: „Schrankenkönig“ versammelt sein Volk – langes Warten am Eselspfad

: „Schrankenkönig“ versammelt sein Volk – langes Warten am Eselspfad

Eines sonnigen Abends am Bahnübergang Eselspfad/Maastrichter Straße: Seit 15 Minuten wartet eine bunte Schar von Spaziergängern und Radlern darauf, dass die Bahnschranke endlich den Weg freigibt. Doch es dauert, offenbar versammelt der „Schrankenkönig“ gerade dort sehr gerne sein Volk: Vor einigen Wochen wurde der neben den Schranken entlang führende Weg durch ein Drehkreuz dicht gemacht.

Neuss. Jetzt gibt es nur noch einen Weg, und der wird durch die Schranken versperrt. Wer Durchgang begehrt, muss an einer Rufsäule einen Signalhebel drücken – und wenn man Pech hat, folgt der Hinweis „Zug folgt!“. Der kann auch häufiger ertönen, was eine Wartezeit von bis zu 20 Minuten bedeuten kann. Abhilfe leistete bis vor kurzem das Drehkreuz neben der Schranke. Wenn kein Zug in Sicht war, konnten Fußgänger und Radfahrer hier über die Gleise gehen. Damit ist jetzt Schluss, ein Zaun verwehrt den Durchgang. „Hier gab es eine Auflage des Eisenbahnbundesamtes – unserer Aufsichts- und Genehmigungsbehörde – nach einer Vor-Ort-Begehung des Bahnübergangs. Bei dieser Begehung wurde festgestellt, dass diese Umlaufschranken an diesem Bahnübergang nicht mehr zu den aktuellen betrieblichen Gegebenheiten (Streckengeschwindigkeit, Sichtverhältnisse) passen“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Einen aktuellen Anlass habe es nicht gegeben. Aber ist es nicht wenigstens möglich, zwischen zwei Zügen die Bahnschranke zu öffnen und so die extrem langen Wartezeiten zu verkürzen? Der Bahnsprecher: „Aufgrund der Einbindung in die Stellwerkstechnik besitzt die Anlage entsprechende technisch bedingte Schließzeiten und kann daher, abhängig vom Bahnverkehr, nicht immer sofort nach Anforderung geöffnet werden. Weiterhin ist anzumerken, dass der Bediener dieser Anrufschranke gleichzeitig den Verkehr im Bahn-Knotenbereich Neuss steuert und daher im Einzelfall möglicherweise mit der Betriebsdurchführung ausgelastet sein kann, was dann zu längeren Wartezeiten an der Anrufschranke führen würde. Wir sind bemüht, besonders in den Stoßzeiten, Unterstützung zur Bedienung der Anrufschranke auf dem Stellwerk einzusetzen, können dies aber nicht vollumfänglich gewährleisten.“ Zudem verweist er darauf, dass es verboten ist, Bahnanlagen zu betreten. Züge seien erst spät zu hören und auch mit Blick auf die Geschwindigkeit nicht zu unterschätzen: ICE-Züge seien durchschnittlich mit 160 Stundenkilometern unterwegs.

.Rolf Retzlaff

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