CDU und SPD wollen Verbesserungen für Eltern, Kinder und Kitas Neues aus der Kita-Landschaft

Neuss · Mehr Transparenz, frühere Gewissheit, weniger Bürokratie und mehr Geld für Einrichtungen: Die SPD Neuss und die CDU in Neuss und NRW haben vor, ein wenig Licht ins Dickicht des Kita-Dschungels zu bringen und damit Eltern, Kita-Personal und Kids Erleichterung zu verschaffen. Was geplant ist.

Dr. Jörg Geerlings MdL, Jens Kamieth MdL, Monika Mertens-Marl (bis Redaktionsschluss noch designierte Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses) und Thomas Kaumanns (von links).

Foto: CDU

Diese Woche (nach Redaktionsschluss, Anm. d. Red.) kam im Neusser Rathaus wieder der Jugendhilfeausschuss zusammen. Ziel unter anderem: Neusser Eltern, Kinder und Erzieher entlasten und Verbesserungen für sie erreichen. So möchte etwa die SPD früher Klarheit für Familien bei Kitaplatz-Vergaben schaffen.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist der SPD Neuss wichtig. Genauso wie eine gute Kinderbetreuung“, heißt es von den Sozialdemokraten im Stadtrat. Konkret soll die Stadtverwaltung nach ihrem Antrag prüfen, wie Abläufe beschleunigt und organisatorisch vereinfacht werden können. „Unser Ziel ist es, dass Eltern deutlich früher als bisher eine verlässliche Platzzusage erhalten”, erklärt Nadine Baude, die jugendpolitische Sprecherin der SPD Neuss.

Bislang können sich Neusser Eltern im Kita-Navigator (oder im Kindertagespflege-Navigator) um einen Betreuungsplatz für ihr Kind bemühen, sich dafür bei maximal 15 Kitas vormerken lassen. Bescheid über eine Platzzusage ab 1. August 2026 bekommen Eltern dieses Jahr frühestens am 16. März – also nicht mal fünf Monate im Voraus. Und das betrifft nur die erste Vergaberunde. Wer seinen Wunschplatz nicht bekommen hat, landet auf einer Warteliste und kann hoffen, dass andere Familien ihren Platz absagen und sie in weiteren Auswahlrunden nachrücken.

Dazu will die SPD untersuchen lassen, ob zukünftig ein einziges, gebündeltes Vergabeverfahren für die Vergabe von Kita-Plätzen anstelle mehrerer Vergaberunden eingeführt werden kann. Nach Wunsch der SPD sollen Eltern ihre Wunsch-Kitas verbindlich priorisieren können, ergänzt durch digitale Hilfen im Kita-Navigator. Ebenso möchte die SPD prüfen lassen, welche rechtlichen, technischen und finanziellen Voraussetzungen dafür nötig sind – und wie sich ein solches Verfahren auf Transparenz und Chancengleichheit auswirkt.

Für Familien sei eine frühzeitige Zusage für einen Betreuungsplatz entscheidend, um Beruf und Familie zuverlässig planen zu können, sagt die SPD. „Derzeit erhalten viele Eltern erst sehr spät Gewissheit darüber, ob und wo ihr Kind betreut wird“, sagt Nadine Baude. Das erschwere nicht nur die persönliche Lebensplanung, sondern auch den beruflichen Wiedereinstieg.

„Andere Kommunen zeigen, dass es auch anders geht“, so Baude. Die Stadt Dormagen hat ihr Verfahren kürzlich digital weiterentwickelt, klare Fristen eingeführt und alle Bewerbungen in einer Runde bearbeitet. Dadurch können Platzzusagen deutlich früher erfolgen und unnötige Nachverfahren vermieden werden.

Ein modernes, digitales Vergabeverfahren könne viele Vorteile bringen: Mehr Planungssicherheit für Eltern, weniger Verwaltungsaufwand für Stadt und Träger und mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Platzvergabe. Gleichzeitig bleibt es Anspruch der SPD, die pädagogische Eigenständigkeit der Träger zu wahren und rechtliche Vorgaben einzuhalten. Mit ihrem Prüfauftrag will die SPD herausfinden, ob und wie ein solches Modell auch in Neuss umgesetzt werden kann. „Unser Ziel ist klar: Ein faires, effizientes und familienfreundliches Verfahren schaffen, das Eltern, Kindern, Trägern und Verwaltung gleichermaßen gerecht wird”, so Nadine Baude abschließend.

Ist das Kind erst einmal in einer Einrichtung untergebracht, werden Eltern und Kinder erstmals mit dem „KiBiz“ konfrontiert – dem „Kinderbildungsgesetz“, das die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege in NRW regelt. Das soll jetzt reformiert werden. Die CDU und der Neusser Landtagsabgeordnete Dr. Jörg Geerlings hatten noch bevor der Gesetzentwurf zur KiBiz-Reform im Landtag beraten wurde den Dialog mit der Praxis gesucht. Geerlings und der Jugendpolitiker Thomas Kaumanns (CDU Neuss) hatten dazu den Sprecher der CDU-Landtagsfraktion für den Bereich Kinder, Jugend und Familie, Jens Kamieth MdL, eingeladen.

Bei der gut besuchten Diskussionsveranstaltung kamen Erzieher, Einrichtungsleitungen, Träger, Eltern sowie politisch Interessierte zusammen, um ihre Perspektiven und Erwartungen frühzeitig einzubringen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der offene Austausch. In einer lebhaften und konstruktiven Atmosphäre wurde intensiv diskutiert, zahlreiche Fragen aus der Praxis wurden beantwortet und unterschiedliche Sichtweisen deutlich gemacht.

Ziel der Reform ist, die Angebote in der Kinderbetreuung flexibler zu gestalten und Bürokratie abzubauen. Das Land will offensiv um mehr Personal werben und wird die Kitas mit deutlich mehr Geld ausstatten. Laut CDU zeigte sich in der Diskussion mit Betroffenem aber auch, dass mehr Geld allein die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung nicht lösen wird. Die Teilnehmenden machten deutlich, wo strukturelle Änderungen notwendig sind, wo bürokratische Hürden bestehen und welche Prioritäten aus ihrer Sicht im weiteren Reformprozess gesetzt werden sollten.

Jens Kamieth nahm viele konkrete Anregungen und Hinweise aus der Diskussion auf. Diese sollen in den weiteren Gesetzgebungsprozess einfließen und dazu beitragen, das KiBiz verlässlich, praxistauglich und zukunftsfest weiterzuentwickeln.

„Mit der Veranstaltung unterstreicht die CDU ihren Anspruch, Betroffene von politischen Entscheidungen frühzeitig zu beteiligen und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen – noch bevor der Gesetzentwurf in den parlamentarischen Beratungen konkretisiert wird“, heißt es von den Christdemokraten.

Die Neusser Kita-Landschaft könnte sich also in den kommenden zwei Jahren verändern – und bringt hoffentlich Erleichterungen für Familien und Kita-Teams.