„Kaugummispucker“ und Co. werden zur Kasse gebeten+++Wie der Ordnungsdienst arbeitet

„Kaugummispucker“ und Co. werden zur Kasse gebeten+++Wie der Ordnungsdienst arbeitet

Wer seinen Kaugummi achtlos auf den Boden spuckt und dabei von den Mitarbeitern des Kommunalen Service- und Ordnungsdienstes (KSOD) erwischt wird, muss mit einem Bußgeld in Höhe von mindestens 55 Euro rechnen — doppelt so viel wie bisher.

Mit dieser Erhöhung will Bürgermeister Reiner Breuer der akuten Verschmutzung in Neuss entgegen wirken. Für die KSOD-Mitarbeiter eine erneute Herausforderung, denn auf der Straße sind sie die "Augen und Ohren" der Stadtverwaltung.

Beigeordneter Holger Lachmann, Dezernat Bürgerservice, Personal und Sicherheit. Foto: Rolf Retzlaff

Neuss. Die 16 Mann starke Truppe führt im gesamten Stadtgebiet Streifengänge durch. Aktuell halten die Mitarbeiter ein besonderes Auge auf den Innenstadtbereich; hier werden zurzeit die Pflastersteine auf dem Hauptstraßenzug mittels Hochdruckreiniger und heißem Wasser vom Dreck befreit. Damit der Frühjahrsputz nicht vergebens war, "werden aktuell die Bußgelder für verschiedene Arten der Verschmutzung auf ausdrücklichen Auftrag von Bürgermeister Reiner Breuer ungefähr verdoppelt", weiß Beigeordneter Holger Lachmann (Dezernat Bürgerservice, Personal und Sicherheit). Und so drohen dem Kaugummispucker und dem Wildpinkler mindestens 55 Euro, wer die Hinterlassenschaften seines Hundes liegen lässt, ist mit mindestens 75 Euro dabei. "Die Höhe des Bußgeldes liegt letztendlich im Ermessen des Mitarbeiters vor Ort", erklärt Thomas Mathen, Abteilungsleiter des Amtes für Ordnungs- und Gewerbeangelegenheiten, "das Bußgeld kann vor Ort erhoben und kassiert werden."

Dabei ist Sensibilität gefragt: In Rollenspielen werden die KSOD-Mitarbeiter auf heikle Situationen vorbereitet. "Schließlich wird zum Beispiel kein Hundebesitzer gerne angesprochen, weil er den Kot seines Hundes nicht aufgesammelt hat", so Lachmann. Und Mathen führt aus: "Wenn meine Mitarbeiter freundlich, aber bestimmt auftreten, gibt es in der Regel wenig Probleme. Es ist nur eine kleine Prozentzahl, die die Ausnahme macht."

Dies gilt übrigens nicht nur, wenn die KSOD-Mitarbeiter in Sachen Sauberkeit unterwegs sind. "Sie sind die Ansprechpartner vor Ort für die Bürger", erklärt Lachmann. Sie werden auf kaputte Laternen, überfüllte Mülleimer oder ähnliches aufmerksam gemacht; diese Hinweise leiten sie an die entsprechenden Ämter weiter.

Ganz oben auf der "Hitliste" der Ordnungswidrigkeiten steht der Verstoß gegen die Hundeanleinpflicht. Es wird die Einhaltung des Verbots von Tabak und Alkohol für Jugendliche unter 18 Jahren sowie auf Spielplätzen kontrolliert. Weitere Einsatzbereiche sind unter anderem aggressives Betteln, "wildes" Lagern, verstärkte Jugendschutzkontrollen während der Further und der Neusser Kirmes sowie während der Karnevalsaktivitäten. Schwerpunkte wie der Marienkirchplatz, der Berliner Platz, der Wierstraet-Weg, die S-Bahn-Station Allerheiligen, der Hafenpark mit Brücke, Rennbahnpark und Meererhof werden besonders in den Blick genommen. Auch bei der Kontrolle der Shishabars in Neuss im vergangenen Jahr war der KSOD gemeinsam mit der Polizei unterwegs. Das Resultat: Es gab eine Kohlenmonoxid-Grenzwertüberschreitung und einen Verstoß gegen Steuerauflagen (Tabakwaren nicht versteuert).

Und es naht bereits die nächste große Herausforderung: die Abiparade, in deren Umfeld im vergangenen Jahr Pyrotechnik — vor allem im Meererhof — den KSOD-Mitarbeitern Sorgen machte. Lesen Sie dazu auch den Kommentar.