Engagement in Kaarst und Neuss: Warum Ehrenamt immer wichtiger wird

Im Ehrenamt arbeiten die heimlichen Helden ihrer Region. Das ist auch notwendig, denn viele Prozesse würden zweifellos zum Erliegen kommen, gäbe es nicht Menschen, die sich in ihrer Freizeit genau dafür einsetzen.

Das Ehrenamt genießt in Deutschland eine entsprechend wichtige Stellung: Laut Bundesregierung beteiligten sich im Jahr 2024 deutschlandweit 36,7 % aller Menschen ab 14 Jahren an Ehrenämtern. Noch besser sieht es in NRW und im Kaarst/Neuss-Kreis aus, wo laut dem Ehrenamtatlas rund jeder Zweite im Ehrenamt aktiv ist.

Freiwillige im Ehrenamt nehmen ihre Tätigkeit als sinnstiftend wahr, nutzen ehrenamtliche Stellen, um neue Leute kennenzulernen, treiben damit ihre persönliche Entwicklung voran und unterstützen Nachbarschaften und Gemeinden, wo es nötig ist. So sieht praktisch vorgelebte soziale Integration und gesellschaftliche Teilhabe aus: Beides kennt kein Mindest- oder Höchstalter.

Wer engagiert sich? Die Menschen hinter dem Ehrenamt

Das Ehrenamt ist auch ein Querschnitt der Gesellschaft. Entsprechend werden verschiedene Interessen und Leidenschaften verfolgt, Menschen unterschiedlichen Alters kommen zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen – unabhängig von ihrem persönlichen Bildungsweg, ihrem sozioökonomischen Status oder dem Beruf.

Jugendliche & junge Erwachsene. Rund zwei Drittel der Menschen in der Alterskohorte 14 bis 28 engagieren sich ehrenamtlich. Populär sind vor allem Bereiche wie Kultur, Schule, Sport, Jugendhilfe und Integration. Viele der jungen Menschen verstehen ihr Ehrenamt auch als eine Orientierungshilfe oder wollen bewusst früh Verantwortung übernehmen. Speziell Studenten nutzen Ehrenämter oft, um in einer neuen Stadt neue Leute kennenzulernen.

Berufstätige. Neben einer 40-Stunden-Woche noch ehrenamtlich tätig zu sein, das ist nicht zwingend für jeden etwas und garantiert keine leichte Aufgabe. Entscheidend für viele Berufstätige ist aber weniger die investierte Zeit, sondern vielmehr, was sie dafür erhalten: einen neuen, weiteren Sinn, einen zusätzlichen Ausgleich und ein Teamgefühl, das in dieser Form vielleicht am Arbeitsplatz selbst nicht besteht. Auch für Berufstätige sind Ehrenämter in Vereinen und Initiativen eine gute Möglichkeit, Bekanntschaften zu knüpfen – was nach der Schul- und Uni-Zeit bekanntlich besonders schwer ist.

Seniorinnen & Senioren. Mit dem Alter kommt die Erfahrung: In nicht wenigen Senioren reift zugleich der Wunsch, ihr Know-how und ihre Erfahrung mit anderen zu teilen, ohne dafür weiter im klassischen Sinn arbeiten zu müssen. So füllen ältere Menschen nicht nur ihren Tag und die neu gewonnene Freizeit aus, sondern erhalten auch die Möglichkeit, sich selbst fit und aktiv zu halten.

Familien- & Mehrgenerationen-Engagement. Teilweise sind es sogar ganze Familien, die gemeinsam eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Praktisch ist das allemal, denn so entsteht eine gute Gelegenheit, um wieder einmal gemeinsam Zeit zu verbringen und etwas zu bewegen.

Wo wird Hilfe gebraucht? Ein Blick auf die Organisationslandschaft

In der Region Kaarst und Neuss wird immer irgendwo Hilfe benötigt. Menschen, die sich selbst ehrenamtlich engagieren möchten, finden garantiert die eine oder andere Anlaufstelle, die sich mit den persönlichen Vorstellungen und Interessen vereinen lässt. Praktisch: Als kleines Dankeschön für ihr Engagement erhalten Freiwillige eine Ehrenamtskarte, so auch von der Stadt Kaarst beispielsweise.

Soziale & karikative Initiativen

In diese Bereiche fallen unter anderem die Integrations- und Flüchtlingshilfe, die Betreuung von Senioren, unkomplizierte Nachbarschaftshilfe, Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie die allgemeine Unterstützung von Bedürftigen. So bekommen die Menschen Hilfe, die dringend darauf angewiesen sind. Speziell in Deutschland geht es in diesem Bereich nicht ohne Ehrenamt.

