Barbara Stratmann, Künstlerin aus der Nordstadt

Barbara Stratmann, Künstlerin aus der Nordstadt, holt sich ihre Inspiration aus der Natur : Barbara Stratmann: Eine Perfektionistin überlistet sich selbst

Barbara Stratmann, Künstlerin aus der Nordstadt, holt sich ihre Inspiration aus der Natur, hegt eine Vorliebe für klare Pläne, lässt sich aber während ihres kreativen Schaffens oftmals auf einen nicht vorhersehbaren Entstehungsprozess ein.

Die Ergebnisse dieser ungewöhnlichen Mischung aus Perfektionismus und kalkuliertem Chaos durfte die 48-Jährige bereits in Madrid und Wien zeigen. „Aber ich würde furchtbar gern hier in der Region ausstellen“, wartet sie sehnsüchtig auf das Ende der Corona-Pandemie.

„Ich liebe erdige, rostige, ruhige Farbtöne“, erzählt Barbara Stratmann. Und auch das Material, das sie für ihre Kunstwerke verwendet, wirkt wie von der Natur geschaffen – zumindest nach deren Bearbeitung. Sie verwendet hauptsächlich Acrylfarben und -tinten, trägt verschiedene Spachtelmassen auf, vermischt diese mit Steinmehlen und nutzt auch Medien wie Karton, Sand, gemahlenen Kaffee oder Sägemehl. Dies bringt sie auf die Leinwand, nachdem sie zuvor eine Skizze angefertigt hat. Und so zeigen sich die Bilder deutlich strukturiert, eingeteilt in klar abgegrenzte Felder. Doch was in eben diesen Feldern geschieht, ist oftmals nicht vorsehsehbar. „Ich experimentiere viel mit Rost und Marmormehl, auch weil der Rostprozess oder der Prozess des Trocknens und der Rissbildung der Marmormehlpaste nicht wirklich kontrollierbar oder vorhersehbar sind, was meinen Bildern ein überraschendes Element hinzufügt“, so Stratmann. „Ich habe diese ungeplanten Elemente in meiner Arbeit sehr schätzen gelernt – obwohl ich im Allgemeinen eher Perfektionistin und sehr genau bin. Ich habe eigentlich gern alles unter Kontrolle. Für mich ist die Malerei also sogar eine gute Übung im Loslassen. Ich überliste mich praktisch selbst“, schmunzelt die Künstlerin, von Beruf Assistentin bei einem schwedischen Telekommunikations-Unternehmen.

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Die Ergebnisse dieser „Überlistungs-Kunst“ vermitteln dem Betrachter meist ein Gefühl der Ruhe, sie „erden“ ihn, holen ein Stück Natur ins Wohnzimmer: „Es ist genau wie in der Natur selbst. Es gibt immer ein Gleichgewicht: Starrheit versus Flexibilität, Stärke versus Zerbrechlichkeit, Verfall versus Neuanfang – wenn man bereit ist, es geschehen zu lassen“, erklärt die Künstlerin den „Spagat“ zwischen dem Drang nach Perfektion und dem Akzeptieren, dass sich das Bild während des Trocknungsprozesses über Nacht verändert.

Zur Kunst kam Barbara Stratmann übrigens durch eine befreundete Neusser Künstlerin: Sylvia Schalley, Designerin für taktile Medien für blinde und sehbehinderte Menschen (https://www.sylviaschalleydesign.de/), hatte ihr vor rund zehn Jahren ein Bild geschenkt und damit ihre Neugier geweckt. „Ich habe mich gefragt, wie sie diese schönen Strukturen und Farbelemente geschaffen hat“, erinnert sich Stratmann. Es folgten VHS-Kurse bei Renate Linnemeier – der Beginn einer echten Leidenschaft: „Ich entdeckte, dass die Malerei tatsächlich ein emotionales Ventil und eine neue Art und Weise sein kann, mich auszudrücken – wie eine neue Sprache, die Emotion in Form, Textur und Farbe übersetzt. Als die emotionale Person, die ich bin, fand ich heraus, dass Malen nicht nur extrem anregend, Freude stiftend und entspannend sein kann, sondern dass es auch helfen kann, seelische Wunden zu heilen oder emotionale Kämpfe aufzulösen.“

Rolf Retzlaff

Wer neugierig auf Barbara Stratmanns Kunstwerke geworden ist, kann sie coronabedingt zwar leider nicht in ihrem kleinen Atelier auf der Neusser Furth besuchen, aber im Internet ist eine Auswahl ihrer Arbeiten zu sehen: www.barbarastratmann.art, www.instagram.com/barbarastratmann.art. Außerdem stellt sie einige Arbeiten in den Schaufenstern der Günter Linden GmbH auf der Friedrichstraße 5 sowie in der Ausstellung „Bei Anruf Kunst“ in der Pop-Up-Galerie des Vereins Kunst.Neuss in der Sebastianusstraße 4 aus.