1. Neuss

Neu im Neusser Stadtrat: Tierschutz hier!

Neu im Rat: Aktion Partei für Tierschutz – Tierschutz hier! : „Wir stehen an der Seite der Tiere!“

Drei Parteien haben erstmals den Einzug in den Neusser Stadtrat geschafft: Die PARTEI, Aktiv für Neuss und Tierschutz hier! In der vergangenen Woche hatte der Stadt-Kurier der PARTEI-Ratsfrau Yulia Vershinina Fragen gestellt, jetzt ist Thomas Schwarz, künftiger Ratsherr für die Aktion Partei für Tierschutz – Tierschutz hier!, an der Reihe. Wie wird sich diese in Neuss neue Partei positionieren?

„Tierschutz hier!“ ist neu in Neuss: Wann wurde die lokale Ortsgruppe gegründet? Gab es einen konkreten Anlass?

Der Kreisverband Neuss wurde am 16. August 2019 in der Gaststätte Haus Selikum in Neuss-Selikum gegründet. Es war der erste Kreisverband der Aktion Partei für Tierschutz überhaupt. Anlass war die Kommunalwahl in diesem Jahr. Wir wollten und wollen dem Tierschutz eine Interessenvertretung an die Seite stellen.

Als neue Partei in Neuss haben Sie einen Sitz im Neusser Stadtrat erobert. Sind Sie damit zufrieden?

Wir haben tatsächlich fest mit diesem einen Sitz gerechnet. 929 Stimmen oder 1,62 Prozent sind kein schlechtes Ergebnis für einen ersten Wahlantritt bei einer Kommunalwahl. Ich bin fest davon überzeugt, dass in fünf Jahren auch zwei Sitze möglich sind. Dafür wollen wir uns bei den Wählern empfehlen.

Können Sie sich vorstellen, Sondierungsgespräche mit anderen Parteien zu führen? Falls ja, mit welchen Parteien vorrangig? Gibt es Parteien, mit denen Sie eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnen?

Es finden nach wie vor Gespräche statt. Wir springen nicht auf den erstbesten Zug auf, auch wenn manch ein Mitstreiter meinen mag, der sei nun bereits abgefahren. Wir denken langfristiger und denken größer. Tierschutz hier! hat das Potenzial für einen politischen Paukenschlag. Gespräche bedeuten ja erst einmal Informationsgewinn. Ich persönlich sehe das als einen Austausch über die Betrachtung von Welt. Da bin ich von Neugierde geleitet. Wir grenzen uns jedoch klar von extremistischen Positionen ab, ob nun politischen oder religiösen Ursprungs, den Wolf im Schafspelz wollen wir nicht noch füttern. Tierschutz hier! ist eine Partei, die mit anderen demokratischen Parteien bündnisfähig ist. Gespräche mit der AfD werde ich nicht führen, ebenso wenig mit der FDP, die sich für das Abschießen von Gänsen im Jröne Meerke stark gemacht hat.

 Tierschutz hier! fordert mehr Respekt gegenüber Tauben und eine tierschutzgerechte Lösung, um eine Überpopulation zu vermeiden.
Tierschutz hier! fordert mehr Respekt gegenüber Tauben und eine tierschutzgerechte Lösung, um eine Überpopulation zu vermeiden. Foto: Kurier Verlag GmbH/Rolf Retzlaff

In Neuss werden Tierschutz-Themen wie Gänsebejagung am Jröne Merke und im Stadtpark, die Bejagung von Nutrias und die Aufhebung des Taubenfütterungsverbots heiß diskutiert. Wie stehen Sie zu diesen Themen?

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Wir stehen an der Seite der Tiere und des Tierschutzes, das ist der Wählerauftrag. Sonst bräuchte es uns nicht. Der Gänsekot ist gesundheitlich unbedenklich, die Fläche eignet sich vielleicht weniger als Liege- oder Spielwiese, aber die Tiere sind eine Bereicherung, eine Attraktion. Ebenso die Nutrias. Mir fehlt der wertschätzende Blick auf die Tierwelt.

Verfolgen Sie als Tierschutz-Partei eine politische Richtung oder wollen Sie sich politisch neutral positionieren?

Wir sind vor allen Dingen keine Ein-Themen-Partei, auch wenn der Name dies zunächst vermuten lässt. Wir betrachten Themen vom Standpunkt des Tierschutzes aus. Tierschutz ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Wenn wir damit jemanden auf den Schlips treten, ist das halt so. Ansonsten würde ich sagen, sind wir eine Partei der bürgerlichen Mitte, wir mögen den Lokalsport, das Schützenfest, unser Brauchtum im Rheinland, die St.-Martinszüge... Der Tierschutz in Deutschland hat seine geschichtlichen Wurzeln im Württembergischen Pietismus. Ich arbeite beim Kolping-Bildungswerk. Somit sind grundlegende Überzeugungen und Werte gar nicht erst verhandelbar. Nach meinem persönlichen Verständnis sollte ein Eintreten für das Staatsziel Tierschutz über Parteigrenzen hinweg konsensfähig sein. Natürlich ist es das nicht. Deshalb gibt es Tierschutz hier!

Im Rat werden zahlreiche Themen behandelt, die nichts mit Tierschutz zu tun haben. Werden Sie auch dort Ihre Stimme abgeben?

Nahezu jedes Thema lässt sich vom Standpunkt des Tierschutzes aus diskutieren: Bauen und Wohnen, Verkehr und Mobilität, Wirtschaft, Stadtentwicklung, Bildung, Kultur... Das wird unsere Aufgabe sein, zu zeigen, dass Neuss eine wertebezogene Kommunalpolitik, die das Staatsziel Tierschutz ernst nimmt, gut zu Gesicht steht. Ich kann mir vorstellen, dass Neuss hier auch mal Vorreiter sein wird.

Rolf Retzlaff stellte die Fragen.