Jansen – seit 2010 ebenso rein ehrenamtlich engagiert wie seine SER-Kollegen – blickt zurück: „Damals haben wir uns unter anderem mit ÖPNV, kleineren Sanierungsmaßnahmen und Unterrichtsausfall beschäftigt.“ Jetzt – 2026 – fallen ihm auf Anhieb zahlreiche weitere Themen ein: von G8/G9, Platzmangel an Gymnasien und in OGS, Schulneubauten und Lehrermangel bis zu Deepfakes, Cybermobbing, digitale Gewalt, Mobbing und Gewalt an Schulen. „Wie sollen wir Ehrenamtlichen diese Themenvielfalt bewältigen?“, fragt Jansen. Immer mehr Eltern würden sich hilfesuchend an den SER wenden.
Zum aktuellen Deepfake-Vorfall an einer Neusser Schule macht er deutlich: „Vorfälle dieser Art sind keine schulinterne Angelegenheit. Hier müssen wir Mauern einreißen – das geht alle Schulen an!“ Es handele sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. „Unser Ziel ist es nicht, Schuldige zu suchen, sondern unsere Kinder besser zu schützen. Dafür brauchen wir Prävention, klare Handlungskonzepte und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.“ Jansen fordert den Aufbau eines „Neusser Netzwerks gegen digitale Gewalt“ unter Beteiligung vom städtischen Schulverwaltungsamt, dem Rhein-Kreis Neuss, Schulleitungen, Schulaufsicht, Polizei, Schulpsychologischen Dienst, Jugendamt, Schulsozialarbeitern und Stadtelternrat.
Lobend erwähnt er den ersten Aufschlag des Runden Tischs zu „Gewalt an Schulen“. Das Schulverwaltungsamt hatte verschiedene Protagonisten zusammengebracht. Jansen wünscht sich künftig eine bessere Einbindung von Schulsozialarbeitern; auch sollten Grundschullehrer am Runden Tisch Platz nehmen. Denn die Entwicklung in Sachen Cybermobbing und Co. betreffe längst nicht mehr einzelne Schulen oder bestimmte Schulformen – „sie reicht von der Grundschule bis zur Oberstufe“.
Und wie soll es jetzt mit dem Stadtelternrat weitergehen? „Wir müssen über neue Strukturen nachdenken. Dazu gehört auch, dass sich möglichst viele Eltern in Klassen- und Schulpflegschaften engagieren.“ Er stellt klar: „Neuss hat gute Schulen, engagierte Lehrer und Schulleitungen. Das Ziel des SER ist es, dass sich Kinder und Lehrer in der Schule wohlfühlen.“ Höchste Priorität habe allerdings eins: „Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen!“ Und dafür sei in vielen Fällen härteres Durchgreifen erforderlich.
Rolf Retzlaff