Zu wenig Personal im Grünflächenamt: Projekt Spielplatzpaten am Ende?

Neuss · Noch vor einem Jahr suchte die Stadt händeringend nach Spielplatzpaten. Heute hat sich das Blatt gewendet. Eine Überprüfung der Verwaltung hat ergeben, dass es nicht genug Personal gibt, um die Ehrenamtler zu betreuen.

 Schulleiter Siegfried Knaul würde den Wegfall der Spielplatzpaten bedauern.

Schulleiter Siegfried Knaul würde den Wegfall der Spielplatzpaten bedauern.

Foto: Foto: Violetta Buciak

Das Aus für die Spielplatzpaten?

Das Prinzip ist einfach und — so war zumindest der Plan — effektiv. Privatpersonen melden sich bei der Stadt und stellen sich zur Verfügung, ein Auge auf einen städtischen Spielplatz ihrer Wahl zu haben. Stellen sie Mängel fest, melden sie sich beim jeweiligen Ansprechpartner und die Schäden werden schnellstmöglich behoben. Ein Modell, das die Stadt so eigentlich entlasten sollte.

Jetzt scheint genau der umgekehrte Fall eingetreten zu sein. Im Unterausschuss für Kinder machte Jugendamtsleiter Markus Hübner deutlich, dass das Konzept viel "Energie des Personals" binde. Eine Aussage, die auf Unverständnis bei der Politik stößt. "Ich bin selbst Spielplatzpatin und halte den personellen Aufwand für gering. Es kostete gerade mal einen Anruf beim zuständigen Amt, um mich anzumelden und dann noch wenige weitere, um Mängel zu melden. Dafür konnte sich das Amt jeweils einen Gang sparen", findet CDU-Ratsfrau Stephanie Wellens.

Und auch Siegfried Knaul, Schulleiter der Schule am Nordpark würde den Wegfall des Konzepts bedauern. Seit 2009 sorgt eine Gruppe von mehreren Schülern, dafür, dass der nahegelegene Spielplatz am Kivitzbusch in Schuss bleibt. Die Patenschaft teilt die Schule sich mit dem Initiativkreis Nordstadt. "Die Schüler haben Freude daran, kommen ein mal in der Woche mit Bollerwagen und Müllzangen angerückt und treten ihren Dienst an. Für die Förderschüler sind gerade solche einfachen Aufgaben ideal", erklärt Knaul. Kontakte mit einem städtischen Amt habe er dabei nie. Die Aufgaben werden vollkommen selbstständig ausgeübt.

Aber so unkompliziert laufe es eben nicht immer ab. Frank Lammerz vom Grünflächenamt betont: "Die Bedürfnisse der Paten sind vielfältig. Manche wollen einfach auch wertgeschätzt werden — das sind dann durchaus pädagogische Kompetenzen, die wir mitbringen müssen. Hinzu kommen ständig Hinweise, für die mitunter nicht wir, sondern beispielsweise die AWL verantwortlich ist. Dann wurde noch die Mängel-App eingeführt — da kommt man kaum noch hinterher. Von 100 fehlenden Arbeitskräften im Grünflächenamt wurden gerade mal zehn eingestellt und dann wird von uns erwartet, dass wir klar kommen. Da gibt es Defizite ohne Ende." Das Problem: Bis 2010 war noch das Jugendamt für die Betreuung der Spielplatzpaten zuständig. Nach dem Wegfall des Kinderbüros wurde die Aufgabe an das Grünflächenamt übergeben. Es wurden keine Stellenanteile für diesen Part zur Verfügung gestellt. Dennoch will sich die Politik mit dieser Situation nicht zufriedengeben und weiter an dem Konzept festhalten. Momentan gibt es laut Stadtsprecher Peter Fischer gerade einmal 28 bestehende Spielplatzspaten. Dem stehen über 170 Kinderspielplätze im Neusser Stadtgebiet gegenüber. Deshalb hatte die Politik die Verwaltung im vergangenen Jahr beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, mit der noch mehr Ehrenamtler mobilisiert werden sollten.

Jetzt gehen die Entscheidungsträger einen Schritt zurück. Die Verwaltung wird beauftragt, bis zum Jugendhilfeausschuss am 9. November darzustellen, wo und wie verlässliche Ansprechpartner für Werbung und Pflege der Spielplatzpatenschaften gefunden werden kann oder wie mit anderen Mitteln die Bespielbarkeit der Spielplätze sichergestellt werden kann. Und was ist mit den bestehenden Patenschaften? "Die sollen auch zukünftig fortgeführt werden. Eine Beendigung der Spielplatzpatenschaften seitens der Stadt Neuss ist nicht geplant", so Fischer.

(Kurier-Verlag)