Arbeiten, wohnen, weiterziehen: Der Alltag von mobilen Fachkräften

Bei einem kurzen Spaziergang durch Neuss oder Kaarst ist die Wahrscheinlichkeit groß, früher oder später den Weg mit mobilen Fachkräften zu kreuzen. Sie sind nicht direkt als solche erkennbar, ein fester Teil der regionalen Wirtschaft und des Arbeitslebens sind sie aber definitiv. Geschuldet ist das auch einem Wandel der klassischen beruflichen Lebensstationen: Statt an einem Ort Ausbildung, fester Job und späteres Eigenheim zu vereinen, dominiert in einigen Branchen zeitlich befristete und projektbezogene Arbeit. Zu unterscheiden ist aber auch zwischen einer temporär veranlagten Arbeitsmobilität und dem klassischen Zuzug.

Wer sind eigentlich die mobilen Fachkräfte?

Mehr und mehr Unternehmen suchen nach mobilen, flexibel einsetzbaren und agilen Fachkräften. Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es in 163 der 1.200 untersuchten Berufe einen erheblichen oder gravierenden Fachkräftemangel. Die mobilen Fachkräfte verhindern, dass diese Zahl noch höher ausfällt. Trotzdem können sie die Lücke nicht allein schließen: Laut dem Ifo-Institut klagen immerhin 28 % der deutschen Unternehmen darüber, keine qualifizierten Arbeitskräfte zu finden, und müssen Stellen vorläufig unbesetzt lassen.

Der Fachkräftemangel erstreckt sich, ebenso wie die Gruppe der mobilen Fachkräfte, nicht nur allein auf eine Branche. Im Gegenteil: Die Herausforderungen sind weder auf eine Region noch einen bestimmten Job beschränkt. Trotzdem gibt es Sektoren, in denen mobile Fachkräfte stärker nachgefragt werden. Unter anderem sind das:

  • Handwerker und Monteure, zum Beispiel für Dachdeckerei, Heizung, Sanitär und Elektro
  • technische Servicekräfte und Instandhalter, wie sie in der produzierenden Industrie und dem Maschinenbau arbeiten
  • Bau- und Produktionsarbeiter, die traditionell projektbezogen und oftmals an verschiedenen Standorten zum Einsatz kommen
  • Spezialisten aus dem technischen und IT-Bereich

Vielfalt zeigt sich ebenso beim Blick auf deren Qualifikationen, Einsatzdauer und Herkunft. Solche mobilen Fachkräfte kommen aus dem Inland, dem EU-Ausland und darüber hinaus. Sie haben eine abgeschlossene deutsche Berufsausbildung oder sogar einen akademischen internationalen Abschluss. Spezialisierte Zertifikate oder weiterführende Qualifikationen sind bei Ingenieuren und anderen Berufsgruppen ebenso keine Ausnahme.

Selbst hinsichtlich der Arbeitsdauer lässt sich kaum eine starre Aussage treffen. Einige der Facharbeiter sind nur wenige Wochen vor Ort im Einsatz, andere verbringen mehrere Monate oder sogar Jahre hier, bevor es sie zum nächsten Einsatzort zieht.

Wie sieht der Arbeitsalltag auf Zeit aus?

Projektbezogene Tätigkeiten sind standardmäßig zeitlich begrenzt und haben somit einen konkreten Anfang und ein festes Ende. Facharbeiter, die Wartungs-, Installations- oder Montageprojekte durchführen, arbeiten klassisch ebenso projektbezogen wie Arbeitskräfte auf Baustellen. Befristete Einsätze gibt es häufig, weil etwa das Unternehmen mehrere Niederlassungen führt oder eine Arbeit direkt beim Kunden des Arbeitgebers stattfindet.

Beides muss aber nicht unbedingt zu veränderten oder außergewöhnlichen Arbeitszeiten führen. Der Großteil der mobilen Einsatzkräfte arbeitet rund 40 Stunden in der Woche, typischerweise auf fünf Arbeitstage verteilt. Je nach Branche fällt die Arbeitszeit deutlich flexibler aus, wenn zum Beispiel im 2- oder 3-Schichtsystem gearbeitet wird oder Crunch-Phasen kurzfristig für eine längere, später auszugleichende Arbeitszeit sorgen. Einige der Fachkräfte kehren in dieser Zeit in ihre Heimat zurück: Wochenpendler fahren über das Wochenende nach Hause und zu Beginn der Arbeitswoche wieder an ihren Einsatzort.

