1. Kaarst

Coronakrise: Sänger aus Neuss und Kaarst geben Balkon-Konzerte

Schöne Abwechslung vom Alltag in der Coronakrise : Getrennt und doch zusammen: Sänger erfreuen Nachbarn mit Balkon-Konzerten

Wenn Lieder von Abba und Louis Armstrong oder Musicalhits wie „Der ewige Kreis“ von Elton John auf Kaarster und Neusser Straßen zu hören sind, ist es wieder so weit: Die Balkon-Konzerte haben begonnen. In Zeiten des Veranstaltungsverbots und der Kontaktsperre bieten drei Freunde, die im Musicalensemble der Musikschule Kaarst Mark Koll aktiv sind, eine schöne Abwechslung vom recht eintönigen Alltag in der Coronakrise.

Die Idee zu den Konzerten hatte Ralf Schüller, der im Kaarster Blumenviertel wohnt: „Ich singe sehr viel in verschiedenen Projekten und das liegt nun seit vier Wochen auf Eis. Und dann habe ich gedacht, ich probiere das einfach mal ­– ob ich jetzt im stillen Kämmerlein für mich singe oder einmal riskiere, den Unmut der Nachbarn auf mich zu ziehen.“ Angefangen hat er mit ein paar Songs aus seinem Repertoire, leicht melancholisch, die zurzeit sehr passend sind, wie er findet. „Beim ersten Konzert waren einige überrascht. Das kam aber bei den Nachbarn durchaus positiv an. Beim zweiten Konzert waren dann auch schon viel mehr Menschen draußen, um zuzuhören“, freut sich Schüller der hauptberuflich im Vertrieb und Außendienst einer Spedition arbeitet.

Auch bei Facebook, wo er seine Konzerte per Livestream überträgt (einfach nach Ralf Schüller suchen), war das Feedback überragend. Und so stand schnell fest, dass er nun öfter mit Verstärker und Mikrofon auf seinem Balkon performen wird. „Vielleicht schmeiße ich auch ein paar Liedblätter in die Briefkästen der Nachbarn, dass jeder auch mitsingen kann. Bei der Resonanz werde ich weitermachen, bis jemand sagt, es reicht“, lacht Schüller. Musikwünsche nimmt der Kaarster gerne entgegen, sogar von Freunden aus Italien und Spanien haben ihn schon welche erreicht.

Der Kaarster Christian Kauffmann arbeitet nebenberuflich als Sänger. Foto: Michael Ritters

Und durch seinen Erfolg konnte er mittlerweile auch zwei seiner Freunde überzeugen, ihren Nachbarn die Zeit mit ein wenig Musik zu versüßen. Christian Kauffmann, der schon auf vielen Stadtfesten und Karnevalssitzungen in der Region aufgetreten ist, erfreut die Menschen rund um den Tilsiter Weg in Kaarst mit seinem Gesang. Er wohnt in einem Hochhaus mit 63 Parteien, darunter viele Ältere, die aktuell in Selbstisolation leben. „Für die Damen und Herren war das eine absolute Abwechslung“, freut sich Kauffmann, „die haben sich fröhlich auf die Wiese gestellt, getanzt oder sich von Balkon zu Balkon zugewunken. Das war eine schöne Atmosphäre und am nächsten Tag ist mein Postfach übergequollen vor lauter Dankesbriefen.“

Sein Plan sei nun, jeden Freitag um 19 Uhr ein Konzert von 15 bis 20 Minuten zu geben. „Das läutet das Wochenende schön ein. Wenn Nachbarn auf mich zukommen, mache ich das aber auch gerne öfter“, so der Kaarster, „diese Balkon-Konzerte helfen mir, in Schwung zu bleiben und anderen gleichzeitig eine kleine Freude zu machen.“ Wer nicht in Hörweite wohnt, kann die Auftritte über den Livestream auf der Facebookseite „Chris Kauffmann“ verfolgen.

Auch Iris Porsche aus dem Neusser Stadionviertel hat sich von Ralf Schüllers Enthusiasmus anstecken lassen: „Wir haben ein Gesangsquartett zusammen. An dem Abend meines ersten Balkon-Konzerts war eigentlich eine Probe angesetzt und die ist wegen Krankheit ausgefallen. Da meinte er dann, dass ich doch ein Konzert geben könnte. Das war alles recht spontan.“ Das Lampenfieber sei dabei viel schlimmer als bei anderen Auftritten gewesen, schließlich sei das Ganze viel persönlicher, als vor Fremden aufzutreten. Doch die Aufregung war unbegründet: „Das Feedback der Nachbarn war unglaublich, sie kamen alle aus ihren Häusern, natürlich brav zwei Meter voneinander entfernt. Das war ein sehr schöner Moment.“

Vor dem ersten Auftritt auf ihrem Balkon hatte Iris Porsche Lampenfieber. Foto: Markus Herring

Hinterher seien noch viele Gespräche über den Gartenzaun hinweg zustande gekommen. Feste Zeiten plant die Erzieherin für ihre Konzerte nicht ein. Sie kündigt sie aber auf ihrer Facebookseite, wo es auch immer einen Livestream gibt, an. Die drei Freunde würden sich wünschen, dass noch viele weitere Sänger und Musiker Balkon-Konzerte geben und so ihren Mitmenschen eine Freude bereiten.