Keine Unfruchtbarmachung der Gelege im Jröne Meerke+++Stimmen von CDU, SPD und FDP: Kreis: Hände weg von Gänseeiern

Keine Unfruchtbarmachung der Gelege im Jröne Meerke+++Stimmen von CDU, SPD und FDP : Kreis: Hände weg von Gänseeiern

Die Stadt Neuss muss Federn lassen im Kampf um die Reduzierung der Schneeganspopulation im Jröne Meerke: Der Rhein-Kreis Neuss als untere staatliche Verwaltungsbehörde hat den entsprechenden Antrag auf Unfruchtbarmachung der Gelege abgelehnt. Für Politik und Verwaltung ein Riesenrückschlag.

Nordstadt. Das Naherholungsgebiet in der Nordstadt hat seit Jahren unter der hohen Gänsepopulation zu leiden: Der Spielplatz musste wegen Gänsekot gesperrt werden, auch Wiesen und Wege werden verkotet. Dennoch heißt es in dem Scheiben des Rhein-Kreises an die Stadt: „Mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Kontakt mit Gänsekot im Naherholungsgebiet Jröne Meerke beziehen sich auf Einzelpersonen und stellen keine Gefahr für die Volksgesundheit dar.“ Zudem sei die Gesamtpopulation der Gänse in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Daraus könne gefolgert werden, dass die die Kapazitätsgrenze erreicht sei. Eine Verringerung der Schneeganspopulation, die sich alljährlich rund fünf Monate im Jahr im Jröne Meerke aufhielten, führe zu einer Erhöhung der Kanadaganspopulation und damit zu einer Steigerung der Verkotung. „Eine Genehmigung Ihres Antrags würde die darin zum Ausdruck kommende Intention konterkarieren“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Er schlägt eine Verringerung des Futterangebotes und/oder der Brut- und Schlafplätze sowie eine artentypische Förderung von Prädatoren (Fressfeinden) vor. Die Untere Landschaftsbehörde werde sich zur weiteren Erörterung mit der Stadt in Verbindung setzen, so Petrauschke.

„Mit großem Bedauern hat die Verwaltung zur Kenntnis genommen, dass der Kreis unseren Antrag auf Reduzierung der Schneeganspopulation im Jröne Meerke abgelehnt hat. Das entsprechende Landesjagdgesetz NRW scheint nicht geeignet, um die Schneeganspopulation zu verringern“, macht auch Stadtpressesprecher Peter Fischer deutlich, dass weitere Gespräche mit dem Rhein-Kreis-Neuss notwendig seien.

Die Neusser FDP sieht in dem derzeitigen Zustand des Jröne Meerke eine deutliche Gesundheitsgefährdung. „In dem Kot der dort dichten Gänsepopulation finden sich regelmäßig Krankheitserreger, wie Salmonellen, Campylobacter, Enterobakterien, Chlamydien aber auch Schimmelpilze, thermophile Pilze und Hefen sowie Viren und Parasiten. Und nicht nur dann, wenn die Gänse dort zu sehen sind“, waren sich Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Land NRW, und der Kreismedizinaldirektor Dr. Michael Dörr im Rahmen einer Infoveranstaltung der Freien Demokraten einig.Der FDP-Vorsitzende Michael Fielenbach, Dr. Jana Pavlik und der Fraktionsvorsitzende Manfred Bodewig sind davon überzeugt, dass dieser Zustand nicht verharmlost und ignoriert werden dürfe, auch wenn sich die Gänsepopulation derzeit wegen des Zugvogelverhaltens verändert darstelle. Die Infektionsgefahr sei geblieben. „Umso mehr halten wir als FDP es jetzt für dringend notwendig und geradezu geboten, im Jröne Meerke vorbeugende Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung zu ergreifen. Das Jröne Meerke ist zu allererst für die Menschen da“, so Dr. Pavlik.

„Das neue Landesjagdgesetz entpuppt sich als völlig wirkungslos“, sagt der Neusser SPD-Vorsitzende Sascha Karbowiak. Mit dem Antwortschreiben des Landrates seien demzufolge auch die CDU Neuss und der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Jörg Geerlings „bis auf die Knochen blamiert“, so SPD-Fraktionschef Arno Jansen. Dazu verweist er auf eine Presseerklärung von Dr. Geerlings vom 5. April 2019, in der dieser unter der Überschrift „Faktencheck“ behaupte: „Die Gelege von Schneegänsen dürfen mit Genehmigung der Unteren Jagdbehörde unfruchtbar gemacht werden. Dazu müsste die Stadt Neuss nur einen Antrag stellen – was sie jedoch nicht getan hat. Anscheinend kann Herr Breuer keine Gesetze lesen. Peinlich“.

Ingrid Schäfer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende für die Bereiche Umwelt, Grünflächen und Sport und gleichzeitig stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Grünflächen, macht deutlich: „Von der Entscheidung des Rhein-Kreises Neuss wurden wir überrascht, zumal für die anderen Gänsearten sogar Abschussgenehmigungen vorliegen, von denen wir aber keinen Gebrauch machen möchten. Das Schreiben konnte noch nicht in der Fraktion diskutiert werden.“ Schäfer gehe davon aus, dass durch die Anpflanzung einer höheren und dichten Hecke wenigstens der Spielplatz für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden könne. „Das habe ich auch im letzten Ausschuss so beantragt“, sagt Schäfer. Mit den Umweltbelastungen (Verkotungen) auf Wegen und Wiesen „werden wir dann leben müssen – dafür haben wir dann ein Naturschutzgebiet“, so Schäfer weiter, „da die Gänse nur etwasechs Monate im Gelände sind, werden sich Mensch und Tier arrangieren müssen. Eine Attraktivierung in Form von Gastronomie, Boulebahn oder ähnlichem gehört eh nicht in ein Naturschutzgebiet.“Rolf Retzlaff

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