Demo gegen Wildtierhaltung: Bürger und Animals United stellen Anträge

Demo gegen Wildtierhaltung : Bürger und Animals United stellen Anträge an die Stadt

Während im Hintergrund lustige Musik aus dem Zelt auf dem Südpark-Gelände schallt, halten Mitglieder des Vereins Animals United ihre Transparente den nahenden Besuchern entgegen: Mit Slogans wie „Kein Applaus für Tierquälerei“ demonstrierten sie am Wochenende vor dem Moskauer Circus für ein Wildtierverbot in Zirkussen. Jetzt liegen Bürgermeister Reiner Breuer entsprechende Bürgeranträge vor.

Neuss. Katrin Sulzmann aus Neuss ist eine der Unentwegten, die sich der Spontan-Demo angeschlossen hatten. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Tierrechtsor-ganisation Animals United. „Wir haben erst spät vom Gastspiel des Moskauer Circus in Neuss erfahren“, sagen Thorsten Baumgärtner und Tanja Schwichtenberg. Dennoch wollten sie ihrem Unmut Luft machen: Der Moskauer Circus wirbt mit drei Tigern in der Manege, auch Kamele sollen hier zu sehen sein. Für Achim Betticher, Vorstandsmitglied bei Animals United, nicht zu tolerieren: Er verweist auf einen Bürgerantrag, den der Verein stellen will. Im Sinne der Gefahrenabwehr wird hier ein Wildtierverbot für Zirkusbetriebe gefordert, die auf kommunalen Flächen der Stadt Neuss auftreten möchten und gefährliche Tiere mit sich führen. „Es kommt regelmäßig zu Ausbrüchen gefährlicher Tierarten aus Zirkusbetrieben“, so Betticher. So sei im vergangenen Jahr ein Ele-

fant beim Gastspiel von Circus Krone in Neuwied ausgebrochen. Betticher: „Das Tier gefährdet nicht nur Menschen, sondern auch sich selbst – und das für eineinhalb Stunden vermeintlichen Spaß.“

Zwar demonstrierten die Tierschützer in Neuss auch allgemein gegen eine nicht artgerechte Haltung der Wildtiere im Circus, der Antrag von Animals United konzentriert sich allerdings auf den Aspekt der Gefahrenabwehr, der bereits in anderen Städten zum geforderten Verbot geführt hatte.

Michael Wagner, Pressesprecher des Moskauer Circus, macht deutlich, dass alle Gehege regelmäßig geprüft werden würden. Zur artgerechten Tierhaltung verweist er auf eine „Politik des offenen Hauses. Wir bieten gerne Führungen an und gewähren einen Blick hinter die Kulissen.“ Zudem seien Zirkusse die „am meisten kontrollierten Tierbetriebe in Deutschland.“

Bei der Stadtverwaltung liegen aktuell zwei Bürgeranträge vor, die darauf abzielen, die Stadt möge künftig „Flächenvermietung“ an Zirkusse mit Wildtieren ablehnen. Zurzeit wird geprüft, ob sie auf die Tagesordnung des nächsten Ausschusses für Anregungen und Beschwerden gesetzt werden.

Bereits vor einigen Wochen wurde im Stadtrat ein Antrag, die Stadt möge beschließen, Zirkusbetrieben und anderen Wanderschaustellbetrieben, die Wildtiere mitführen, künftig keine städtischen Flächen zu vermieten, mehrheitlich abgelehnt. „Insofern wird die bisherige Praxis fortgeführt“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Bungert. Gleichwohl habe Bürgermeister Reiner Breuer Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Chef der Veterinärbehörde gebeten, exakt und penibel auf die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Bestimmungen zu achten.

Rolf Retzlaff

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