Weshalb Bruderschaften, Religionsgemeinschaften, Schützen- und Sportvereine nicht in den Bezirksausschüssen aufgenommen wurden

Weshalb Bruderschaften, Religionsgemeinschaften, Schützen- und Sportvereine nicht in den Bezirksausschüssen aufgenommen wurden : Schützen und Sportvereine ärgern sich über BZA-Ausschluss

Es scheint, als hätten zahlreiche Vereine, Institutionen und Organisationen nur darauf gewartet, endlich in einem der neu gegründeten acht Bezirksausschüsse mitarbeiten zu dürfen: Bis zu zwölf Bewerber gab es auf die jeweils vier Plätze für beratende Mitglieder.

Das Resultat: Einige Interessenten wurden vom Stadtrat abgelehnt, was zu heftigen Diskussionen führte – für die SPD nicht nachvollziehbar.

Beispiel BZA Nordstadt: Hier hatten sich auf Initiative des Vorsitzenden der SVG Weissenberg, Notker Becker, mehrere Vereine zusammengetan, um im Bezirksausschuss mitwirken zu können; Hermann-Josef Kahlenberg sollte beratendes Mitglied werden – abgelehnt. Auch der Further Schützenbruderschaft wurde ein „Korb gegeben“. „Wir sind natürlich enttäuscht über dieses Ergebnis. Aber wir haben nichts verloren“, erklärt Thomas Loebelt, Pressesprecher der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuss-Furth, „wir sind nach wie vor die mitgliederstärkste Vereinigung der Nordstadt, mit der höchsten Integrationskraft, mit einem sehr hohen Invest an ehrenamtlicher Zeit für soziales Engagement vor Ort. Hierzu zählen wir auch Projekte und Aktionen, welche wir nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell unterstützen. Das werden wir genauso weiterhin mit dem gleichen Selbstverständnis unserer Aufgaben machen. Daran ändert auch die Ablehnung einer Neusser Ratsmehrheit zu unserer Bereitschaft der Mitarbeit im Bezirksausschuss Nordstadt nichts.“

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Die CDU, so deren Fraktionsvorsitzender Sven Schümann, nehme irritiert zur Kenntnis, dass es offensichtlich einheitliche Linie von Rot-Grün sei, keine Sportvereine, Schützenvereine oder Bruderschaften und Religionsgemeinschaften als beratende Mitglieder in die BZA aufzunehmen. „Damit schließen SPD und Grüne gerade die Vereine und Verbände aus, die die meisten Menschen in den Stadtteilen vertreten. Gerade Sportvereine, Schützenvereine sowie Bruderschaften und viele Religionsgemeinden nehmen in vielen Stadtteilen mit großem ehrenamtlichem Engagement deutlich breitere Aufgaben wahr, als ihr eigentlicher Zweck denken lässt“, zeigt sich Schümann enttäuscht, „wir plädieren für bürgernahe individuelle Lösungen“. Die rot-grüne Politik habe im BZA Uedesheim „sogar zu der bizarren Situation geführt, dass die SPD und die Grünen den größten Sportverein SV Uedesheim, den Bürgerschützenverein und die DLRG mit ihrer Rheinwache Uedesheim als beratende Mitglieder ablehnten, obwohl nicht einmal andere Bewerbungen vorlagen. Das lässt mich betroffen zurück“, so der örtliche BZA-Vorsitzende Stefan Crefeld (CDU).

Und wie reagiert die SPD auf die Vorwürfe? „Der Stadtrat hat Ende Januar einstimmig die Kriterien für die Auswahl der beratenden Mitglieder in den Bezirksausschüssen festgelegt: Als beratende Mitglieder kommen Vertreter von Stadtteilkonferenzen und anderen auf Dauer angelegten Zusammenschlüssen von Bürgern, Vereinen oder Gruppierungen in Betracht“, erklärt der Neusser SPD-Vorsitzende Sascha Karbowiak. Ein einzelner Sport- oder Schützenverein falle somit nicht unter diese Vorgabe, jedoch Runde Tische und ähnliche Vereinigungen in den Stadtteilen, die verschiedene Interessen vor Ort bündeln. Die Sport- und Schützenvereine oder auch die Sozialverbände seien im Regelfall in diese Vereinigungen bereits eingebunden. In der Stadtteilkonferenz in Weckhoven würden beispielsweise alle im Stadtteil aktiven Vereine – auch die Sportvereine und der Schützenverein – zu den Sitzungen eingeladen. Auch weist Karbowiak darauf hin, dass die Sportvereine über den Stadtsportverband beratend im Sportausschuss vertreten seien, die Schützenvereine würden eng in die politischen Beratungen durch Schützengipfel und andere Maßnahmen eingebunden. Zudem könnten Vereine jederzeit auch in die Sitzungen des Bezirksausschusses eingeladen werden, zum Beispiel wenn man sich mit der Sportanlage im Stadtteil beschäftige, weiß Karbowiak. Darüber hinaus gebe es am Anfang und am Ende einer jeden Bezirksausschusssitzung eine Fragerunde für Bürger. Rolf Retzlaff