Sportvereine

Wer sich gern sportlich betätigt, am liebsten natürlich mit anderen Menschen, kann auch Sportvereine ansteuern. Viele Vereine benötigen immer Hilfe, zum Beispiel in der Jugendbetreuung oder für kindergerechte Trainingseinheiten. Ehrenämter im sportlichen und aktiven Bereich sind traditionell sehr stark nachgefragt.

Kultur & Brauchtum

Musik, Konzerte, Theater, das Schauspiel, Brauchtums- und Heimatpflege oder im Chor: Kulturelle Projekte schaffen Mehrwert, verbinden Menschen und können im positiven Sinn bleibende Spuren hinterlassen. Für Fans des Schauspiels, der bildenden Künste und/oder der Musik sind Kultur-Ehrenämter aus offensichtlichem Grund mehr als eine Überlegung wert.

Rettungsdienste & Sicherheitsstrukturen

Die Freiwillige Feuerwehr in der Kaarst-/Neuss-Region begrüßt helfende Hände ebenso wie lokale Hilfsorganisationen und Rettungsdienste. Sehr positiv: Eine Studie aus dem Frühjahr 2025 zeigt, dass das ehrenamtliche Engagement im Zivil- und Katastrophenschutz nach wie vor sehr hoch ist – 1,76 Millionen Deutsche engagieren sich. Auf der anderen Seite: Es gibt auch immer mehr Einsätze, die Hilfe ist also dringend notwendig.

Stadtfeste & kommunale Aktionen

Feste, Gemeindeaktionen, Märkte in Kaarst und Neuss: Gibt es etwas zu feiern, muss das erst einmal organisiert und später aufgebaut werden. Sich hier zu engagieren bedeutet auch, seinen eigenen Nachbarn die Möglichkeit zu geben, an einem Abend oder Tag den Alltag etwas hinter sich zu lassen.

Herausforderungen des Ehrenamts

Zeitmangel: Zwischen Beruf, Familienleben, Alltag und schlicht der nötigen Freizeit bleibt oft wenig oder eben gar keine Zeit für ein Ehrenamt.

Nachwuchsgewinnung: Junge Menschen engagieren sich zwar oft, möchten sich aus verständlichen Gründen aber nur selten lange binden.

Bürokratie: Selbst Vereine und Initiativen sind mit den in Deutschland typisch hohen Hürden der Bürokratie konfrontiert. Das kostet Zeit und bindet Personal.

Ressourcenknappheit: Finanzielle Mittel fehlen traditionell oft, aber auch geeignete Räume oder Strukturen sind nicht immer vorhanden.

Motivation: Ein Ehrenamt soll natürlich nicht im Burn-out münden. Es muss motivationssteigernde Anreize geben, anderenfalls wird ein Ehrenamt zur Belastung und dann ziehen sich Menschen aus nachvollziehbaren Gründen zurück.

Lösungen & positive Entwicklungen im Ehrenamt

Auf diese Herausforderungen wird vielerorts bereits reagiert. Natürlich auch in NRW, wo ehrenamtlich tätige Personen im Jahr 2024 im Durchschnitt 208 Stunden pro Jahr in dieses Ehrenamt investierten.

Flexible Engagementmodelle, wie Micro-Volunteering oder nur kurze, projektspezifische Einsätze, können vor allem Neu-Ehrenämtler anziehen, ohne diese durch eine zu starre und langfristige Bindung abzuschrecken. Vereine, Schulen und Kommunen arbeiten in Kaarst und Neuss schon heute eng miteinander zusammen, um Eintrittsbarrieren möglichst niedrig zu halten. Eine allgemeine Professionalisierung findet ebenso statt: Viele setzen mittlerweile auf digitale Organisationstools für strukturierte Abläufe und zentrale Zuständigkeiten. Bei öffentlichen Auftritten bzw. Einsätzen treten Ehrenamtler durch einheitlich bedruckte Kleidung geschlossen auf. Ehrenamtliche Arbeit wird dadurch im öffentlichen Raum auch sichtbarer für Außenstehende. Aktionen sowie die Ehrenamtskarten setzen indes ein Signal für die Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit.

Wie sieht das Ehrenamt von morgen aus?

Künftig wird sich auch im Ehrenamt viel tun: Die Digitalisierung kann etablierte Strukturen effizienter und kostengünstiger werden lassen. Durch den demografischen Wandel gibt es in den nächsten Jahrzehnten mitunter mehr Rentner, die sich im Ruhestand noch ehrenamtlich betätigen möchten. Zugleich engagieren sich immer mehr Menschen, vor allem in Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung: Um sich in ihrem eigenen regionalen Mikrokosmos einzubringen, die lokale Identität mitzuprägen und um im Ernstfall, bei Krisen und Ereignissen, präsent zu sein.