Interview mit Sven Ladeck, neuer Fraktionsvorsitzender der CDU im Rhein-Kreis

Der 31-jährige Kaarster ist Nachfolger von Dr. Dieter W. Welsink : CDU-Fraktionschef Sven Ladeck im Interview

Mit Sven Ladeck hat die CDU-Fraktion im Rhein-Kreis Neuss einen neuen Vorsitzenden. Der 31-jährige Kaarster ist Nachfolger von Dr. Dieter W. Welsink. Ladeck ist mit Herz und Seele Kaarster, doch er hat als Vorsitzender der Kreistags-Fraktion auch die Themen des gesamten Rhein-Kreises – allen voran den Strukturwandel nach dem Ende der Braunkohleförderung – fest im Blick.

Im Interview stellt sich der neue Fraktionsvorsitzende vor. Er ist seit Anfang Februar im Amt.

Sie kennen die Kreispolitik ja bereits aus der Sicht des stellvertretenden Vorsitzenden – was hat sich geändert? Wie sind die Eindrücke der ersten Tage?
Der Zeitaufwand ist natürlich enorm gestiegen, es gibt viele Abstimmungstermine – unter anderem auch mit den anderen Fraktionen und den städtischen Verwaltungen. Der Kontakt zu den anderen Fraktionsvorsitzenden ist mir sehr wichtig, deshalb wird es in den kommenden Wochen noch einige Antrittsbesuche geben.

Sie sind noch ziemlich jung und das Wahlergebnis von 96 Prozent Zustimmung kann sich sehen lassen. Empfinden Sie sich als Hoffnungsträger?
Hoffnungsträger würde ich das persönlich nicht nennen. Dr. Dieter W. Welsink hat ja sehr gute Arbeit geleistet, ich sehe das gute Votum als Vertrauensvorschuss. Dafür bin ich sehr dankbar, denn es bestärkt auch in der Zusammenarbeit mit den politischen Mitbewerbern. Da ist es gut zu wissen, dass man einen soliden Rückhalt hat.

Wie würden Sie die aktuelle Form ihrer Partei beschreiben?
Wir haben im Rhein-Kreis Neuss aktuell eine gute Mischung. Zum einen die Berufspolitiker wie Ansgar Heveling, der aus der Bundesebene einen ganz besonderen Erfahrungsschatz mit in den Kreis bringt. Ich sehe aber auch mit Freude, wie viele aus der Jungen Union sich engagieren und sich in den einzelnen Stadt- und Gemeinderäten einbringen. Es ist viel Potenzial da, das macht Mut und bringt Hoffnung.

Mit Blick auf die Bundesebene denke ich, dass die Partei mit der Wahl von Friedrich Merz eine gute Entscheidung getroffen hat, um das Profil der CDU zu schärfen und vielleicht sogar eine Kurskorrektur hinzubekommen. 

Sind Sie Merz-Fan?
Die Partei hat sich so entschieden und deshalb gehört ihm natürlich meine volle Unterstützung, und für eine Kurskorrektur bin ich auf jeden Fall.

Wie viele Kaarster Themen werden mit Ihnen in die Kreispolitik Einzug halten?
Ich halte die Kommunalpolitik für die Herzkammer der Politik allgemein. Ich liebe meine Stadt, bin durch und durch Kaarster und werde natürlich unsere Heimat immer im Hinterkopf behalten. Bei allen Fragen, die Kaarst betreffen, schaue ich natürlich genau hin, aber als Vertreter für das gesamte Kreisgebiet werde ich mich natürlich genau so für Neuss, für Jüchen, Grevenbroich und alle andern Städte auch einsetzen. Die großen Kaarster Themen, wie Auskiesung, Naherholungsgebiet Kaarster See, Ausbau Regiobahn oder das Sportforum in Büttgen sind aber auch immer Herzenanaliegen, die ich mit den beiden anderen Kaarster Kreistagsabgeordneten Dilek Haupt und Richard Streck entsprechend vertreten werde.

Was sind ihre fünf Top-Themen auf Kreisebene?
Der Strukturwandel, der Spitzen- und Leistungssport, die Sozialpolitik, die Krankenhäuser des Rheinland Klinikums als Daseinsversorger und als fünfter Punkt: die Finanzen. Dass der Kreis wirtschaftlich vernünftig haushaltet. Dass er die Kommunen entlastet und für die Bürger einen guten, gesunden Haushalt aufstellt.

Jüngst hat der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer wieder die Kreisfreiheit der Stadt Neuss, also die Herauslösung der Stadt aus dem Kreisgefüge, ins Gespräch gebracht. Das stieß bei Ihnen auf Empörung?
Ich finde es schade, dass eine solche Diskussion von Bürgermeister Breuer in der Öffentlichkeit geführt wird. Ich bin immer ein Freund davon, in den Vordergrund zu stellen, was uns eint – und nicht die negativen Dinge. Ich glaube, dass wir in der Kreisgemeinschaft nur gemeinsam mit allen Kommunen als Rhein-Kreis Neuss gegenüber den anderen Metropolen wie Düsseldorf, Köln, Aachen als Wirtschaftsstandort stark auftreten können. Aber es ist natürlich auch eine Scheindiskussion, weil eine Gebietsreform aktuell gar nicht zur Debatte steht.

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Sie haben nahezu alle Schulformen kennengelernt: Waren auf der Hauptschule, der Realschule und haben schließlich das Abitur gemacht. Wie sieht es mit dem Thema Bildung aus?
Bildung ist ein ganz, ganz wichtiges Thema! Wir als Kreis sind ja in der Trägerschaft der Berufsschulen als auch der Sonderschulen. Da werden wir als Fraktion auch noch mal mit dem Handwerk, den Innungen, das Gespräch suchen. Unsere Berufsschulen sind uns sehr wichtig, weil wir auch die berufliche Bildung im Vordergrund sehen. Für die CDU fängt der Mensch nicht erst mit dem Abitur an. Die Stadt Neuss ist an den Rhein-Kreis Neuss herangetreten, sie würde gern das Theodor-Schwann-Kolleg an den Kreis übergeben – das prüfen wir momentan. Wir haben zwar schon das Friedrich-Spee-Kolleg in der Trägerschaft des Erzbistums als Weiterbildungskolleg, aber natürlich würde ein solches Portfolio zu den berufsbildenden Schulen der Weiterbildung passen.

Als gläubiger Christ – was sagen Sie zur aktuellen Diskussion um das „C“ im Namen CDU?
Ich bin der Überzeugung, dass es der Partei guttut, sich auf ihre Wurzeln zu berufen. Und dadurch auch einen Kompass im politischen Handeln ableitet. Meiner Ansicht nach misst sich das am Umgang miteinander und insbesondere im politischen Alltagsgeschäft.

Das Gespräch führte Thomas Broich.