Die Diskussion um das Damwild schwelt bereits seit 2021. Nun zieht die bestehende Sippe von 42 Tieren noch vor der Paarungszeit im Frühjahr um. „Die geltenden Gesetze erfordern, dass die Tiere regelmäßig geschossen werden müssen, damit die Herde nicht zu groß wird“, erklärt Dietmar Dahmen, Stadtverordneter der SPD Neuss für Reuschenberg und Weckhoven. Doch die Abschussaktionen riefen immer wieder starke Bürgerproteste nach sich, sodass es zuletzt kaum noch möglich war, Jäger für diese Maßnahme zu finden. Nach Aussage der Stadtverwaltung war der Betrieb aber ohne Abschuss von Tieren nicht mehr möglich. Und so zog der Stadtrat einen Schlussstrich. Die zukünftige Nutzung des Geheges wird jetzt im kommenden Umweltausschuss und im Bezirksausschuss beraten. „Mit dem aktuellen Beschluss des Stadtrates ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, über eine nachhaltige Nachnutzung zu entscheiden“, sagt Dietmar Dahmen. Die SPD bringt die Haltung von Alpakas ins Gespräch. „Wir haben für unsere Idee viele positive Rückmeldungen erhalten und werden das jetzt detailliert von der Stadt Neuss prüfen lassen“, sagt der Neusser SPD-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister Sascha Karbowiak. In Willich gibt es beispielsweise schon seit längerer Zeit eine kleine Alpaka-Haltung, die sich großer Beliebtheit erfreut. „Alpakas sind sanfte und neugierige Wesen, die eine beruhigende Wirkung auf Menschen haben und mit denen man beispielsweise auch sogenannte ‚Alpaka-Wanderungen‘ machen kann“, so Dahmen. Zudem seien die Tiere vergleichsweise pflegeleicht, ein echter Publikumsmagnet „und führen in anderen Städten anders als Damwild nicht zu einer Überpopulation“, weiß Karbowiak. Jetzt soll die Stadtverwaltung Erfahrungen aus anderen Städten einholen und auch mögliche anfallende Kosten prüfen.
Die Verwaltung hat bereits einen Vorschlag entwickelt, der die Anbindung des Geheges an den Kinderbauernhof bedeuten würde. In diesem Rahmen würden unter anderem bauliche Veränderungen vorgenommen, bevor Waldziegen in das Gehege umziehen, die aktuell auf dem Kinderbauernhof (auf einer Wiese hinter der Kapelle) zu finden sind. Zugleich sei das Team des Kinderbauernhofs bereits mit dieser Haltung und den Anforderungen dieser Tierart vertraut und habe hier gute Erfahrungen gemacht, heißt es aus dem Rathaus. Mit dieser neuen Nutzung solle auch eine Einbindung in das pädagogische Konzept des Kinderbauernhofes einhergehen.
„Die Stadt Neuss greift zudem gerne Vorschläge von Bürgern oder Vereinen und Organisationen zur künftigen Nutzung auf und bezieht diese in die weitere Planung und die Beratung in den politischen Gremien ein“, macht ein Stadtsprecher deutlich.
Bernd Ramakers, Umweltpolitischer Sprecher der CDU, fordert eine offene Diskussion: „Die Fläche des bisherigen Wildgeheges im Selikumer Park umfasst mehr als zwei Fußballfelder. Vor diesem Hintergrund erschließt sich nicht, warum das Gelände vorschnell einer einzigen Nutzung zugeordnet werden sollte. Vielmehr halten wir es für sinnvoll, verschiedene Nutzungsoptionen zu prüfen und gegebenenfalls zu kombinieren, um die Attraktivität des Areals insgesamt zu steigern.“ Denkbar seien beispielsweise ein Gehege für Nutztiere, ein Waldspielplatz, eine Naherholungsfläche oder auch eine Erweiterung des Arboretums. „Wichtig ist uns dabei: Die Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich eingeladen, sich an der Ideenfindung für die zukünftige Gestaltung einer unserer wenigen Waldflächen zu beteiligen.“