„Falsches Verhalten von Radfahrern“ habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt als Problem gezeigt: „Ich kann mit dem Rad nicht über Rot fahren. Rot ist kein Angebot, das ist Pflicht“, nannte Cindy Stock eine Ursache für die aktuellen Zahlen in diesem Sektor.
Von 2024 auf 2025 ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern nämlich um 21,3 Prozent (auf 609) gestiegen.
Sieben Radfahrer wurden getötet, 101 schwer verletzt (= ins Krankenhaus eingeliefert). Wichtig dabei: Von den genannten 609 Unfällen mit Rad- oder Pedelec-Fahrern wurden 378 von ihnen selbst verursacht.
Und Stock sprach weiter Klartext: „Da mache ich keine Kompromisse, auch in der Ahndung nicht“, sagte sie und kündigte somit zugleich die regelmäßige Kontrolle des Zweirad-Verkehrs an.
Die Verstöße sind vielfältig: Neben den missachteten roten Ampeln nannte sie Verstöße gegen die Vorfahrtsregeln, den fehlenden Helm, den Gebrauch des Handys, aber auch Alkohol oder andere Rauschmittel. Bei Letzteren gelte der weitverbreitete Satz „Ich habe doch schon extra das Fahrrad genommen!“ nun einmal nicht.
Und: „Wenn ein Radweg vorhanden ist, muss man ihn nutzen. Auch wenn er schlecht ist“, brachte es Cindy Stock auf den Punkt. „Was man als Radfahrer tun kann, sind der Helm, gut sichtbare Kleidung und das Einhalten der Vorschriften.“ Dabei wollte sie diesen Satz nicht als „Anzinken oder finger pointing“ verstanden wissen, sondern als wirklich gut gemeinten Appell.
Dies nahm auch Landrätin und oberste Chefin der Kreis-Polizei Katharina Reinhold auf: „Man kann viel zur Verkehrssicherheit beitragen, wenn man auf sich selbst schaut.“ Ihre Aufforderung: Bevor man sich ans Steuer (oder ans Lenkrad) setzt, solle man sich fragen, ob man auch wirklich fahrtüchtig sei. Dabei gehe es nicht nur um Alkohol und Drogen, sondern zum Beispiel auch um Skills wie Müdigkeit und Unaufmerksamkeit.
Reinhold zeigte sich tief betroffen über die Steigerung der Verkehrstoten von 2024 auf 2025 um unglaubliche 220 Prozent. Unter den Verkehrstoten waren übrigens drei 18-Jährige.
„Unfälle passieren. Man kann nicht alle verhindern“, resümierte die Landrätin. Sie nannte die Eckpunkte der Polizei: Aufklärung und Schulung altersklassengerecht (Stock: „Kinder können es noch nicht, Senioren können es schon fast nicht mehr.“). Repression bei Fehlverhalten (... und damit meine sie „nicht das Lauern hinter Sträuchern und Büschen“, sondern ordentliche Verkehrskontrollen). Die anschließende Aufklärung des Unfallgeschehens. Und die Opfer-Betreuung.
Die sei besonders wichtig, weil man davon ausgehen müsse, dass bei jedem Verkehrstoten bis zu 100 Leute in seinem Umkreis betroffen, beeinträchtigt, auch zu Opfern geworden seien.
Aufmerksamkeit verdient hat auch die Tatsache, dass in der Liste der Verkehrstoten auch eine Tote zu finden ist, die mit einem Scooter unterwegs war.
Hinzukommen 21 Schwer- und 80 Leichtverletzte. Da sei etwas Neues, Hippes dazugekommen, das die Statistik verändere. Wie im Land, so auch im Rhein-Kreis Neuss: An den Scooter-Unfällen sind auch Kinder, die mit diesem Gefährt unterwegs sein dürften, beteiligt.
Schließlich gab es eine weitere Zahl, die weder Stock noch Reinhold gefiel: Die Zahl der Unfallfluchten ist um 30 Prozent gestiegen, die Aufklärungsquote aber auf 47 Prozent gesunken. Oft liege es daran, dass sich keine Zeugen melden würden ...