1. Neuss

"Digital Concerts" in Coronakrise: Konzerte auf einer digitalen Bühne

Konzerte auf einer digitalen Bühne : Bandmaster Peter Hosking vereint Musiker aus der ganzen Welt

Musik verbindet, das zeigt sich besonders in der aktuellen Corona-Krise. Zwar können Musiker, Musikvereine und -gruppen aufgrund der Bestimmungen nicht wie gewohnt gemeinsam proben oder auftreten, doch Peter Hosking, Bandmaster des Quirinus Band & Bugle Corps 2011 e.V., hat einen Weg gefunden, Konzerte im großen Rahmen möglich zu machen.

Durch Corona gibt es keine Veranstaltung mehr, wo man spielen kann. Und da habe ich gedacht, ich muss was tun“, erklärt Hosking. Im heimischen Keller nahm der Posaunist und Dirigent kurzerhand ein Stück auf, wobei er seine Stimme viermal einspielte. Das Ergebnis konnte sich hören lassen und die Arbeit, ein Stück einzuüben, aufzunehmen und zuzuschneiden, machte ihm obendrein so viel Spaß, dass die Idee zu „Digital Concerts #WirBleibenZuhause“ geboren wurde. Ende März gründete Hosking die Facebookgruppe, um Musikern – egal ob Anfänger oder Profi – endlich wieder eine Bühne bieten zu können.

Alles, was sie dafür tun müssen, ist ein Video von sich beim Spielen an Peter Hosking, der gelernter Multimediatechniker ist, zu schicken. „Wir machen ein Musikstück pro Woche von Sonntag bis Sonntag um 14 Uhr, da ich das alles zusammen schneiden muss. Sie alle können vorschlagen, was wir spielen, und wir stimmen alle ab“, heißt es in der Beschreibung der Gruppe. Aktuell üben die Musiker etwas aus „The Greatest Showman“, zuvor spielten sie „Bohemian Rhapsody“ von Queen ein.

Und die Idee der digitalen Konzerte kommt sehr gut an. „Wir haben mit 30 oder 40 Leuten angefangen, das klang sehr gut und alle waren begeistert. Mittlerweile sind wir fast 900 Leute in der Gruppe“, freut sich Hosking, „wenn Musiker alleine im Keller üben, ist das ziemlich langweilig. So haben sie das Gefühl, wieder ein Konzert zu spielen.“ Ein positiver Nebeneffekt für den Bandmaster: Er habe jede Menger Musiker kennengelernt und ein großes Netzwerk aufbauen können. Das geht sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus. Ein Musiker sitze beispielsweise in Australien, außerdem sei fast ein kompletter Musikverein aus England in der Gruppe aktiv.

Peter Hosking gibt bei den Konzerten den Takt vor. Foto: privat

Um der wachsenden Beliebtheit gerecht zu werden, steckt Hosking viel Arbeit in die Konzerte, die aktuell bis zu 130 Musiker umfassen. „Mehr passen nicht auf den Bildschirm“, lacht er, „das ist sehr aufwendig. Ich arbeite mit 130 Spuren und wenn man nur ein wenig verrutscht, ist das Stück nicht mehr synchron. Das ist die Herausforderung, aber macht echt Spaß.“ Daran beteiligt sich auch gerne seine Familie, so macht seine Tochter beispielsweise die Ansagen. Dafür hat er sich extra einen Greenscreen angeschafft, um den Anschein eines Konzertsaals zu erwecken. Der Erfolg von „Digital Concerts #WirBleibenZuhause“ blieb auch Facebook nicht verborgen. In mittlerweile zwei Werbefilmen des sozialen Netzwerks ist der Vollblutmusiker mit seiner Gruppe unter anderem im Fernsehen zu sehen.

So viel Spaß die Arbeit mit der Gruppe Hosking mache, freue er sich aber, wenn er endlich wieder mit dem Quirinus Band & Bugle Corps 2011 e.V., der auch neue Mitglieder suche, aktiv werden könne: „Der Ausfall der Schützenfeste und Shows ist schwierig für uns. Denn wir machen nicht nur Musik, wir marschieren auch. Mit 160 Schritten pro Minute sind wir schnell unterwegs. Aber wir können im Moment nichts tun, das ist schade.“ Bis der Bandmaster wieder mit seinen Musikerkollegen marschieren kann, wird es wohl noch dauern. Doch musikalisch sind viele gemeinsam in der Facebookgruppe aktiv. „Das lustige ist, ich gehe Ende Juli in Frühruhestand und ich habe jetzt glaube ich eine Beschäftigung gefunden, die ich im Ruhestand weitermachen werde“, lacht Hosking.