: „Was trägst Du denn drunter?“ Auch den Kilt verstehen viele als „Einladung“Thomas Richard Lorenzen ruft auf zum Kampf gegen Alltags-Sexismus

: „Was trägst Du denn drunter?“ Auch den Kilt verstehen viele als „Einladung“Thomas Richard Lorenzen ruft auf zum Kampf gegen Alltags-Sexismus

Sexismus ist ein allgegenwärtiges Problem. Für viele so alltäglich, dass sie es kaum noch wahrnehmen. Etwas anders ist es jedoch, wenn eine perfide Form der Belästigung, die normalerweise nur Frauen betrifft, auch einem Mann passiert. Drum Major Thomas Richard Lorenzen, der im Rahmen seiner Dudelsack-Auftritte regelmäßig Kilt trägt, setzt sich deshalb jetzt aktiv gegen das so genannte „Upskirting“ (unter den Rock fotografieren) ein.

Neuss. Mit den Worten „Liebe Freunde, selten äußere ich mich auf Facebook zu politischen Themen et cetera, denn eigentlich ist dies nicht die richtige Plattform dafür. Jedoch kann man hier viele Leute erreichen und entsprechend Themen schnell verbreiten, so dass diese eine größere Aufmerksamkeit bekommen“, richtet er sich an seine Freunde und Follower.

Für Drum Major Lorenzen ist der Kilt ein ganz alltägliches Kleidungsstück, denn als glühender Verehrer schottischer Musiktraditionen gehört der entsprechende Dresscode natürlich dazu. Lorenzen hat bereits an zahlreichen Wettkämpfen wie den Schottischen-, Britischen-, Europäischen- und Weltmeisterschaften teilgenommen. Er war unter anderem Drum Major bei der City of Edinburgh Pipe Band und den Drums of Basel. Heute ist er ein gefragter Lehrer, bildet andere Drum Majore aus ganz Europa im Marching, Diszipline und Dress aus. Des Weiteren unterstützt er Bands bei der Vorbereitung oder Durchführung von Wettkämpfen, sowie Veranstaltungen und Shows. Doch einem entkommt er dabei nicht, der Frage: „Was tragen Schotten drunter?“ Selbst bei den seriösesten Veranstaltungen bleibt das nicht aus. Lorenzen: „Nach den aktuellen Geschehen möchte ich gerne auf das Thema Upskirting hinweisen und dafür sensibilisieren! Upskirting nennt man das ungefragte, voyeuristische Fotografieren, das einer Frau unter den Rock guckt. Aber nicht nur Frauen sind von ,Upskirting’ betroffen. Auch Männern kann dies problemlos passieren! Wenn man wie ich in einer Pipe Band (Dudelsackband) aktiv und dann im Kilt (Schottenrock) unterwegs ist, ist man heute definitiv betroffen.“

Unter seinen Freunden und Bekannten ist der Helpensteiner dafür bekannt, dass man ihn nicht einfach aus der Fassung bringen kann. „Ich teile gerne mal aus und stecke auch gut ein“, sagt er über sich. Doch irgendwann waren auch seine Grenzen erreicht: „Die üblichen Sprüche und Fragen, was Mann unter dem Kilt trägt – alles ok. Damit kann ich leben und es gibt immer wieder lustige Momente. Aber mal ehrlich – fragt Ihr auch eine Frau, was sie unter dem Rock trägt?“

Aber lästige Sprüche sind das eine, wenn es da nicht noch etwas anderes gäbe...

„Was, verdammt noch mal, geht in einem Menschen vor, der hingeht und ein Foto davon macht, was Mann/Frau unter dem Rock/Kilt trägt? Und was geht in den Leuten vor, die das mitbekommen, aber nur lachen, anstatt einzugreifen und dies zu verhindern?“, fragt er sich. In Deutschland ist die Praxis des „Upskirtings“ nicht hinreichend vom Gesetz abgedeckt: Strafbar macht man sich erst durch die Verbreitung der Aufnahmen, das Fotografieren ist weiterhin legal. In anderen Ländern wird diese Form der Übergriffigkeit längst bestraft, zum Beispiel in Finnland, Schottland, Australien, Neuseeland und Indien. In England hat eine Kampagne dazu geführt, dass „Upskirting“ mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Als „gebranntes Kind“ setzt sich Lorenzen deshalb für eine aktuell auch in Deutschland laufende Kampagne/Online Petition ein, zu finden unter www.change.org/p/ Stichwort: verbietet-upskirting-in-deutschland.

Seine eindringliche Bitte: „Überlegt Euch mal, wie es wäre, wenn Ihr selber oder ein Familienmitglied betroffen wäre. Ist es nicht Zeit, etwas zu ändern? Zeigt Zivilcourage und lasst so etwas nicht einfach durchgehen. Macht darauf aufmerksam und meldet es den Ordnungsbehörden!“T. Broich

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