Zittern bei zehn Grad in der Wohnung Kälte, Schimmelbefall und Ungeziefer machen Mietern das Leben schwer

Erfttal · Defekte Heizungen, Schimmelbefall, beschädigte und/oder aufgebrochene Hauseingangstüren, mangelhafte Schlösser sowie bereits kurze Zeit nach der Leerung überquellende Mülltonnen, die auch noch Ratten anlocken: Erhebliche Mängel machen den Mietern einer Wohnanlage in Erfttal das Leben in den eigenen vier Wänden schwer. Schwangere, Kinder und Senioren froren etwa vergangene Woche bei nur 10° Raumtemperatur. Jetzt wenden sich die Anwohner mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit.

Defekte Heizungen und Haustüren, Schimmel, Müllproblematik, Schädlingsbefall: Die Mängelliste der Hochhäuser ist lang.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Hanna Glinski

Bei Außentemperaturen von bis zu -7° Celsius mussten die Mieter des Gebäudekomplexes Euskirchener Straße 40 bis 76 zittern – denn überall waren die Heizungen ausgefallen. „Teilweise hatte es in den Wohnungen nur noch zehn bis zwölf Grad“, wissen die Mieter – darunter Kinder, Säuglinge, eine hochschwangere Frau und auch viele ältere Menschen. Das sei kein Einzelfall, komme immer wieder mal vor, beklagen die Anwohner, die sich in ihrer Not natürlich zunächst an die Hausverwaltung, die LEG Immobilien SE, gewandt hatten.

Die hatte laut eigener Aussage sofort nach Erstmeldung reagiert, um die Heizkörper wieder ans Laufen zu kriegen – dennoch dauerte es fast eine Woche, bis die Wärme in die Räume zurückkehrte. „Wir wünschen uns langfristige Lösungen“, so die Anwohner, die aus Furcht vor negativen Konsequenzen lieber anonym bleiben möchten (Namen der Redaktion bekannt).

Feuchte Wände und Schimmel: Die LEG spricht von falschem Lüften und Heizen, die Mieter sind anderer Meinung.

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Leider ist die unzuverlässige Heizanlage nicht das einzige Problem der Erfttaler. „Viele Wohnungen leiden unter Schimmelbefall“, berichten sie. Von der LEG heißt es dazu: „Wir nehmen den Schimmelbefall selbstverständlich sehr ernst und überprüfen sämtliche Fälle auf ihre Ursache. Der Grund für Schimmelbildung liegt leider oftmals im falschen Lüftungsverhalten der Mieter*innen, womit wir keinesfalls die Verantwortung von uns weisen möchten.“

Werde nicht ausreichend geheizt, könne die kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen, was feuchte Wände und Schimmelbildung begünstige. „Unsere Objektbetreuer beobachten vor Ort vermehrt, dass Haus- und Laubentüren offen festgestellt werden, wodurch die Treppenhäuser auskühlen und die Bildung von Schimmel ebenfalls begünstigt wird.“ Richtiges Lüften, wie zum Beispiel das Stoßlüften, sei für die Vermeidung von Schimmelbildung von sehr großer Bedeutung. „Wir informieren unsere Mieter*innen in Fluraushängen, Informationsblättern sowie in unserem Mieterhandbuch sehr transparent über richtiges Lüftungsverhalten und geben ihnen somit alle notwendigen Informationen an die Hand“, heißt es weiter.

Dass die Haustüren teils so kaputt sind, dass sie gar nicht mehr geschlossen werden können, erwähnt sie an dieser Stelle nicht. Die Mieter sind aber ohnehin überzeugt, dass die Schimmelbildung andere Ursachen hat: „Viele Mieter haben seit Jahren Schimmel – nicht durch falsches Lüften, sondern da in anderen Wohnungen Rohrbrüche nicht repariert werden. Die Wände sind feucht. Viele haben zudem undichte Fenster und Türen. Sehr viele Wohnungen haben durch die Feuchtigkeit Silberfischplagen in den Wohnungen. Auch in unserem Kinderbett mussten wir schon Silberfische feststellen, da sie sich in der ganzen Wohnung befinden.“

Leider sei es darüber hinaus in einem der Häuser am vergangenen Wochenende zu einem weiteren Vorfall gekommen. Ein (bereits vorher mehrfach defekt gemeldetes) Abwasserrohr sei geplatzt, die Mieterkeller hätten daraufhin voll mit Abwasser und Fäkalien gestanden. „Die persönlichen Gegenstände müssen entsorgt werden. Wer für die Kosten aufkommt, ist unklar“, so die Anwohner. Das Wasser sei abgepumpt worden, doch eine Reinigung stehe noch aus, weshalb es im Haus zusätzlich zu Geruchsbelästigungen komme.

Durch die Feuchtigkeit in den Wohnungen wird Ungeziefer angelockt.

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Die LEG betont, dass sich die Erneuerung der Frisch- und Abwasserleitungen bereits in Planung befinde. „Wir investieren kontinuierlich in unsere Bestände und stellen uns balanciert im Dreieck von Mieterzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit auf. Da wir im Segment des bezahlbaren Wohnens tätig sind, achten wir bei allen Maßnahmen darauf, dass sie unsere Mieter*innen nicht wirtschaftlich überfordern“, erklärt sie. Zuletzt seien einige Flachdächer umfassend modernisiert worden, aktuell werden in allen Gebäuden die Elektroleitungen der Allgemeinbereiche erneuert.

Außerdem seien bereits acht neue Restmüllcontainer bestellt worden, die nach Lieferung umgehend bereitgestellt werden sollen – eine gute Nachricht, denn die vorhandenen Mülltonnen werden nur einmal die Woche geleert und quellen schon kurz darauf wieder über. „Da freuen sich die Ratten...“, beklagten die Mieter. Kein Wunder, dass rund um die Hochhäuser und auch im Inneren überall Rattengift und -fallen aufgestellt sind.

Die überquellenden Restmülltonnen locken Ratten an. Zahlreiche Fallen und Rattengift sind in und um die Gebäude aufgestellt.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Hanna Glinski

Die Mieter wünschen sich ein verlässliches und respektvolles Miteinander mit der Hausverwaltung – und natürlich, dass langfristige und grundlegende Probleme angegangen werden. Die LEG verspricht: „Wir beobachten die Situation selbstverständlich auch weiterhin und werden bei Bedarf weitere Möglichkeiten prüfen, um eine zufriedenstellende Wohnsituation für unsere Mieter*innen herbeizuführen.“

Derweil hat sich auch die Neusser Politik inzwischen für die Anwohner stark gemacht und will das Thema weiter verfolgen. Den Mietern bleibt derzeit – wie gewohnt – wenig anderes übrig, als geduldig zu sein.