Flügel ermöglichen Weihnachten – Weihnachten verleiht Flügel Pfarrer Gregor Ott

Flügel ermöglichen Weihnachten – Weihnachten verleiht Flügel

Er ist in Kaarst bekannt "wie ein bunter Hund": Gregor Ottersbach ist Pfarrer der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaarst/Büttgen, Seelsorger für die Feuerwehr und Rettungsdienste in Kaarst, ökumenischer Notfallseelsorger, er betreut die Messdiener und Firmanden in St.

Martinus und St. Antonius, arbeitet im Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit für die Kirchenzeitung "Format 4" mit, engagiert sich in der KJG und der Katholischen Landjugend, ist Kolping-Präses, Pfarrverweser und gestaltet die Schulgottesdienste im Georg-Büchner-Gymnasium. Exklusiv für die Leser des Kaarster Extra-Tipp hat der 55-Jährige ein paar ganz besondere Gedanken zum Weihnachtsfest formuliert.

In meiner Zeit als Militäreinsatzpfarrer im Kosovo wollten die Soldaten Weihnachten feiern. Einige Soldaten waren hoch auf einem Berg stationiert und mussten dort ihren Dienst versehen. In den Tagen vor Weihnachten schneite es sehr. Mit dem Auto würden wir die Soldaten nicht erreichen. Was tun? Ich packte die Sachen für den Gottesdienst in meine Tasche. Dann traf ich mich mit Organist, Küchenchef, Kommandeur und Einheitsführer auf dem Landeplatz. Nachdem wir Keyboard, Essen, Geschenke, Weihnachtsbaum, Krippe und Gottesdiensttasche sicher verstaut hatten, flogen wir mit dem Hubschrauber zu den Soldaten auf den Berg. (Rotor-)Flügel ermöglichen Weihnachten!

Nein, Weihnachten war für uns nicht wie zu Hause in Deutschland mit den Partnern, den Kindern, den Großeltern, Verwandten und Bekannten. Im Einsatzland Kosovo war es nicht das Fest der Liebe, der Familie, des Friedens und der Lebensharmonie. Einige Soldaten sagten mir aber, sie hätten deutlicher als zu Hause gespürt: Mit der Feier der Geburt Jesu will Gott mich persönlich an diesem trostlosen Ort berühren.

Ein Geschenk ganz anderer Art. Ein nachhaltiges Geschenk mit kraftvoller Wirkung für die kommende Zeit. Das Weihnachtsfest hatte für sie eine neue Qualität, einen tieferen Sinn bekommen.

Viele in Kaarst/Büttgen werden in diesem Jahr im Kreise ihrer Familie mit den gewohnten Traditionen Weihnachten feiern. Nicht bei allen Menschen wird es ein Fest der Liebe, Lebensharmonie, der Familie und des Friedens. Möglicherweise bricht an Weihnachten gerade das auf, was bisher ungeklärt oder unfriedlich war. Die erwartete positive Stimmung ist dann schnell dahin.

Wer in die biblische Weihnachtsgeschichte nach Lukas schaut, wird dort allerdings auch nicht Liebe, Frieden und Harmonie finden, sondern Stall, Unterdrückung, Herrschaft und Ablehnung.

An Weihnachten will uns Gott berühren, egal in welcher Situation wir persönlich sind. Er will uns Flügel verleihen zur Bewältigung unseres Lebens. Die Wege, die er zum Einzelnen wählt, sind nicht festgelegt. Aber jeden Menschen hat er im Blick. Christen können im Gottesdienst die Berührung Gottes spüren. Sie feiern an Weihnachten das Eintreten Gottes in unsere Welt. Mit Jesu Geburt ist die Rettung da. Der erwartete Retter für die Menschen ist gekommen. Wer das glauben kann und dies persönlich schon erfahren hat, ist angerührt von dieser Botschaft und von diesem Erlebnis. Ihm werden Flügel verliehen, die ihn weitertragen und mit denen er auch andere weitertragen kann!

Die neue Weihnachtsbriefmarke 2018, deren Motiv von Marc Chagall als Glasfenster in St. Stephan von Mainz geschaffen wurde, drückt das sehr gut aus: Maria und das Kind, dahinter ein Engel mit Flügeln.

Weihnachten — ein Fest der Berührung Gottes und ein Fest Flügel zu empfangen und anderen Flügel zu ermöglichen: So kann das Neue Jahr 2019 gut werden! Und das, was derzeit in der Welt, in Deutschland, Nordrhein-Westfalen und Kaarst/Büttgen stagniert, wird hoffentlich in guter Weise beflügelt.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, Freunden und Verwandten in Kaarst/Büttgen ein frohes und gelingendes Weihnachtsfest, sowie ein friedvolles und lebensvolles neues Jahr 2019!

(Kurier-Verlag)