Neusser Wirt klagt: Bundesliga-Übertragung ist zu teuer

Teures „Rudelgucken“ : Rund 900 Euro monatlich für das Fußballgucken: Neusser Wirt ist sauer

Seine fußballbegeisterten Gäste haben schon angeboten, ein paar Euro mehr im Monat zu zahlen, doch das wird für Wirt Thomas Klemcyk nicht reichen. Derzeit zahlt er knapp 750 Euro, um seinen Gästen im Norfer Treff Bundesliga-Spiele zeigen zu können. Für diese Summe bekommt er nicht mal alle Spiele.

„Als ich vor einigen Jahren hier angefangen habe, hat die Übertragung der Bundesliga-Spiele noch einen Bruchteil von dem gekostet, was heute fällig wird“, meint Klemcyk sauer. Damals musste er nicht einmal 300 Euro zahlen. Jetzt ist er bei 750 angelangt, die er an Sky und DAZN überweist – und bekommt freitags und montags nicht einmal Spiele zu sehen.

Nicht nur bei den Gebühren, auch bei den Übertragungsrechten ging es hoch her: Sky zeigt die Samstags- und (fast alle) Sonntags-Spiele, DAZN hat die Rechte an der Übertragung der Freitags-Spiele von Eurosport übernommen und strahlt auch die Montags-Spiele aus. Die Champions League gibt es bei DAZN zu sehen.

„Die hatte ich bereits im August vergangenen Jahres dazugebucht“, verrät der Wirt. Als er dann hörte, dass DAZN jetzt die Bundesliga-Spiele überträgt, für die zuvor Eurosport die Rechte hatte, war die Freude zunächst groß. „Ich habe den Fernseher eingeschaltet, bekam aber nichts zu sehen“, so Klemcyk. Eine Nachfrage beim Anbieter ergab, dass er für das Bundesliga-Paket extra zahlen müsse. „Wenn ich tatsächlich alle Spiele zeigen möchte, muss ich rund 900 Euro zahlen“, so der Wirt.

Und es rechne sich schon jetzt kaum: „Bei den Top-Spielen wie Bayern gegen Dortmund oder Köln gegen Düsseldorf ist es gerappelt voll. Die Gäste kommen fünf Minuten vor dem Spiel, um sich noch einen Platz zu angeln, und gehen zehn Minuten nach Abpfiff wieder nach Hause.

Für den Andrang müsse er dann allerdings auch mehr Kellner beschäftigen – und natürlich bezahlen. „Auf Dauer rechnet sich das einfach nicht“, so der Norfer, selbst eingefleischter Fan der Fortuna Düsseldorf. Das Angebot seiner Gäste, ein bis zwei Euro mehr zu zahlen, sei zwar lieb gemeint, helfe aber auch nicht, die horrenden Kosten zu tragen.

„Außerdem, wenn ich von den Gästen fürs Fußballgucken Geld verlange, ist das hier keine Gaststätte mehr. Ich finde es schade, dass auf diese Weise ein Teil unserer Fußballkultur kaputt geht“, bedauert der Wirt die Notwendigkeit, seine Verträge zu kündigen. „Das ,Rudelgucken’ gehört einfach dazu!“, ist er sicher.

Noch bis August 2020 laufen seine Verträge, danach bleiben die Bildschirme im Norfer Treff an den Wochenenden wohl aus – auch wenn der Sky-Vertreter dem Neusser für seine Gäste auch die anderen Sportarten wie die Handball-Bundesliga, Tennis oder Golf schmackhaft machen wollte: „Wenn ich für die Übertragung von Handball-Spielen die Musik aus und den Ton an mache, fragen mich meine Gäste, ob ich etwas Falsches gegessen habe“, lacht Klemcyk.

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