1. Neuss

„Es gibt keinen Alltag mehr“: Gesundheits- und Krisenmanager: Apotheken vor Ort in Corona-Zeiten

„Es gibt keinen Alltag mehr“ : Gesundheits- und Krisenmanager: Apotheken vor Ort in Corona-Zeiten

Das Coronavirus schränkt das normale Leben immer mehr ein – es gilt ein Kontaktverbot und Geschäfte müssen schließen. Jetzt in der Krisenzeit achten viele besonders auf ihre Gesundheit und suchen ihre Apotheker vor Ort auf, die nun zu Gesundheits- und Krisenmanagern werden.

„In den Apotheken gibt es keinen Alltag mehr. Die Anzahl der telefonischen Nachfragen ist extrem gestiegen“, erklärt Christoph Napp-Saarbourg, Pressesprecher der Apotheker im Rhein-Kreis Neuss, die aktuelle Lage, „den Selbstschutz gilt es zu organisieren. Zudem erreicht uns eine Vielzahl von Informationen, die gelesen und bewertet werden müssen.“ Um die Sicherheit für Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten, habe die Bundesapothekerkammer zum Beispiel Empfehlungen unter dem Titel „Tätigkeiten während einer Covid-19-Pandemie“ herausgegeben. Diese reichen von Hygienemaßnahmen bis hin zu Empfehlungen im Rahmen des Botendienstes. Außerdem habe AG KATPHARM eine umfangreiche Checkliste zur Verfügung gestellt, anhand derer die Apotheke die eigenen Organisationsstrukturen überprüfen könne.

Die Botendienste sind besonders für Risikopatienten, Verdachtsfälle und Menschen in häuslicher Quarantäne wichtig, weiß Apothekerin Margarita Terjung von der Behring Apotheke: „Unsere Kunden sind sehr erleichtert über den Lieferservice vieler Vor-Ort-Apotheken und nehmen diesen gerne in Anspruch. Uns ist die Sicherheit der Kranken, aber auch unserer Mitarbeiter, sehr wichtig.“ Mittlerweile sei sogar eine kontaktlose Lieferung möglich, bei der der Patient nach Anmeldung des Botens sein Rezept von außen an die Tür hefte und der Bote die Bestellung vor der Tür ablege. Um sicher zu sein, dass wichtige Fragen, etwa zur richtigen Anwendung, beantwortet werden, berate ein Apotheker die Patienten dann per Telefon.

Und die Nachfrage nach Arzneimitteln sei derzeit hoch. „Die Menschen versorgen sich mit ihren Dauermedikationen. Aber auch Mittel, die in jede Hausapotheke gehören, werden vermehrt nachgefragt. Dazu gehört zum Beispiel die deutlich gestiegene Nachfrage nach Fieberthermometern“, so Napp-Saarbourg. Hamsterkäufe wie in den Drogeriemärkten gebe es nicht und laut Apothekerkammer Nordrhein sei das auch nicht nötig, denn die Apotheken haben sich gut vorbereitet und die Lagerbestände erhöht.

Apothekerin Margarita Terjung verweis auf die Möglichkeit des Lieferservices. Foto: privat

Nichtsdestotrotz komme es durch die Krise zu erheblichen Lieferengpässen seitens der Industrie – unabhängig von Masken und Desinfektionsmitteln –, erklärt der Pressesprecher der Apotheker: „Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel, welches wir seit Beginn der Krise selber herstellen, und Masken hält unvermindert an. Seit Veilchen-Dienstag ist das unser Hauptthema. Und viele Präparate waren schon vor der Krise im Verzug (circa 250 Artikel). Nun ist die Zahl deutlich angestiegen.“ So seien beispielsweise Paracetamol-Saft für Kinder oder der Impfstoff Pneumovaxx 23 nicht zu bekommen.

Hinsichtlich der von der NRW-Landesregierung erlassenen Möglichkeit, auch sonntags zu öffnen, weisen die Apotheker im Rhein-Kreis Neuss darauf hin, dass Apotheken davon nur vereinzelt Gebrauch machen werden, da durch den Notdienst immer genügend Apotheken rund um die Uhr geöffnet haben. „In der Krisenzeit werden die Öffnungszeiten eher dort wo möglich eingeschränkt werden müssen, um das Fachpersonal in Anbetracht der enormen Kunden- und Patientenfrequenz zu schützen und zu schonen“, erläutert Apotheker Christoph Napp-Saarbourg.

Doch selbstverständlich stehen die Apotheken auch in der Zeit der Corona-Krise an der Seite der Menschen. „Gemeinsam werden wir diese Pandemie bald überstehen“, ist sich auch Terjung sicher. Daniela Furth