Grünflächenärger: Kaarster sind sauer über radikalen Heckenrückschnitt

Anwohner: „Seitdem ist es hässlich, laut und die Stickoxidbelastung ist hoch!“ : Grünflächenärger: Kaarster sind sauer über einen radikalen Heckenrückschnitt

Als Miran Merkus Anfang Januar sein Haus verließ, traute er seinen Augen nicht: Eine über 200 Meter lange Hecke, knapp 2,20 Meter hoch, wurde auf wenige Zentimeter Höhe zurückgeschnitten. „Um die Hecke haben wir Anwohner uns gekümmert. Seit 35 Jahren steht sie hier, jetzt ist sie nur noch zehn Zentimeter hoch“, ärgern sich Merkus und seine Nachbarn. Und nicht nur für die Optik sei die Aktion ein Problem...

Miran Merkus, Klaus Heske und ihre Nachbarn von der Büdericher Straße sind sauer: Anfang Januar wurde die Hecke radikal beschnitten, die ihre Häuser von einem kahlen „Grünstreifen“ und der Autobahn 52 trennte. „Seitdem sieht es nicht nur hässlich aus, es ist auch viel lauter geworden und die Stickoxidbelastung ist höher“, so der Kaarster. Die Begründung sei gewesen, dass sich die Müllabfuhr und die Kehrwagen die Scheiben zerkratzen würden, erklärt Merkus, der die Arbeiter beim Stutzen der Hecke angesprochen hat. Klaus Heske bemerkt verärgert: „Auf der Titelseite des Extra-Tipps vom 4. Januar wurden die Kaarster dazu aufgerufen, auf die heimischen Vögel zu achten. Die Bürgermeisterin und die Stadt geben den Vögeln mit solchen Aktionen den Todesstoß!“ Die Anwohner, die selbst teilweise SUVs fahren, sind sicher: Es war auch vor dem Rückschnitt ausreichend Platz, auch für große Fahrzeuge.

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung Kaarst berichtet Pressesprecher Peter Böttner; „Vielleicht bietet die Hecke gerade keinen schönen Anblick, aber sie wurde ja schon extra im Winter gestutzt. Mit Sicherheit nisten einige Vogelarten dort, aber aktuell ist keine Brutzeit.“ Die Hecke sei recht voluminös gewesen und aus diesem Grund zurückgeschnitten worden. „Sie wird wieder wachsen und sie wird auch wieder grün“, versichert Böttner. Ein einseitiges Beschneiden wie es an anderen Stellen schon mal zu sehen ist, sei hier nicht möglich gewesen. „Die Hecke hätte auf der anderen Seite Überlast gehabt und wäre umgekippt“, erklärt er. Es handele sich dabei übrigens um städtisches Grün. „Wenn die Fachverwaltung sagt, dass die Hecke zu beschneiden ist, dann ist das so. Die Möglichkeit der Fahrtauglichkeit muss gegeben sein“, so der Pressesprecher. Natürlich sei die Straße auch über eine andere Einfahrt befahrbar, aber „wir wollen unbedingt vermeiden, dass Müllwagen rückwärts fahren müssen“.

Vorher: So sah die Hecke aus, wenn sie geblüht hat. Foto: privat

Jetzt werde die Hecke erst einmal wieder wachsen gelassen. Das Zurückschneiden hat allerdings ein weiteres Sorgenkind der Anwohner deutlich hervortreten lassen: den kleinen „Grünstreifen“, der zwischen Hecke und Autobahn liegt. „Nachdem die Bäume abgeholzt und nachgepflanzt wurden, weil sie krank waren, kümmert man sich jetzt wieder nicht darum. Das viele Unkraut erstickt sie und sie gehen wieder ein!“, meint Merkus.

Nachher: Die Hecke wurde radikal zurückgeschnitten. Foto: Kurier Verlag GmbH/Hanna Loll

Aus dem Kaarster Rathaus heißt es dazu: „Zweimal im Jahr wird sich um die Fläche gekümmert, so wie bei den vergleichbaren Flächen in Kaarst auch. Alles andere wäre nicht wirtschaftlich.“

Ein Schreiben aus dem Bürgermeisterbüro sicherte Merkus inzwischen übrigens ein Entgegenkommen bei der Heckenbeschneidung zu.