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Stadt-Chefin Helga Koenemann „Warum ich Politik mache“

Stadt-Chefin Helga Koenemann „Warum ich Politik mache“

Sie kommt gerne in die Redaktionsstube des Stadt-Kuriers. Hier geht es dann meist fröhlich zu — trotz aller Krisen in der Welt. Helga Koenemann lässt sich von niemandem die Lebensfreude verderben. Von Terroristen nicht und von Journalisten schon gar nicht.

Die Anwältin ist Mehrheitsführerin einer bunten "Koalition" aus CDU, Grünen und FDP. Sogar die Linken stimmen manchmal mit ihr. Sie kann überzeugen. Die Leverkusenerin ist der mächtigste Neusser Politiker.

So richtig rechtskonservativ wie ein Dregger oder ein Strauß war sie nie. Als Studentin hat sie sich gesellschaftlich engagiert, kämpfte damals schon für Gleichberechtigung. Dann kam sie irgendwann ins hillije Nüss. Da, wo alle zur Kirche rennen. Auch ihre Eltern waren fromm. Sie arbeitet ganz nah in der Neusser Machtzentrale im Rathaus. Franz Josef hat sie beeindruckt. Nicht Strauß aus Bayern, der auch häufiger in Neuss zu hören war und vom heutigen Grünen-Fraktionschef Michael Klinkicht umjubelt wurde.

Nein, Franz Josef Schmitt hat sie geprägt. Der Schwiegervater von Cornel Hüsch war damals Stadt-Chef. Als Stadtdirektor. Mächtige Bürgermeister, die eine Verwaltung führen, sah das von den Alliierten geprägte Kommunalrecht damals noch nicht vor. "So wie Schmitt die Probleme angegangen ist und für die Menschen gearbeitet und Lösungen gefunden hat, das hat mich überzeugt." Wegen der Schmitt-Hüsch-Familie ist sie damals in die CDU eingetreten. Heute ist Koenemann als Fraktionschefin Gestalterin, gibt oft den Ton vor. Von Macht will sie nicht sprechen, das sei das falsche Wort.

Fakt ist, dass Bürgermeister Breuer schon einige Niederlagen einfahren musste, weil die schwarz-grüne Koalition überlegen war. Erst im Hauptausschuss musste er die Sitzung vorzeitig beenden, nachdem die Fraktionen um Koenemann und Klinkicht einvernehmlich ausgezogen sind — der Ausschuss war damit beschlussunfähig (der Stadt-Kurier berichtete). Koenemanns Kritik: "Wir haben zu wenige Antworten von der Verwaltung bekommen — und es waren noch viele Fragen offen."

Generell habe sich die Informationspolitik seit dem Bürgermeister-Wechsel verschlechtert, Anfragen laufen nur noch über Breuers Schreibtisch. "Es ginge schneller, wenn wir mit den Beigeordneten persönlich sprechen könnten. Es entstehen ja auch oft Rückfragen, die so problemlos geklärt werden könnten", weiß die Fraktionschefin. "Dennoch sollten wir die ersten 100 Amtstage abwarten. Der Bürgermeister braucht ja noch Zeit, um in sein Amt zu finden", so Koenemann verständnisvoll. Und die Ausgangslage sei für Breuer denkbar schwierig. Besonders die Flüchtlingsunterbringung stelle die Stadt vor kaum lösbare Herausforderungen. Daneben weiß Koenemann als Familienanwältin genau: "Die Not bei den Bürgern hier ist groß!"

(Kurier-Verlag)