1. Neuss

Keine Hilfe bei der Notdurft

Keine Hilfe bei der Notdurft: Zu wenig Toiletten in der Stadt

Wer kennt das nicht? Bei einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt meldet sich plötzlich und dringend die Blase. Also schnell die nächste Toilette aufsuchen. Doch so leicht wie es klingt, ist das nicht immer...

Tanja Schumann und Heidrun Weissweiler kennen das Problem.

"Wir haben etwa 15 bis 20 Minuten gebraucht, bis wir endlich eine Toilette gefunden haben", klagt Heidrun Weissweiler (57). Bei einem Einkaufsbummel mit ihrer Tochter Tanja Schumann drückte die Blase. "Wir waren gerade in einem großen Bekleidungsgeschäft", erzählt Weissweiler, "dort wurden wir sofort abgewiesen, sie haben dort keine Kundentoiletten. Im nächsten Geschäft hörten wir das gleiche und auch in einem dritten Laden." Ihre Tochter bemängelt die Reaktion des Personals. "Richtig unfreundlich haben sie uns abgewiesen, einkaufen werden wir dort nicht mehr", versichert die 39-Jährige.

Besonders um kleine Kinder und ältere Menschen machen sich die beiden Sorgen. "Manchmal kann man eben nicht so lange warten, besonders bei Kleinkindern, die sich gerade die Windel abgewöhnen. Da muss so schnell wie möglich ein Klo her, sonst geht es in die Hose", so Weissweiler. "Es ist mir ja schon richtig peinlich, in einem Geschäft nach einer Toilette zu fragen. Man schämt sich ja schon für ein menschliches Bedürfnis!"

Keiner der Ladenbesitzer wies auf die öffentlichen Sanitäranlagen hin, die für 20 Cent pro Toilettengang etwas abgelegen auf der Promenadenstraße und am Hamtorwall zur Verfügung stehen. "Ich wüsste nicht, wo die öffentlichen Toiletten überhaupt zu finden sein sollen," wundert sich Schumann. "Besucher der Innenstadt werden auf die Toilettenanlagen mit Schildern im Hauptstraßenzug hingewiesen", heißt es aus dem Rathaus. Eine der beiden Toiletten, die von der Innenstadt aus zu erreichen sind, scheint dauerhaft geschlossen zu sein. Die andere kann nur verwenden, wer das passende Kleingeld hat — eine 20 Cent-Münze oder zwei 10 Cent-Münzen. Achtung: "Bei Überzahlung kein Wechselgeld", warnt ein kleines Schild an der Tür.

Auch die Männer, die nachts aus den Bars und Diskotheken strömen, scheinen Schwierigkeiten mit dem Toilettengang im Straßenzug zu haben, sieht man doch immer wieder, wie sie sich in Hauseingängen oder an Fassaden erleichtern.
"Nach der Straßenordnung der Stadt Neuss gehört zu unzulässigem Verhalten auf der Straße auch die Verrichtung der Notdurft. Zuwiderhandlungen werden nach Einzelfall mit einer Geldbuße in Höhe zwischen 20 und 100 Euro geahndet", erklärt der Bürgermeister. Diese Geldbuße scheint jedoch niemanden abzuhalten.

Bleibt zu hoffen, dass die Passanten in der Innenstadt in Zukunft die Geduld und das nötige Kleingeld haben, um sich auf einer Toilette — nicht an einem Haus — zu erleichtern.