben dabei selten Erfolg. In meiner beruflichen Vergangenheit habe ich es gelernt, zu leiten. Was sich immer bewährt hat, war, nicht gleich zu springen, wenn es brenzlig wurde. In der Ruhe liegt die Kraft. Ein gutes Beispiel dafür ist Angela Merkel, die ihren Laden besser im Griff hat, als die Parteispitze der SPD den ihren. Und auch sie hat erkannt, dass sie einiges erneuern muss.

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Als Wahlkampfleiter haben Sie bereits für gute Erfolge gesorgt. Wie wollen Sie die CDU für die Kommunal- und Bürgermeisterwahl wappnen?
Zwei Dinge: Wir müssen unten an der Basis anfangen und von dort aus Politik machen, uns auch öffnen für politisch Interessierte, die sich nicht unbedingt auf Dauer in einer Partei engagieren wollen. Und wir müssen näher ran an die Menschen, ohne ihnen hinterherzulaufen. Am Beispiel der Landtagswahl sehen wir, dass die SPD genau deswegen so viele Stimmen verloren hat. Sie hatte das Ohr nicht am Bürger. Es muss unser Anspruch sein, kein Programm zu entwickeln, das wir dem Wähler dann überstülpen. Das muss gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden. Wir müssen zuhören. Aus den Gesprächen entstehen Positionen.

Sprechen wir über die kritischen Stimmen. Manche Parteimitglieder stören sich an Ihrem Alter...
Dazu will ich gerne etwas sagen. Was meine berufliche Planung anging, bin ich davon ausgegangen, dass ich noch bis zum Jahr 2022 als Direktor der Medienanstalt NRW gewählt werden würde. Durch eine Änderung im Landesmediengesetz war das nicht mehr möglich. So hatte ich plötzlich Luft, die ich nicht eingeplant hatte. Und die Zeit investiere ich gern in die Partei. Ob es für zwei oder auch vier Jahre sein wird, muss sich noch zeigen und hängt natürlich von der erfolgreichen Arbeit der kommenden Zeit ab. Dass der nächste Vorstand irgendwann auch eine geeignete Nachfolge für den Parteivorsitz finden muss, ist selbstverständlich.

Es gibt einen weiteren Aspekt, der kritisch thematisiert wurde.
Ihnen wird zu wenig Nähe zur Partei vorgeworfen. Darin sehe ich eher einen Vorteil. Ich bin seit 1981 CDU-Mitglied und auf der Landes- und der Bundesebene gut vernetzt, aber in der Tat auf der lokalen Ebene so etwas wie ein neutraler Quereinsteiger, bin deshalb hier mit keinen Gruppierungen verbandelt und bin niemandem verpflichtet. Nichtsdestotrotz glaube ich die Partei zu kennen und weiter zusammenführen zu können. Geerlings hat in dem Punkt bereits gute Arbeit geleistet. Und das wird der künftige Vorstand ebenfalls tun.

Sie haben es eben schon angerissen. Gute Arbeit kann nur im Team abgeliefert werden. Welche Vorstellung haben Sie vom künftigen Vorstand?
Ich werde keine Namen für einzelne Positionen nennen. Essenziell ist aber eine gute Mischung aus Mann und Frau, jung und alt, erfahren und ungeduldig. Eine Alterskohorte fehlt uns dabei besonders. Die 35— bis 55-Jährigen sind meist beruflich wie familiär zu eingespannt. Aber genau diese Gruppe dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren.

(Kurier-Verlag)