Bürgermeister Reiner Breuer stellt die ersten Pläne vor Wie es mit dem ehemaligen „Kaufhof“-Gebäude weitergehen könnte

Neuss · In der Markthalle Delikatessen und andere Lebensmittel kaufen, hier und da mal Leckereien probieren und das Flair genießen – dies und noch viel mehr soll demnächst im ehemaligen Kaufhof-Gebäude möglich sein. So wird auch darüber diskutiert, ob die Industrie- und Handelskammer (IHK) hier ihre neue Heimat finden könnte – statt des geplanten Domizils auf dem Wendersplatz.

Im Erdgeschoss des Kaufhof-Gebäudes könnte eine Markthalle entstehen.

Im Erdgeschoss des Kaufhof-Gebäudes könnte eine Markthalle entstehen.

Foto: Kurier Verlag/Rolf Retzlaff

Was geschieht mit dem leer stehenden Kaufhof-Gebäude? Eine Frage, deren Antwort die Zukunft der Innenstadt mitbestimmen wird. Nachdem die Stadt die Immobilie erworben (wir berichteten) und das städtische Tochterunternehmen Neusser Bau und Immobilienmanagement GmbH (NBI) sie zum 2. April 2024 übernommen hat, stellte Bürgermeister Reiner Breuer jetzt die ersten Planungs- und Nutzungsvarianten vor. Er spricht gerne von dem Gebäude am Kovent, will den Begriff Kaufhof gar nicht mehr nutzen. Das Erdgeschoss soll einen markhallenähnlichen Charakter erhalten. Die Zwischendecken könnten herausgenommen, die Fassaden aufgebrochen und so eine freundlichere Atmosphäre geschaffen werden. Auf der ersten Etage könnten Handel und Einrichtungen des Gesundheitswesen (Fitnessstudio/Ärzte) untergebracht werden. Die zweite Etage sowie der vom Büchel aus hinter dem Kaufhof liegende Büroturm könnten Heimat des Weiterbildungs- und Innovations-Campus der IHK („IHK-Campus“) werden. Die von der Stadt beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hatte die entsprechenden Pläne vorgestellt. Sollte die IHK zustimmen, könnte der Einzug recht schnell – laut Stadt voraussichtlich 2026 – vonstatten gehen. Bevorzugt die IHK doch den bisher geplanten Standort auf dem Wendersplatz, gibt es bereits eine zweite Option: ein Hotel mit bis zu 80 Zimmern. Alles Gedankenspiele, die möglichst schnell konkretisiert werden sollten, um einen langfristigen Leerstand inmitten der City zu verhindern.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, freut sich über die Option, einen Teil des ehemaligen Kaufhofgebäudes zu nutzen. „Die Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass wir unser Raumprogramm in der Immobilie umsetzen könnten.“ Jetzt gehe es darum, diese Möglichkeit inhaltlich und wirtschaftlich zu prüfen. „Damit haben wir nun zwei potenzielle Standorte für die Weiterentwicklung unseres Neusser IHK-Standorts. Das ist eine gute Basis für unser Vorhaben.“

Zugleich begrüßt der IHK-Hauptgeschäftsführer, dass eine Befreiung von der festgesetzten Gemeinbedarfsfläche und den festgesetzten Baugrenzen auf dem Wendersplatz möglich sei. Eine entsprechende Prüfung hatte die IHK bei der Kanzlei Kapellmann Rechtsanwälte in Auftrag gegeben. „Demnach könnten wir auf Basis des bestehenden Bebauungsplans unser Bauvorhaben auf dem Wendersplatz zügig nach der Landesgartenschau verwirklichen“, so Steinmetz weiter.

 Die IHK könnte in den Büroturm einziehen.

Die IHK könnte in den Büroturm einziehen.

Foto: Kurier Verlag/Rolf Retzlaff

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Schümann begrüßt die Pläne: „Es ist gut, dass alle Seiten gemeinsam an der Entwicklung des Kaufhof-Gebäudes arbeiten. Eine Nutzung durch die IHK ist eine gute Idee, wir sind dafür grundsätzlich offen.“ Wichtiger sei es aber, dass die Stadt schnell Mieter für das Erdgeschoss finde. „Die Türen des Kaufhof-Gebäudes müssen sich bald wieder öffnen. Die Stadt muss dazu Arbeit und Geld in die Immobilie stecken. Aber: Wir akzeptieren keine Verzögerungen oder Einschnitte an anderer Stelle. Vor allem die Kitas und Schulen in Neuss dürfen nicht leiden.“

Die SPD begrüßt die Planungen und nimmt dabei auch die Fassade in den Blick. „Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um die bislang recht triste und klotzige Fassade deutlich freundlicher zu gestalten und die Neusser Innenstadt so ein weiteres Stück attraktiver zu machen“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Sascha Karbowiak. Auch für die oberen Etagen seien nach Aussagen des Gutachters architektonische Verbesserungen möglich – beispielsweise über einen Lichthof, um mehr Licht in das Gebäude zu bekommen.