1. Neuss

Meinungen zum Verkehrsversuch in der Neusser Innenstadt

Verkehrsversuch in der Innenstadt endet : Wie ADFC, Handelsverband, IHK und die FRaktion JETZT! das Projekt weiterentwickeln wollen

Der Verkehrsversuch für die Innenstadt endet am 31. März. Wie die FRaktion JETZT!, IHK, Handelsverband und ADFC den Versuch bewerten, lesen Sie hier.

Die neue Fraktion im Stadtrat „FRaktion JETZT!“ setzt auf den Dialog mit den Anliegern der Sebastianusstraße. „Der Verkehrsversuch war nicht optimal“, stellt der Fraktionsvorsitzende, Michael Klinkicht fest, „sowohl die winterliche Jahreszeit, als auch Corona haben nicht dazu beigetragen, die Sebastianusstraße zu beleben und zum Erfolg zu führen. Leider fühlten sich die Anwohner und Gewerbetreibenden ebenfalls nicht mitgenommen, so dass die Verwaltung folgerichtig gehandelt und den Versuch beendet hat.“

Die Fraktion begrüßt, dass nach dem Ende des Verkehrsversuchs neue Überlegungen angestellt werden. Die planungspolitische Sprecherin, Ingeborg Arndt sieht eine Fahrradstraße als Verlängerung der Drususallee im Innenstadtbereich kritisch: „Wir wollen nicht, dass eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern bevorzugt wird. Sinnvoller ist es, alle gleich zu behandeln und das bedeutet die Einführung einer Shared Space Zone. So müssen alle aufeinander Rücksicht nehmen.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein und der Handelsverband haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an Bürgermeister Reiner Breuer und die Ratsfraktionen gewandt. „Die versuchsweise Verkehrsberuhigung der Sebastianusstraße und die damit verbundenen Sorgen der Händler, Gastronomen und anderer Gewerbetreibenden haben uns in den vergangenen Monaten immer wieder beschäftigt“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Nachdem wir unsere Bedenken zu dem Vorhaben mehrfach artikuliert haben, begrüßen wir nun die von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen.“

Erfreulich sei vor allem der Vorschlag, die Sebastianusstraße nur temporär, also vor und nach den üblichen Geschäfts- und Anlieferungszeiten, für den motorisierten Verkehr zu sperren, heißt es in dem Brief. Auch die Vorhaben, den Taxistand wieder an die Sebastianusstraße zurückzuholen und „Kiss-and-Go-Zonen“ einzurichten, begrüßen IHK und Handelsverband. Positiv bewerten IHK und Einzelhandelsverband auch die Idee, die Stadtmöblierung in Absprache mit den Geschäftsleuten und Anwohnern zu verändern. Gleichzeitig sprechen sich IHK und Handelsverband dafür aus, die Auswirkungen auf die Straßenzüge, die von der Verkehrsverlagerung und dem damit verbundenen vermehrten Radverkehr betroffen sind, regelmäßig zu monitoren. Dies gelte zum Beispiel auch für die Batteriestraße und den Wendersplatz.

„Es muss sichergestellt werden, dass diese Straßen weiterhin ihren Zweck im Verkehrssystem der Innenstadt erfüllen können“, heißt es. „Für viele Geschäftsleute handelt es sich bei den Vorschlägen um eine Kompromisslösung, der sie kritisch gegenüberstehen“, betont Handelsverbands-Geschäftsführer Jan Kaiser. „Eine weitere Einschränkung der Befahrbarkeit und Haltemöglichkeit für den motorisierten Verkehr, insbesondere innerhalb der üblichen Geschäftszeiten, könnten die Gewerbetreibenden nicht akzeptieren.“ 

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Der ADFC Neuss macht sich dafür stark, die Sebastianusstraße von ihrer Funktion als Zufahrt zu den Parkhäusern am östlichen Innenstadtrand zu entbinden und nur noch vormittäglichen Lieferverkehr zuzulassen, wie es im Hauptstraßenzug und auf dem Markt schon seit Jahren Praxis sei. Auf mittlere Sicht (bis zum Ende der Sanierung des Meererhofs) solle nach Ansicht des Vereins auch die Zufahrt der Tiefgaragen Meererhof und Kaufhof vom Rheinwallgraben her verhandelt, geplant und gebaut werden, damit nach der Sebastianusstraße auch der Glockhammer vom durchgehenden Autoverkehr befreit werden könne.

Sehr enttäuscht zeigt sich der ADFC-Vorsitzende Heribert Adamsky „über die Mutlosigkeit des Antrags, den die Kooperation aus SPD, Grünen und UWG/FW in die Sitziung des Unterausschusses Mobilität am 9. März 2022 eingebracht hat. Ohne Not will die Kooperation der Sebastianusstraße den Status der Fahrradstraße wieder wegnehmen und schlägt stattdessen vor, diese wahlweise als Shared Space oder als verkehrsberuhigten Bereich auszuzeichnen.

Den letzgenannten Status hatte sie vorher, nämlich als Tempo-20-Zone. Man schlägt also einen handfesten Rückschritt vor.“ Der Alternativvorschlag Shared Space widerspreche dem Prinzip der Fahrradstraße und dem Konzept für eine autoreduzierte Innenstadt.