Gänse fressen sich an Saatgut und Pflanzen satt – was geplant ist Damit aus der Landesgartenschau keine Landesgänseschau wird ...

Neuss · Ein Schreckensszenario mit Blick auf die Eröffnung der Landesgartenschau am 16. April: Wo eigentlich Blumen, Wiesen und Co. blühen und gedeihen sollten, sitzt sie – die „Lagans“, wohlgenährt, satt und zufrieden ... Seit rund zwei Wochen lassen sich Kanada-, Nil- und Graugänse die jungen Pflänzchen und frischen Einsaaten auf dem Laga-Gelände schmecken, auch Kot auf den Wegen würde das Laga-Erlebnis der rund 650.000 zu erwartenden Gäste stark schmälern. Jetzt will ein Expertenrat verschiedene Maßnahmen zur Vergrämung des Federviehs auf den Weg bringen – natürlich alles tierschutzgerecht.

Die Anzahl der Kanadagänse auf dem Laga-Gelände schwankt stark: In den vergangenen Wochen waren viele Gänse auf der Wiese unterwegs. In dieser Woche hingegen waren es nur wenige.

Foto: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive/Thomas Mayer Archive

Verkotete Wege, kahl gefressene Wiesen – das kommt so manchem Neusser bekannt vor: Seit Jahren versucht die Stadt, das Gänseproblem am Jröne Meerke in der Nordstadt in den Griff zu bekommen – mit eher weniger als mehr Erfolg. Jetzt darf man gespannt sein, wie auf dem Laga-Gelände der dauerhaften Ansiedlung der Tiere im Veranstaltungsbereich entgegengewirkt und die neu angelegten Kultur- und Erholungsflächen nachhaltig geschützt werden sollen. „In Holland wäre das Problem schnell erledigt“, brachte anno 2015 ein holländischer Gänseexperte den Abschuss der Tiere zur schnellen Lösung der „Jröne-Meerke-Problematik“ ins Spiel – was aber nicht weiter verfolgt wurde. Und auch an der Hammer Landstraße setzen die Verantwortlichen auf Tierschutz: „Die Landesgartenschau steht für Nachhaltigkeit, Biodiversität und verantwortungsvolles Handeln. Dazu gehört auch ein professioneller Umgang mit Wildtieren im urbanen Raum. Wir handeln frühzeitig und abgestimmt, um sensible Flächen zu schützen und gleichzeitig natur- und tierschutzrechtliche Anforderungen einzuhalten“, sagt Annette Nothnagel, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH.

Doch noch vor Start der Phase eins muss die Jagdaufsichtsbehörde des Rhein-Kreises die Schonzeit für die Gänse aufheben – ansonsten dürften sie nicht einmal systematisch verjagt werden. Und genau dies soll geschehen. Ziel ist die konsequente Lenkung und Vergrämung der Tiere zurück in ihre bisherigen Bestands- und Aufenthaltsräume außerhalb der sensiblen Veranstaltungsflächen. Sollen dann die ehrenamtlichen Volunteers auf die Wiesen geschickt werden? „Wir prüfen derzeit, mit welchen geeigneten Personen die Vergrämung organisatorisch umgesetzt wird. Ziel ist der Aufbau flexibel einsetzbarer Teams, die zeitlich abgestimmt reagieren können“, so Laga-Presserefentin Katja Feller.

Die eingesetzten Kräfte sollen vorab geschult werden. Inhalte: Grundlagen der Tierkunde, das artspezifische Verhalten von Gänsen, geeignete Lenkungsmaßnahmen sowie eine koordinierte Durchführung im Gelände. „Die Maßnahmen werden vor dem Einsatz praktisch geübt“, sagt Feller. Und wie soll ein solcher Einsatz konkret aussehen? Wolfgang Gottbrath, Experte für Wildtiermanagement im urbanen Raum, erklärt: „Die Teams bewegen sich in kleinen Gruppen in einheitlicher Signalkleidung sichtbar und kontrolliert auf die Tiere zu, machen sich gezielt visuell bemerkbar und ,drücken’ die Gänse dadurch schrittweise von sensiblen Flächen weg. Ziel ist eine klare, wiederkehrende Störwirkung, die den Bereich für die Tiere als ungeeignet erscheinen lässt.“

Und da Wildgänse offene, übersichtliche Flächen – unter anderem für Start- und Landevorgänge – und freie Sichtachsen bevorzugen, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf schnell starten und ausweichen zu können, stehen Sichtschutzpflanzungen, das Anlegen von Böschungen und die Reduzierung der Mähfrequenz auf dem Plan.

Parallel zu den Sofortmaßnahmen soll ein ganzheitlicher Wildtiermanagement-Plan erarbeitet werden. Ziel sei eine nachhaltige Steuerung möglicher Nutzungskonflikte während und über die Laufzeit der Landesgartenschau hinaus, so der Gänseexperte: „Unser Vorgehen berücksichtigt die Anforderungen des Natur- und Tierschutzes – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Schonzeit und der beginnenden Brutphase – ebenso wie den Schutz der Besucher, Pflanzungen und öffentlichen Investitionen. Deshalb setzen wir auf verhältnismäßige, fachlich abgestimmte und konsequente Lenkungsmaßnahmen.“