Neuss Achtung „Felgenkiller“: Beim Praxistest der Grünen fällt das „Radhaus“ durch

Neuss · Als die Rathaus-Tiefgarage vor einigen Wochen nach langer Umbauzeit die Schranken öffnete, hagelte es Kritik an der nicht leicht zu durchschauenden Tarifpolitik: Wann mus ich online buchen, wann muss ich was zahlen, wie sind die Öffnungszeiten? Die CDU hatte eine Vereinfachung des Gebührenkonzepts gefordert. Im Rathaus bleibt man standhaft: „Die Preisstruktur für Pkw basiert auf politischen Beschlüssen und orientiert sich außerhalb der Sprechzeiten des Rathauses an den Tarifen der umliegenden Parkhäuser der City-Parkhaus GmbH.“ Jetzt regt sich auch Kritik an dem in der Tiefgarage befindlichen „Radhaus“.

Ein einsames Rad steht im Radhaus in der Rathaus-Tiefgarage; die Nutzungsfrequenz lässt noch zu wünschen übrig.

Foto: Kurier Verlag/Rolf Retzlaff

40 kostenfreie Fahrrad-Stellplätze können hier genutzt werden. Ein sinnvolles Angebot mit Blick auf die angestrebte Verkehrswende, allerdings haben Mitglieder der Grünen-Ratsfraktion bei einem Ortstermin einige Mängel festgestellt – die der Autor dieser Zeilen nach einem „Selbsttest“ bestätigen kann. Bereits der Zugang zum „Radhaus“ gestaltet sich für Radfahrende als Hürde: Die Durchfahrt ist so eng bemessen, dass sie eher abschreckend als einladend wirkt. An der Schranke vorbei: für Lastenräder und Co. kaum möglich. Zudem fehlt ein klares Hinweisschild am Eingang, das über die kostenlose Nutzung für Radfahrende informiert. Im Inneren der Anlage setzen sich die Defizite fort: Die gewählten Fahrradständer, in Radlerkreisen auch „Felgenkiller“ genannt, bieten weder ausreichenden Schutz vor Diebstahl noch eine stabile Abstellmöglichkeit. „Besonders verwirrend ist die Umzäunung der Fahrradständer, deren Zweck unklar bleibt“, sagt Andrea Wilhaus, mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Und sie führt aus: „Was hätte hier alles möglich sein können: Sicheres und komfortables Parken, Lademöglichkeiten für E-Bikes und eine Reparaturstation mit Fahrradpumpe – all das wäre ein echter Gewinn für die Radfahrenden in Neuss gewesen.“ Angebote, die es an den nagelneuen Mobilstationen größtenteils gibt (lesen Sie hierzu auch den Artikel auf Seite 3). Ton Rombouts, Stadtverordneter der Grünen, äußert sich ebenfalls kritisch: „Das ‚Radhaus‘ kann ein Aushängeschild für unsere Stadt werden. Jedoch wirkt es noch wie ein Provisorium, das selbst begeisterte Radfahrer wie uns fragend zurücklässt.“

Und wie stark wird das Radhaus zurzeit genutzt? „Eine Erfassung der Nutzungszahlen erfolgt nicht“, macht die Stadt deutlich. Erste Erfahrungswerte würden jedoch zeigen, dass das Angebot besonders gut von Mitarbeitern der Stadtverwaltung angenommen werde. „Besucher der Innenstadt nutzen das Angebot bislang noch vergleichsweise selten, da viele mit dem Fahrrad bis unmittelbar an ihr Ziel fahren“, heißt es aus dem Rathaus. Das kann der Autor dieser Zeilen bestätigen: Bei Stichproben an drei verschiedenen Tagen vormittags wurde jeweils nur ein „Drahtesel“ im „Bürgerbereich“ des Radhauses gesichtet.

Nicht gerade komfortabel: Radler müssen sich an den geschlossenen Schranken „vorbeiquetschen“.

Foto: Kurier Verlag/Rolf Retzlaff

Die Kritik an den „Felgenkillern“ nimmt die Stadt allerdings an: „Bei den aktuell installierten Fahrradständern handelt es sich um eine provisorische Lösung. Der Einbau neuer Fahrradständer erfolgt voraussichtlich im Laufe dieses Jahres“, verspricht ein Stadtsprecher. Zusätzliche Angebote über das reine Abstellen der Fahrräder hinaus, etwa Lademöglichkeiten für E-Bikes, seien derzeit nicht geplant.