Zwischen Zimmer und Baustelle: Wohnen ohne Dauervertrag

Alle, die nicht an ihrem festen Wohnort arbeiten, benötigen Alternativen. Das gilt auch für Wochenpendler. Lange Pendelwege und Anfahrtszeiten sind heute selbst für nicht mobile Fachkräfte aufgrund gestiegener Mieten keine Ausnahme mehr. Zuletzt mussten mehr als 20 Millionen Deutsche pendeln, über 2,3 Millionen davon pendeln sogar über 100 Kilometer.

In vielen Fällen ist ständiges Pendeln aber gar nicht machbar. Auch wenn es machbar ist, gibt es mitunter bessere Lösungen, die eine genauere Betrachtung verdienen. Zum Beispiel dürften Monteurzimmer in Kaarst und der weiteren Region zumindest vom Namen her bekannt sein. Es handelt sich um möblierte Unterkünfte, in denen Monteure, Handwerker und überregional tätige Arbeiter wohnen – manchmal mehrere Monate lang. Sie sind eher funktional ausgerichtet und manchmal sogar als Doppel- oder Mehrbettzimmer konzipiert.

Möblierte Zimmer ähneln diesen sehr, hinsichtlich ihrer Ausstattung entsprechen sie aber eher einer klassischen kleinen Wohnung. Selbiges gilt für Apartments, die mit eigenem Zimmer und separater Küche womöglich sogar mehrere Arbeiter beherbergen können, sofern das Appartement mehrere Schlafzimmer hat. Gemeinsam haben sie alle, dass die Aufenthalte günstiger als in Hotels oder Ferienwohnungen sind. Zudem sind solche Unterkünfte nicht auf Urlaub und kurzfristige Aufenthalte ausgerichtet, sondern orientieren sich an den Bedürfnissen der mobilen Fachkräfte.

Bei der Auswahl der Unterkünfte ist mit Bedacht vorzugehen: Sie sollten möglichst nah am späteren Einsatzort liegen, keine unnötig hohen Kosten verursachen und hinsichtlich der vertraglichen Bedingungen flexibel genug sein, um den Anforderungen von Fachkräften und deren Arbeitgebern gerecht zu werden.

Der Alltag außerhalb der Arbeit und die Auswirkungen auf die Stadt

Der Tag kann nicht nur aus Arbeit bestehen. Einen Ausgleich braucht es zwangsläufig, weshalb sich viele mobile Arbeitskräfte in den Alltag integrieren, indem sie die lokale Gastronomie und Dienstleister aufsuchen oder sich die Zeit mit regionalen Freizeitangeboten vertreiben. Trotzdem zeigt die Realität, dass viele mobile Arbeitskräfte hauptsächlich unter sich bleiben: Das soziale Miteinander besteht also primär aus Kollegen.

Das hat auch Auswirkungen auf Städte wie Neuss oder Kaarst: Die Städte werden etwas lebendiger und der Einzelhandel sowie der Dienstleistungssektor profitieren von zusätzlicher Nachfrage. Gleichermaßen geht automatisch Wohnraum für dauerhaft Einheimische verloren, wenn mehr Unterkünfte für temporäre Stadtbewohner notwendig sind. Darauf muss die Politik reagieren: Indem sie einerseits attraktive Angebote zur Freizeitgestaltung schafft, zugleich aber auch die Auslastung des Wohnungsmarktes berücksichtigt. Eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern, die solche mobilen Fachkräfte nutzen, kann den Weg hin zu verträglichen Lösungen ebnen.

Blick nach vorn: Wird die mobile Arbeit bald zum Normalzustand?

Der Arbeitsmarkt verändert sich fortlaufend: Home-Office, mobile Fachkräfte, womöglich sogar in Form höherer Erwerbslosigkeit, bedingt durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Perspektivisch entstehen so viele Herausforderungen. Wie das Ifo-Institut angibt, hält sich beispielsweise der Fachkräftemangel aktuell noch deshalb in Grenzen, weil Deutschlands Wirtschaft seit Jahren in der Rezession steckt. Im Aufschwung würde sich dieser noch weiter verschärfen.

Die mobile Arbeit könnte in einigen Branchen so zum Normalzustand avancieren, indem Arbeit immer stärker den Projekten und nicht mehr dem Wohnort folgt. Doch auch wenn Fachkräfte sich schlichtweg gezwungen sehen, agiler zu werden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Darauf müssen Städte wie Neuss und Kaarst heute schon reagieren, um nicht von den Herausforderungen überrumpelt zu werden.