1. Neuss

Kurt I. Koenemann: So geht der Neusser Schützenkönig mit der Absage um

Schützenkönig Kurt I. Koenemann : So geht der Zwei-Jahres-König mit der Absage um

Für Kurt I. Koenemann keine Frage: Er macht weiter und wird damit – wie viele andere seiner „Kollegen“ in den Ortsteilen – zum Zwei-Jahres-König.

Wie war seine Reaktion, als er zum ersten Mal von der Schützenfest-Absage gehört hat? „Ich stehe voll hinter dieser Entscheidung. Gesundheit geht vor, da gibt es keine großartigen Diskussionen“, macht Koenemann deutlich, dass der Neusser Bürger-Schützen-Verein die Absage schnell akzeptierte und jetzt auf ein tolles Fest 2021 hofft. Und dann natürlich mit Kurt I. als Seine Majestät. „Ich musste nicht überlegen, ob ich weitermache. Wir hatten gerade erst richtig Fahrt aufgenommen – und dann war plötzlich Schluss.“ Jetzt hofft er auf einen wirksamen Impfstoff, „dann feiern wir halt ein Jahr später“.

Dennoch blickt er mit etwas Wehmut auf dieses Wochenende, wobei diese bereits früher eingesetzt hat: „Ich habe meinen Königsehrenabend vermisst, habe mich stattdessen mit Präsident, Schützenmeister und meinen Zugkameraden getroffen“, so der Ehrenadjutant der Schützenlust, der im „normalen Schützenleben“ bei den „Oberjä(h)rigen“ mitmarschiert. Und jetzt würde der morgige „glamouröse Sonntag“ folgen, aber auch der Dienstag als Abschluss mit der Weitergabe der Insignien an den neuen Schützenkönig. „Es ist schon komisch, dass das schöne Spiel so jäh unterbrochen wurde“, sagt Koenemann. Große Vorbereitungen im privaten Rahmen hat es glücklicherweise nicht gegeben: „Meine Frau Beate und ich waren bereits vor dem Schützenfest 2019 mit dem Reitersiegerpaar Volker und Ulrike Schmidtke beim Tanzkurs“, so Seine Majestät, „und natürlich hat meine Frau bereits das ein oder andere Kleid gekauft – aber die kann man auch im kommenden Jahr tragen.“

Apropos tanzen: Kurt Koenemann hätte an diesem Wochenende auf keinen Fall das Tanzbein schwingen können, auch langes Stehen oder gar Sitzen fällt ihm schwer. Am Dienstag hatte er einen Unfall mit dem Fahrrad, lag einige Tage im Krankenhaus. Jetzt wünschen ihm alle Schützen eine schnelle Genesung.

In diesem Jahr wird Kurt Koenemann in Zivil zu sehen sein, die Uniform bleibt im Schrank hängen. Foto: www.mangual.de

Die Absage des Schützenfestes hat natürlich alle Brauchtumsfreunde hart getroffen. Aber aus der Krise kann man auch lernen, wie Koenemann weiß: „Die Gesellschaft ist noch mehr zusammengewachsen. Die Entschleunigung hat vielen gut getan. Zudem gab es eine enorme Hilfsbereitschaft.“ Hier zeigen auch die Schützen enormes Engagement.

Auch Koenemann selbst bekleidet das ganze Jahr über ein besonderes Ehrenamt: Der Polizeibeamte im Ruhestand ist Stadtbeauftragter der Malteser Neuss. Als Schützenkönig bricht er immer wieder eine Lanze für seine Kollegen der Hilfsorganisationen und Rettungsdienste. „Der Respekt vor den Rettungskräften hat nachgelassen, eine Verrohung der Gesellschaft ist zu erkennen“, ist er entsetzt über vermehrte Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. „Da kämpft zum Beispiel ein Malteser bei seinem Einsatz um ein Menschenleben und wird dann angegriffen. Dafür gibt es keine Erklärung! Zumal dieser Angriff die Rettungskraft zu einem Fehler verleiten könnte, der schließlich ein Leben kosten könnte...“ Und so wird Koenemann das weitere Jahr nutzen, um sich für mehr Respekt in unserer Gesellschaft stark zu machen.

Und am Ende des Regentschaftsjahres steht – hoffentlich – ein ganz besonderes Event: 2021 will er „mit allen Menschen gemeinsam ein wunderschönes Fest feiern!“