Ein Jahr nach Ela: Noch immer wurden viele Sturmschäden in Neuss nicht beseitigt

Neuss · Genau ein Jahr ist es her, dass Pfingststurm Ela in Neuss und Umgebung wütete und verheerende Folgen nach sich zog. Parks und Friedhöfe mussten vorerst geschlossen bleiben, Straßen waren durch dicke Baumstämme blockiert und ganze Dächer mussten erneuert werden.

Sturm Ela: So schlimm traf es Neuss
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Sturm Ela: So schlimm traf es Neuss

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Jetzt ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen — und die fällt für Neuss im Vergleich zu anderen Städten nicht besonders gut aus. Noch immer sind in der Quirinusstadt nicht alle Schäden beseitigt worden. In Düsseldorf sind die Aufforstungsarbeiten im vollen Gange.

Eines vorneweg: Die ehrenamtlichen Helfer haben fantastische Arbeit geleistet, sind dabei über ihre Grenzen hinaus gegangen. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Straßen binnen kürzester Zeit wieder frei waren, Schulwege schnell gesichert werden konnten.

Dann aber lief es schleppend. Erst im März konnte das Arboretum in Reuschenberg wieder eröffnet werden, manche Schauplätze sehen noch immer unverändert aus.

"Im Waldstück hinter dem Norfer Gymnasium sind die Wege noch immer unzugänglich, weil sie durch Bäume und Äste blockiert sind. Es sieht exakt so aus, wie einen Tag nach Ela. Schade, wir Norfer haben diesen Ort gern zum Wandern, Joggen oder Spazieren genutzt", klagt Hans-Willi Tepper.

Auch im Botanischen Garten im Dreikönigenviertel findet man noch Spuren des Sturms: Das Treppengeländer des "Hochsitzes" ist komplett demoliert.

Arg von Ela gebeutelt wurde auch die Neusser Nordstadt. Die umgestürzten Bäume im Kruchens- und Jostensbusch wurden so entfernt, dass die ehemaligen Waldflächen von Spaziergängern wieder genutzt werden konnten. Doch jetzt wird fleißig über die Neugestaltung diskutiert. Im Kruchensbusch soll eine große Blumenwiese als Mittelpunkt entstehen — ist kein Geld mehr für Bäume da?

In Sachen Jostensbusch denkt die Stadtverwaltung darüber nach, das Entree der damals geplanten und nicht realisierten Josten-Villa wieder her zu stellen. Dabei würden sich die meisten Nordstädter schon freuen, wenn sie die Wege wieder ohne Stolperfallen nutzen und auf einer schönen Parkbank Platz nehmen könnten.

Es gibt noch viel zu tun — aber ohne ehrenamtliche Hilfe sähe es noch düsterer aus. Gerade in der Nordstadt haben die Schützen nach Ela in Schulen, Kindergärten und öffentlichen Anlagen wieder für Ordnung gesorgt. Das nimmt die Freiwilligenzentrale Neuss zum Anlass, aktuell noch einmal die Schützen zur Mithilfe zu motivieren. Es gibt noch einiges zu tun, wie Katja Winkels, Koordinatorin der Freiwilligenzentrale, weiß: "Beim Sturm im vergangenen Jahr wurde im Garten einer Wohngruppe ein großer Baum entwurzelt. Seitdem liegt der Garten brach.

Nun soll in einer gemeinsamen Aktion das Beet des Gartens neu gestaltet werden." Wer mithelfen möchte, meldet sich bitte unter Tel. 16 62 06. Und während hier in Neuss die Aufräumarbeiten in vollem Gange sind, sieht es im benachbarten Düsseldorf wieder richtig gepflegt aus. "Dort ist vieles besser gelaufen. Es wurden von Anfang an externe Helfer eingesetzt und viel mehr Werbung für Baumspenden gemacht. Das zahlt sich jetzt aus", lobt Michael Ziege.

"Bei uns in Neuss scheint das Grünflächenamt dagegen überfordert zu sein. Aus meiner Sicht war eine grundsätzliche Aufteilung in drei Dringlichkeitsstufen richtig, aber diese wurden teilweise zu langsam abgearbeitet. Wenn man das mal mit dem Höffner vergleicht, bei dem alles innerhalb kürzester Zeit erledigt war, fällt schon auf, dass die Sturmschäden zu langsam bearbeitet wurden", kritisiert der Ratsherr scharf. Bürgermeister Napp gibt zu, dass noch Handlungsbedarf besteht: "Etwa die Hälfte aller Arbeiten sind bereits erfolgreich abgeschlossen. An den Deichen sind es sogar rund 80 Prozent.

An vielen Stellen in der Stadt sind bereits zahlreiche Bäume neu gepflanzt worden, so im Stadtgarten, Rosengarten, Am Nordkanal, am Münsterplatz, am Drususplatz, oder im Jahnstadion. Auch in den Neusser Wäldern sind bereits mehrere 1000 Forstgehölze gepflanzt worden. An vielen Stellen müssen allerdings noch Neupflanzungen erfolgen, dies wird wieder verstärkt mit Beginn der Vegetationsperiode ab Oktober geschehen", so Napp.

Rund eine Millionen Euro hat die Beseitigung der Schäden in Neuss bereits gekostet. Bleibt abzuwarten, wann die Neusser Naherholungsgebiete wieder ansehnlich aussehen.

(Kurier-Verlag)